Rosch haSchana — Blatt 32a

1setzte man es in seinem Namen fest.

2DIE REIHENFOLGE DER SEGENSSPRÜCHE: MAN SPRECHE [DIE SEGENSSPRÜCHE] VON DEN VÄTERN, VON DER ALLMACHT UND VON DER HEILIGUNG DES GOTTESNAMENS, WOMIT MAN AUCH [DIE VERSE] VOM KÖNIGTUME [GOTTES] VERBINDE, OHNE DABEI ZU BLASEN,

3[DEN SEGEN] VON DER WEIHE DES TAGES, WOBEI MAN BLASE, [DIE VERSE] VON DEN ERINNERUNGEN, WOBEI MAN BLASE, [DIE VERSE] VON DER POSAUNE, WOBEI MAN BLASE, SODANN [DEN SEGEN] VOM TEMPELDIENSTE, DEN DANKSEGEN UND DEN PRIESTERSEGEN – SO R. JOḤANAN B. NURI.

4R. A͑QIBA SPRACH ZU IHM: WOZU ERWÄHNT MAN [DIE VERSE] VOM KÖNIGTUME [GOTTES], WENN MAN DABEI NICHT BLÄST!? VIELMEHR SPRECHE MAN [DIE SEGENSSPRÜCHE] VON DEN VÄTERN, VON DER ALLMACHT UND VON DER HEILIGUNG DES GOTTESNAMENS, UND [DIE VERSE] VOM KÖNIGTUME [GOTTES] VERBINDE MAN MIT DEM SEGEN VON DER WEIHE DES TAGES, WOBEI MAN BLASE, DIE VERSE VON DEN ERINNERUNGEN, WOBEI MAN BLASE, [DIE VERSE] VON DER POSAUNE, WOBEI MAN BLASE, SODANN [DEN SEGEN] VOM TEMPELDIENSTE, DEN DANKSEGEN UND DEN PRIESTERSEGEN.

5GEMARA. R. A͑QIBA SPRACH ZU IHM: WOZU ERWÄHNT MAN [DIE VERSE] VOM KÖNIGTUME [GOTTES], WENN MAN DABEI NICHT BLÄST!? ‘WOZU erwähnt man’, der Allbarmherzige hat ja zu erwähnen geboten!? – Vielmehr, wozu zehn [Verse], man sollte doch nur neun erwähnen, wo sie doch jenen nicht gleichen.

6Die Rabbanan lehrten: Woher, daß man [den Segen] von den Vätern spreche. Es heißt: gebt dem Herrn, ihr Mächtigen. Woher, daß man [den Segen] von der Allmacht spreche? Es heißt: gebt dem Herrn Herrlichkeit und Stärke.

7Woher, daß man [den Segen] von der Heiligung spreche? Es heißt: gebt dem Herrn die Herrlichkeit seines Namens, werft euch vor dem Herrn nieder in heiligem Schmucke. Woher, daß man [die Verse] vom Königtume [Gottes], von den Erinnerungen und von der Posaune spreche? R. Elie͑zer sagte: Es heißt: Ein Ruhetag, eine Erinnerung des Lärmblasens und heiliger Versammlung. Ein Ruhetag, das ist die Weihe des Tages; eine Erinnerung, das sind [die Verse] von den Erinnerungen; des Lärmblasens, das sind [die Verse] von der Posaune; heiliger Versammlung, heilige ihn durch Arbeitseinstellung.

8R. A͑qiba sprach zu ihm: Weshalb sollten wir nicht [das Wort] Ruhetag auf die Arbeitseinstellung beziehen, womit doch die Schrift beginnt!? Vielmehr: ein Ruhetag, heilige ihn durch Arbeitseinstellung; eine Erinnerung, das sind [die Verse] von den Erinnerungen; des Lärmblasens, das sind [die Verse] von der Posaune; heilige Versammlung, das ist die Weihe des Tages.

9Woher, daß man [die Verse] vom Königtume [Gottes] spreche? Es wird gelehrt: Rabbi sagte: [Die Worte] ich bin der Herr, euer Gott, im [Abschnitte vom] siebenten Monate deuten auf das Königtum [Gottes].

10R. Jose b. Jehuda sagt, dies sei ja gar nicht nötig; es heißt: dies soll für euch eine Erinnerung sein, vor dem Herrn, eurem Gotte, somit sind ja [die Worte:] ich bin der Herr, euer Gott, nicht nötig, und wenn sie dennoch geschrieben stehen, so ist dies eine Hauptnorm, daß überall, wo von Erinnerungen gesprochen wird, auch das Königtum damit verbunden sei. –

11Wo wird [der Segen über die] Weihe des Tages eingeschaltet? Es wird gelehrt: Rabbi sagt, man schalte ihn in den Segen vom Königtume [Gottes] ein, denn wie er sonst in den vierten [Segen] eingeschaltet wird, ebenso auch [am Neujahrsfeste] in der vierten.

