Rosch haSchana — Blatt 31a
1Anders ist es da, wo es sich um das tägliche Lied handelt.
2Es wird gelehrt: R. Jehuda sagte im Namen R. A͑qibas: Was sangen sie am Sonntag? Dem Herrn gehört die Erde und was sie füllt. Weil er an diesem die Welt schuf, verschenkte und [allein] regierte.
3Was sangen sie am Montag? Groß ist der Herr und hoch gepriesen. Weil er an diesem seine Werke teilte und über sie herrschte.
4Was sangen sie am Dienstag? Gott steht in der Gottesversammlung. Weil er an diesem in seiner Weisheit die Welt zum Vorschein brachte und seiner Gemeinde das Weltall bereitete. Was sangen sie am Mittwoch? Ein Gott der Rache ist der Herr. Weil er an diesem Sonne und Mond erschuf und dereinst ihre Anbeter bestrafen wird.
5Was sangen sie am Donnerstag? Jauchzet Gott, der unsere Stärke ist. Weil er an diesem Vögel und Fische erschuf, seinem Namen zu huldigen. Was sangen sie am Freitag? Der Herr ist Herrscher, Hoheit hat er angelegt. Weil er an diesem sein Werk beendete und es regiert. Was sangen sie am Šabbath: Ein Psalmlied für den Šabbathtag. Für den dereinstigen Tag, der ganz Ruhetag sein wird.
6R. Neḥemja sprach: Was veranlaßte die Weisen, zwischen den Zeitabschnitten zu unterscheiden!? Vielmehr, am Sonntag, weil er an diesem die Welt erschuf, verschenkte und sie [allein] regierte; am Montag, weil er an diesem seine Werke teilte und über sie herrschte; am Dienstag, weil er an diesem in seiner Weisheit die Welt zum Vorschein brachte und seiner Gemeinde das Weltall bereitete;
7am Mittwoch, weil er an diesem Sonne und Mond erschuf und dereinst ihre Anbeter bestrafen wird; am Donnerstag, weil er an diesem Vögel und Fische erschuf, seinem Namen zu huldigen; am Freitag, weil er an diesem sein Werk beendete und es regiert; am Šabbath, weil er an diesem feierte.
8Sie streiten über die Lehre R. Qaṭṭinas, denn R. Qaṭṭina sagte: Sechstausend Jahre werde die Welt bestehen und ein[tausend] zerstört sein, denn es heißt: und der Herr wird allein an jenem Tage erhaben sein. Abajje aber sagte, zweitausend werde sie zerstört sein, denn es heißt: er wird uns nach zwei Tagen beleben. –
9Was sangen sie beim Zusatzopfer des Šabbaths? R. Ḥanan b. Raba erwiderte im Namen Rabhs: HZJVLK.
10Ferner sagte R. Ḥanan b. Raba im Namen Rabhs: Wie [diese Lieder] diesbezüglich geteilt werden, so werden sie auch im Bethause geteilt. –
11Was sagen sie beim Vesperopfer des Šabbaths? R. Joḥanan erwiderte: Damals sang: Wer gleicht dir; Damals sang.
12Sie fragten: Sangen sie all diese [Verse] an jedem Šabbath oder [abwechselnd], an jedem Šabbath einen? – Komm und höre, es wird gelehrt: R. Jose sagte, während der erste [Chor] einen Turnus machte, machte der zweite zwei. Hieraus ist zu schließen, daß sie an jedem Šabbath einen sangen. Schließe hieraus.
13R. Jehuda b. Idi sagte im Namen R. Joḥanans: Zehn Wanderungen machte die Göttlichkeit, wie dies aus Schriftversen zu entnehmen ist, und dementsprechend wanderte das Synedrium zehnmal aus, wie dies überliefert ist.
14Zehn Wanderungen machte die Göttlichkeit, wie dies aus Schriftversen zu entnehmen ist: vom Sühnedeckel auf den Kerub, vom Kerub auf den Kerub, vom Kerub auf die Schwelle, von der Schwelle in den Hof, vom Hof auf den Altar, vom Altar auf das Dach, vom Dach auf die Mauer, von der Mauer in die Stadt, von der Stadt auf den Berg, vom Berge in die Wüste, und von der Wüste stieg sie hinauf und kehrte zu ihrer Stätte zurück, denn es heißt: ich gehe und kehre zu meiner Stätte zurück.
15Vom Sühnedeckel auf den Kerub, vom Kerub auf den Kerub, vom Kerub auf die Schwelle, denn es heißt : dort werde ich mich dir offenbaren und mit dir reden, von der Deckplatte aus, und es heißt: er ritt auf einem Kerub und flog dahin, und es heißt: und die Herrlichkeit des Gottes Jisraéls hatte sich vom Kerub, auf dem sie gewesen war, hinweg gehoben, zur Schwelle des Hauses hin.
16Von der Schwelle in den Hof, denn es heißt: und das Haus ward von der Wolke erfüllt und der Vorhof ward vom Glanze der Herrlichkeit des Herrn erfüllt. Vom Hofe auf den Altar, denn es heißt: ich sah Gott am Altar stehen. Vom Altar auf das Dach, denn es heißt: lieber auf der Zinne eines Dachs wohnen. Vom Dache auf die Mauer, denn es heißt: siehe, der Herr stand auf einer nach dem Bleilot gebauten Mauer. Von der Mauer in die Stadt, denn es heißt: der Herr ruft der Stadt zu.
17Von der Stadt auf den Berg, denn es heißt: und die Herrlichkeit des Herrn erhob sich mitten aus der Stadt hinweg und ließ sich auf dem Berge nieder, der östlich von der Stadt liegt. Vom Berge in die Wüste, denn es heißt: besser ist es in der Wüste zu wohnen. Von der Wüste stieg sie hinauf und kehrte zu ihrer Stätte zurück, denn es heißt: ich gehe und kehre zu meiner Stätte zurück &c.
18R.Joḥanan sagte: Sechs Monate entzog sich die Göttlichkeit den Jisraéliten [und verweilte] in der Wüste, und als sie trotzdem keine Buße taten, sprach er: Mögen sie ihre Seelen aushauchen, denn es heißt: der Frevler Augen schmachten hin, für sie ist jede Zuflucht verloren, ihre Hoffnung: die Seele aushauchen.
19Dementsprechend wanderte das Synedrium zehnmal aus, wie es überliefert ist: von der Quaderhalle nach der Kaufhalle, von der Kaufhalle nach Jerušalem, von Jerušalem nach Jabne,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.