Rosch haSchana — Blatt 27a
1DAS MUNDSTÜCK MIT GOLD ÜBERZOGEN. Es wird ja aber gelehrt, es sei, wenn man die Stelle, die an den Mund gelegt wird, mit Gold überzieht, unbrauchbar, und wenn die Stelle, die nicht an den Mund gelegt wird, brauchbar!? Abajje erwiderte: Unsere Mišna spricht von der Stelle, die nicht an den Mund gelegt wird.
2UND HAT ZWEI TROMPETEN[BLÄSER] AN BEIDEN SEITEN. Können denn zwei Stimmen zusammen vernommen werden, es wird ja gelehrt: Gedenke und beachtewurden zusammen ausgesprochen, was sonst der Mund nicht aussprechen und das Ohr nicht vernehmen kann. – Deshalb auch mit dem Blashorn gedehnt. –
3Demnach genügt man seiner Pflicht, wenn man den Schluß des Blasens und nicht den Anfang gehört hat, und somit auch, wenn den Anfang des Blasens und nicht den Schluß.
4Komm und höre: Hat man den ersten Ton geblasen und den zweiten so lang gedehnt wie zwei, so gilt er als nur einer. Weshalb denn, er sollte doch als zwei gelten!? – Die Töne werden nicht geteilt. –
5Komm und höre: Wenn jemand in einer Grube, in einer Zisterne oder in einer Tonne bläst, so hat man, falls man den Schall des Blashorns gehört hat, seiner Pflicht genügt, und wenn nur den Schall eines Geräusches, seiner Pflicht nicht genügt. Weshalb denn, man sollte doch mit dem Beginn des Blasens, bevor noch der Ton verhallte, seiner Pflicht genügen!? –
6Vielmehr, zwei Töne von einer Person sind nicht vernehmbar, von zwei Personen sind sie vernehmbar. –
7Sind sie denn von zwei Personen vernehmbar, es wird ja gelehrt: Aus der Tora lese einer vor und einer übersetze [hinterher], nur dürfen nicht zwei lesen und zwei übersetzen!? –
8[Unser Fall] gleicht eher dem Schlußsatze: das Loblied und die Esterrolle aber dürfen sogar zehn Personen vorlesen. Demnach achtet man mehr, weil man interessiert ist, ebenso achtet man auch hierbei und hört genau, weil man interessiert ist. –
9Weshalb wird demnach beim Blashorn gedehnt!? – Weil das Blashorn Gebot des Tages ist.
10DIE DER FESTTAGE WAREN VON EINEM WIDDER UND GEBOGEN, DAS MUNDSTÜCK MIT SILBER ÜBERZOGEN. Weshalb jenes mit Gold und dieses mit Silber? – Wenn du willst, sage ich: bei einer Volksversammlung ist Silber zu verwenden, denn es heißt: fertige dir zwei silberne Trompeten an. Wenn du aber willst, sage ich: die Tora schonte das Geld Jisraéls. –
11Demnach sollte auch bei jener Silber verwendet werden!? – Immerhin ist die Ehrung des Festtages bedeutender.
12R. Papa b. Šemuél wollte nach unserer Mišna entscheiden, da sprach Raba zu ihm: Sie sagten es nur vom Tempel. Ebenso wird gelehrt: Diese Worte gelten nur vom Tempel, in der Provinz aber ist, wenn Trompeten vorhanden sind, kein Blashorn nötig, und wenn ein Blashorn vorhanden ist, keine Trompeten nötig.
13So führte es R. Ḥalaphta in Sepphoris ein und ebenso R. Ḥananja b. Teradjon in Sikhni, und als die Weisen davon hörten, sprachen sie: So war es Brauch nur am Osttore, am Tempelberge.
14Raba, nach anderen R. Jehošuá b. Levi, sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: mit Trompeten und Blashornschall jauchzet vor dem Könige, dem Herrn; vor dem Könige, dem Herrn, sind Trompeten und Blashornschall erforderlich, anderwärts aber nicht.
15DER JOBELT AG GLEICHT HINSICHTLICH DES BLASENS UND DER SEGENSSPRÜCHE DEM NEUJAHRSFESTE &C. R. Šemuél b. Jiçḥaq sagte: Nach wem richten wir uns jetzt, wenn wir [am Neujahrsfeste] im Gebete sagen: ‘Dieser Tag ist der Beginn deiner Werke, eine Erinnerung an den ersten Tag’? Nach R. Elie͑zer, welcher sagt, die Welt sei im Tišri erschaffen worden.
16R. E͑na wandte ein: Der Jobeltag gleicht hinsichtlich des Blasens und der Segenssprüche dem Neujahrsfeste. Am Neujahrsfeste [sagt man ja]: ‘Dieser Tag ist der Beginn deiner Werke, eine Erinnerung an den ersten Tag’, am Jobeltage aber nicht!? – Dies bezieht sich auf die übrigen [Segenssprüche].
17R. Šiša, Sohn des R. Idi, lehrte es wie folgt: R. Šemuél b. Jiçḥaq sagte: Das, was wir gelernt haben, der Jobeltag gleiche dem Neujahrsfeste hinsichtlich des Blasens und der Segenssprüche, gilt nicht nach R. Elie͑zer, denn nach R. Elie͑zer, welcher sagt, die Welt sei im Tišri erschaffen worden, [sagt man ja] am Neujahrsfeste: ‘Dieser Tag ist der Beginn deiner Werke, eine Erinnerung an den ersten Tag’, am Jobeltage aber nicht. – Dies bezieht sich auf die übrigen [Segenssprüche].
18WENN EIN BLASHORN GEPLATZT IST UND MAN ES ZUSAMMENGEFÜGT HAT.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.