12R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, man schalte ihn in den Segen von den Erinnerungen ein, denn wie er sonst in den mittelsten Segen eingeschaltet wird, ebenso auch [am Neujahrsfeste] in den mittelsten.

13Als einst das Gericht in Uša das Jahr weihte, trat R. Joḥanan b. Beroqa in Gegenwart des R. Šimo͑n b. Gamliél [vor das Betpult] und verfuhr nach R. Joḥanan b. Nuri. Da sprach R. Šimo͑n zu ihm: In Jabne pflegten wir nicht so zu verfahren. Am folgenden Tage trat R. Ḥanina, Sohn R. Joses des Galiläers, [vor das Betpult] und verfuhr nach R. A͑qiba. Da sprach R. Šimo͑n b. Gamliél zu ihm: So pflegten wir auch in Jabne zu verfahren. –

14Demnach ist R. Šimo͑n b. Gamliél der Ansicht R. A͑qibas, während doch R. A͑qiba sagt, man verbinde mit der Weihe des Tages [die Verse] vom Königtume Gottes, und R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, mit der Weihe des Tages [die Verse] von den Erinnerungen!? R. Zera erwiderte: Er meinte, man blase auch bei [dem Verse] vom Königtume. –

15‘Am folgenden Tage trat R. Ḥanina’. Was heißt ‘folgenden’: wollte man sagen, der zweite Feiertag, so müßte ja der Elul interkaliert sein, und R. Ḥenana b. Kahana sagte im Namen Rabhs, daß seit E͑zra der Elul nicht interkaliert worden sei!? R. Ḥisda erwiderte: Unter ‘folgenden’ ist das Neujahrsfest des folgenden Jahres zu verstehen.

16MAN LESE NIGHT WENIGER ALS ZEHN [VERSE VOM] KÖNIGTUME GOTTES, aLS ZEHN VON DEN ERINNERUNGEN UND ALS ZEHN VON DER POSAUNE. R. JOḤANAN B.NURI SAGT, MAN HABE DER PFLICHT GENÜGT, WENN MAN VON ALLEN JE DREI GELESEN HAT.

17GEMARA. Wem entsprechen diese zehn [Verse] vom Königtume [Gottes]!? R. [Levi] erwiderte: Entsprechend den zehn Lobliedern, die David im Buche der Psalmen gedichtet hat. – Es sind ja bedeutend mehr Loblieder!? – Der Psalm, in dem es heißt: preiset ihn mit Posaunenblasen.

18R. Joseph erwiderte: Entsprechend den zehn Geboten, die Moše am Sinaj aufgetragen wurden. R. Joḥanan erwiderte: Entsprechend den zehn Aussprüchen, durch die die Welt erschaffen wurde. – Welche sind es? – Die Worte er sprach

19im [Abschnitte] Am Anfang. – Es sind ja nur neun!? – Auch [der Vers] Am Anfang [erschuf] gehört zu den Aussprüchen, denn es heißt: durch den Ausspruch des Herrn wurden die Himmel erschaffen.

20R. JOḤANAN B.NURI SAGT, MAN HABE DER PFLICHT GENÜGT, WENN MAN VON ALLEN JE DREI GELESEN HAT: Sie fragten: Meint er es, drei aus der Tora, drei aus den Propheten und drei aus den Haggiographen, zusammen neun, sodaß sie um einen [Vers] differieren, oder meint er, einen aus der Tora, einen aus den Propheten und einen aus den Haggiographen, zusammen drei, sodaß sie um viele differieren? –

21Komm und höre, es wird gelehrt: Man lese nicht weniger als zehn [Verse] vom Königtume [Gottes], zehn von den Erinnerungen und zehn vom Posaunenblasen, jedoch habe man seiner Pflicht genügt, wenn man von allen je sieben gelesen hat, entsprechend den sieben Himmeln.

22R. Joḥanan b. Nuri sagt, man lese nicht weniger als sieben, jedoch habe man seiner Pflicht genügt, wenn man von allen je drei gelesen hat, entsprechend Tora, Propheten und Haggiographen, und, wie manche sagen, entsprechend Priestern, Leviten und Jisraéliten. R. Hona sagte im Namen Šemuéls: Die Halakha ist wie R. Joḥanan b. Nuri.

23MAN LESE NICHT [SOLCHE VERSE] VON DEN ERINNERUNGEN, DEM KÖNIGTUME [GOTTES] UND DER POSAUNE, DIE VOM STRAFGERICHTE HANDELN. MAN BEGINNE MIT [VERSEN] AUS DER TORA UND SCHLIESSE MIT SOLCHEN AUS DEN PROPHETEN; R. JOSE SAGT, MAN HABE SEINER PFLICHT GENÜGT, WENN MAN MIT SOLCHEN AUS DER TORA GESCHLOSSEN HAT.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.