Rosch haSchana — Blatt 26b
1Jener ist ein Qaba͑n. Er verstand ihn aber nicht. Als er darauf ins Lehrhaus kam und fragte, erklärten sie ihm: Er sagte dir, jener sei ein Räuber. So heißt es auch: darf denn ein Mensch Gott berauben [hajiqba͑] &c. R. Aḥa aus Barniš sprach zu R. Aši: Wenn ich es wäre, so würde ich ihn gefragt haben: war er dir gegenüber ein Qaba͑n? Wieso ist er ein Qaba͑n? Weshalb ist er ein Qaba͑n? So würde ich [die Bedeutung] erfahren haben. [Levi] aber glaubte, es bedeute nur etwas wie Verbotenes.
2Die Jünger wußten nicht, was serugin bedeute; da hörten sie einst, wie die Magd Rabbis den in Abständen ein tretenden Jüngern zurief: Wie lange noch werdet ihr serugin gehen!?
3Die Jünger wußten nicht, was Ḥalaglogoth bedeute; da hörten sie einst, wie die Magd Rabbis einem Manne, der ein Bündel Portulak löste, zurief: Wie lange noch wirst du deinen Ḥalaglogoth zerstreuen!?
4Die Jünger wußten nicht die Bedeutung von: salseleha. so wird sie dich erheben: da hörten sie einst, wie die Magd Rabbis einem Manne, der sein Haar kräuselte, zurief: Wie lange noch wirst du dein Haar salsel tun!?
5Die Jünger wußten nicht die Bedeutung von: Ich werde sie mit einem Maṭáṭa der Vernichtung wegfegen; da hörten sie einst wie die Magd Rabbis zu ihrer Genossin sprach: Nimm ein Ṭaṭita und fege das Zimmer aus.
6Die Jünger wußten nicht die Bedeutung von: wirf dein Jehab auf den Herrn, er wird dich versorgen; da erzählte Rabba b. Bar Ḥana: Einst ging ich mit einem Araber und trug eine Bürde; da sprach dieser zu mir: Lege dein Jehab auf mein Kamel.
7DAS BLASHORN DES NEUJAHRSFESTES WAR VON EINEM STEINBOCK UND GESTRECKT, DAS MUNDSTÜCK MIT GOLD ÜBERZOGEN UND ZWEI TROMPETEN-[BLÄSER] AN BEIDEN SEITEN. MIT DEM BLASHORN GEDEHNTE UND MIT DEN TROMPETEN KURZE [TÖNE], DENN DAS GEBOT DES TAGES IST DAS BLASHORN.
8DIE BLASHÖRNER DER FASTTAGE WAREN VON EINEM WIDDER UND GEBOGEN, DAS MUNDSTÜCK MIT SILBER ÜBERZOGEN UND ZWEI TROMPETEN[BLÄSER] IN DER MITTE, MIT DEM BLASHORN KURZE UND MIT DEN TROMPETEN GEDEHNTE TÖNE, DENN DAS GEBOT DES TAGES SIND DIE TROMPETEN.
9DER JOBELTAG GLEICHT HINSICHTLICH DES BLASENS UND DER SEGENSSPRÜCHE DEM NEUJAHRSFESTE; R. JEHUDA SAGT, AM NEUJAHRSFESTE BLASE MAN MIT [EINEM BLASHORN] VON EINEM WIDDER, AM JOBELTAGE MIT EINEM VON EINEM STEINBOCK.
10GEMARA. R. Levi sagte: Das Gebot ist: am Neujahrsfeste und am Versöhnungstage mit einem gebogenen und im ganzen Jahre mit einem gestreckten. – Wir haben ja aber gelernt: das Blashorn des Neujahrsfestes war gestreckt, von einem Steinbock!? –
11Er ist der Ansicht des Autors der folgenden Lehre: R. Jehuda sagt, am Neujahrsfeste blies man mit einem gebogenen, von einem Widder, und am Jobeltage von einem Steinbock. – Sollte er doch sagen, die Halakha sei wie R. Jehuda!? – Würde er gesagt haben, die Halakha sei wie R. Jehuda, so könnte man glauben, er sei auch hinsichtlich des Jobeltages der Ansicht R. Jehudas, so lehrt er uns. –
12Worin besteht ihr Streit? – Einer ist der Ansicht, am Neujahrsfeste sei es, je mehr man das Gemüt beugt, desto besser, und am Versöhnungstage dagegen sei es, je gerader das Gemüt ist, desto besser, und der andere ist der Ansicht, am Neujahrsfeste sei es, je gerader das Gemüt ist, desto besser und am Versöhnungstage dagegen sei es, je mehr man das Gemüt beugt, desto besser.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.