Rosch haSchana — Blatt 30b
1verfügte dies nach Ansicht R. Jehudas, welcher erklärt: bis zu diesem Tage selbst, bis zum ‘selbst’ des Tages, und er ist der Ansicht, ‘bis’ einschließlich. –
2Ist er denn seiner Ansicht, er streitet ja gegen ihn!? Es wird nämlich gelehrt: Nachdem der Tempel zerstört wurde, ordnete R. Joḥanan b. Zakkaj an, daß am ganzen Schwingetage [frische Feldfrucht] verboten sei. R. Jehuda sprach: Dies ist ja auch nach der Tora verboten, denn es heißt: bis zu diesem Tage selbst. –
3R. Jehuda hatte ihn mißverstanden; er glaubte, R. Joḥanan b. Zakkaj meine es rabbanitisch; dem ist aber nicht so, er meinte nach der Tora. –
4Es heißt ja aber, ‘ordnete an’!? – Ordnete an’ heißt, er legte [den Schriftvers] aus und ordnete es an.
5ANFANGS NAHM MAN DIE ZEUGENAUSSAGE ÜBER DEN NEUMOND DEN GANZEN TAG ENTGEGEN,
6ALS ABER EINST DIE ZEUGEN SICH VERSPÄTETEN UND DIE LEVITEN MIT DEM GESANGE ZU EINEM VERSTOSSE KAMEN, ORDNETE MAN AN, [DIE ZEUGEN] NUR BIS ZUR VESPERZEIT ZU EMPFANGEN,
7UND WENN ZEUGEN SPÄTER KOMMEN, SO IST DIESER TAG HEILIG UND DER FOLGENDE EBENFALLS HEILIG.
8NACHDEM DER TEMPEL ZERSTÖRT WURDE, ORDNETE R. JoḤANAN B.ZAKKAJ AN, DIE ZEUGENAUSSAGE ÜBER DEN NEUMOND DEN GANZEN TAG ENTGEGENZUNEHMEN.
9GEMARA. Zu welchem Verstoße kamen die Leviten mit der Musik? Hier erklärten sie: Sie sangen das Lied überhaupt nicht. R. Zera sagte: Sie sangen das Alltagslied beim beständigen Abendopfer.
10R. Zera sprach zu seinem Sohne Ahaba: Geh und rezitiere ihnen wie folgt: Man ordnete an, die Zeugenaussagen über den Neumond nur dann entgegenzunehmen, wenn an diesem Tage noch Zeit zurückbleibt, das beständige Opfer, das Zusatzopfer mit den Trankopfern darzubringen und das Lied ohne Wirrung zu singen. Allerdings war es eine Wirrung, wenn sie das Alltagslied gesungen haben, welche Wirrung war es aber, wenn du sagst, sie hätten das Lied überhaupt nicht gesungen!? –
11Wenn sie es überhaupt nicht gesungen haben, so hast du ja keine größere Wirrung, als dies.
12R. Aḥa b. Hona wandte ein: Das beständige Opfer des Neujahrsfestes wurde nach Vorschrift dargebracht. Beim Zusatzopfer sangen sie: Jauchzet Gott, der unsere Stärke ist, jubelt dem Gotte Ja͑qobs zu. Beim Vesperopfer sangen sie: Die Stimme des Herrn macht die Wüste erzittern.
13Fiel das Neujahrsfest auf einen Donnerstag, an dem auch sonst gesungen wurde: Jauchzet Gott, der unsere Stärke ist, so sangen sie morgens nicht das Lied ‘Jauchzet’, weil dieser Abschnitt später abermals zu singen war,
14vielmehr sangen sie [morgens]: Ich habe seine Schulter vom Joche befreit. Kamen Zeugen nach der Darbringung des beständigen Morgenopfers, so sangen sie das Lied ‘Jauchzet’, obgleich dieser Abschnitt später abermals zu singen war.
15Erklärlich ist es, daß es abermals gesungen wurde, wenn du sagst, sie sangen bei einem Zweifel das Alltagslied, wieso aber wurde es abermals gesungen, wenn du sagst, man habe [bei einem Zweifel] überhaupt nicht gesungen!? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.