Rosch haSchana — Blatt 31b
1von Jabne nach Uša, von Uša nach Jabne, von Jabne nach Šaphraa͑m, von Šaphraa͑m nach Beth Šea͑rim, von Beth Šea͑rim nach Sepphoris und von Sepphoris nach Ṭiberjas; am tiefsten war sie in Ṭiberjas, denn es heißt: daß du tief drunten von der Erde her redest.
2R. Elea͑zar sagt, sechsmal sei sie ausgewandert, denn es heißt: niedergestreckt hat er, die in der Höhe wohnten, die hochragende Stadt warf er nieder, er warf sie bis zu Boden nieder, stieß sie bis in den Staub hinab. R. Joḥanan sagte: Von hier aus werden sie dereinst auch erlöst, denn es heißt: schüttle dich vom Staube ab, erhebe und setze dich.
3R. JEHOŠUA͑B.QORḤA SAGTE: AUCH FOLGENDES ORDNETE R. JOḤANAN B. ZAKKAJ AN, DASS NÄMLICH DIE ZEUGEN, WO DER GERICHTSPRÄSIDENT SICH AUCH BEFINDET, SICH NUR DAHIN ZU BEGEBEN HABEN, WO DAS GERICHTSKOLLEGIUM SICH BEFINDET.
4GEMARA. Einst wurde eine Frau vor Amemar in Nehardea͑ vor Gericht geladen; er aber ging dann nach Mahoza und sie folgte ihm nicht. Da erließ er gegen sie ein gerichtliches Verfahren. R. Aši sprach zu ihm: Wir haben ja gelernt, die Zeugen haben, wo der Gerichtspräsident sich auch befindet, sich nur dahin zu begeben, wo das Gerichtskollegium sich befindet!?
5Dieser erwiderte: Dies gilt nur von der Zeugenaussage über den Neumond, weil man ihnen sonst einen Anstoß für die Zukunft legt, hierbei aber heißt es: der Schuldner ist Knecht des Gläubigers.
6Die Rabbanan lehrten: Die Priester dürfen die Estrade [zum Priestersegen] nicht mit ihren Sandalen betreten. Dies ist eine der neun Anordnungen, die R. Joḥanan b. Zakkaj getroffen hat. Sechs in diesem Abschnitte, eine im ersten Abschnitte
7und eine in folgender Lehre: Ein Proselyt, der sich in der Jetztzeit bekehrt hat, muß für seine Vogelopfer ein Viertel [Šeqel] zurücklegen. R. Šimo͑n b. Elea͑zar sprach: R. Joḥanan [b. Zakkaj] ließ bereits abstimmen und hob dies auf, wegen des Anstoßes. –
8Und die [neunte]? Hierüber besteht ein Streit zwischen R. Papa und R. Naḥman b. Jiçḥaq. R. Papa sagt, sie betreffe den vierjährigen Weinberg, und R. Naḥman b. Jiçḥaq sagt, sie betreffe den rotglänzenden Streifen.
9R. Papa sagt, sie betreffe den vierjährigen Weinberg, denn wir haben gelernt: [Früher] brachte man aus allen eine Tagereise entfernten Orten um Jerušalem [die Früchte] des vierjährigen Weinbergs nach Jerušalem. Welche bilden die Grenzorte? Südlich Elath, nördlich A͑qrebath, westlich Lud und östlich der Jarden.
10Hierzu sagte U͑la, nach anderen Rabba b. U͑la, im Namen R. Joḥanans: Aus welchem Grunde? Um die Straßen Jerušalems mit Früchten zu schmücken.
11Ferner wird gelehrt: R. Elie͑zer hatte einen vierjährigen Weinberg, im Osten von Lud, seitwärts von Kepher Ṭabi, und er wollte ihn den Armen freigeben.
12Da sprachen seine Schüler zu ihm: Meister, bereits haben deine Genossen gegen dich abgestimmt und [einen solchen] erlaubt. – Wer sind diese Genossen. – R. Joḥanan b. Zakkaj.
13R. Naḥman b. Jiçḥaq sagt, sie betreffe den rotglänzenden Streifen, denn es wird gelehrt: Anfangs pflegte man ihm den rotglänzenden Streifen an der Tür der Vorhalle außerhalb umzubinden; ward er weiß, so war man froh, ward er nicht weiß, so war man traurig; da ordnete man an, ihn an der Tür der Vorhalle innerhalb umzubinden.
14Aber immer noch lugte man durch und beobachtete; ward er weiß, so war man froh, ward er nicht weiß, so war man traurig, da ordnete man an, die Hälfte an den Felsen und die Hälfte zwischen die Hörner des Bockes zu binden. –
15Aus welchem Grunde sagt R. Naḥman b. Jiçḥaq nicht wie R. Papa? – Er kann dir erwidern: wieso heißt es, wenn es R. Joḥanan b. Zakkaj war, ‘deine Genossen’. Er war ja ein Lehrer R. Elie͑zers!? – Und jener!? – Da es seine Schüler waren, so war es nicht schicklich, zum Lehrer ‘dein Lehrer’ zu sagen. –
16Aus welchem Grunde sagt R. Papa nicht wie R. Naḥman b. Jiçḥaq? – Er kann dir erwidern: wollte man sagen, es war R. Joḥanan b. Zakkaj, so gab es ja zu seiner Zeit keinen rotglänzenden Streifen. Es wird nämlich gelehrt: Das ganze Leben des R. Joḥanan b. Zakkaj betrug hundertundzwanzig Jahre; vierzig Jahre befaßte er sich mit dem Warenhandel, vierzig Jahre studierte er und vierzig Jahre lehrte er.
17Ferner wird gelehrt: Vierzig Jahre vor der Zerstörung des Tempels wurde der rotglänzende Streifen nicht mehr weiß, sondern blieb rot. Ferner haben wir gelernt: Nachdem der Tempel zerstört wurde, ordnete R. Joḥanan b. Zakkaj an. – Und jener!? – In den vierzig Jahren, während welcher er noch studierte, war er Vortragender Schüler, und wenn er etwas sagte, das als begründet einleuchtete,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.