Rosch haSchana — Blatt 3b
1vielleicht nach einer anderen Ära!? R. Papa erwiderte: [Die Worte:] im zwanzigsten Jahre dienen als Wortanalogie: wie dort nach Artaḥšasta, ebenso da nach Artaḥšasta.
2Woher aber, daß das Ereignis im Kislev zuerst geschah, vielleicht geschah das Ereignis im Nisan zuerst!?
3Dies ist nicht anzunehmen, denn es wird gelehrt: Die Worte, die Ḥanani zu Neḥemja im Kislev sprach, sagte Neḥemja dem Könige im Nisan.
4Ḥanina sprach zu Neḥemja im Kislev, denn es heißt: Worte Neḥemjas, des Sohnes Ḥakaljas: Im Monat Kislev des zwanzigsten Jahres, als ich in der Burg Šušan war, kam Ḥanani, einer meiner Brüder, mit einigen Männern, aus Jehuda. Als ich sie über die Juden, die Geretteten, die aus der Gefangenschaft übrig geblieben waren, und über Jerušalem befragte, da antworteten sie mir: Die Übriggebliebenen, die aus der Gefangenschaft dort in der Provinz übrig geblieben sind, befinden sich in großem Elend und in Schmach; die Mauer Jerušalems ist auseinandergerissen und ihre Tore sind in Feuer verbrannt.
5Neḥemja berichtete es dem Könige im Nisan, denn es heißt: Und es geschah im Monate Nisan des zwanzigsten Jahres des Königs Artaḥšasta, als Wein vor ihm stand, da nahm ich den Wein und reichte ihn dem Könige, ohne daß ich ihn merken ließ, wie schlecht mir war. Der König aber sprach zu mir: Warum siehst du so schlecht aus, während du doch nicht krank bist, das kann nur ein schlechtes Gewissen sein! Da fürchtete ich mich sehr. Und ich sprach zum Könige: Der König möge immerdar leben! Wieso sollte ich nicht schlecht aussehen, wenn die Stadt, die Begräbnisstätte meiner Väter, wüste liegt und ihre Tore vom Feuer verzehrt sind!?
6Da sprach der König zu mir: Um was willst du denn bitten? Da betete ich zum Gotte des Himmels; sodann sprach ich zum Könige: Wenn es dem Könige recht ist, und wenn dir dein Knecht geeignet erscheint, so entsende mich nach Jehuda, nach der Stadt, da die Gräber meiner Väter sind, daß ich sie wieder aufbaue! Und der König sprach zu mir, während seine Kebse an seiner Seite saß: Wie lange wird deine Reise dauern, und wann wirst du zurückkehren? Somit war es dem Könige recht, mich zu entsenden, und ich gab ihm eine Frist an.
7R. Joseph wandte ein: Am vierundzwanzigsten Tage des sechsten Monats, im zweiten Jahre des Königs Darjaveš, und ferner heißt es: im siebenten [Monate], im zweiten Jahre, am einundzwanzigsten des Monats; wieso heißt es demnach [nur]: im siebenten [Monate], es sollte ja heißen: im dritten Jahre!?
8R. Abahu erwiderte: Koreš war ein rechtschaffener König, daher wurde bei ihm wie bei den jisraélitischen Königen gezählt.
9R. Joseph wandte ein : Erstens widersprechen demnach die [folgenden] Schriftverse einander, denn es heißt: es wurde aber dieser Tempel vollendet bis zum dritten Tage des Monats Adar, das ist das sechste Regierungsjahr des Königs Darjaveš, und es wird gelehrt, im darauffolgenden Jahre um diese Zeit sei E͑zra mit den Exulanten aus Babylonien gezogen, während es aber heißt: er gelangte nach Jerušalem im fünften Monate, das ist das siebente Jahr des Königs, wo es doch heißen müßte: das achte Jahr!?
10Und ferner sind sie gar nicht identisch, denn da ist es Koreš, hier aber Darjaveš!? – Es wird gelehrt: Koreš, Darjaveš und Artaḥšasta sind identisch. Koreš [hieß er], weil er ein rechtschaffener [košer] König war, Artaḥšasta hieß er nach dem Namen seines Reiches, und sein wirklicher Namen war Darjaveš. –
11Immerhin besteht ja ein Widerspruch!? R. Jiçḥaq erwiderte: Das ist kein Widerspruch: das eine, bevor er schlecht wurde, das andere, nachdem er schlecht wurde.
12R. Kahana wandte ein: War er denn schlecht geworden, es heißt ja:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.