Rosch haSchana — Blatt 4a

1was man nötig hat, sowohl junge Stiere als auch Widder und Lämmer zu Brandopfern für den Gott des Himmels, Weizen, Salz, Wein und Öl, soll ihnen nach der Angabe der Priester zu Jerušalem Tag für Tag ungeschmälert gegeben werden!? R. Jiçḥaq erwiderte: Meister, von deiner Last! [Es heißt:]damit sie dem Gotte des Himmels Opfer lieblichen Geruches darbringen und für das Leben des Königs und seiner Söhne beten. –

2Ist denn, wer so verfährt, nicht tugendhaft, es wird ja gelehrt, daß, wenn jemand sagt, dieser Sala͑ sei Almosenspende, damit seine Kinder leben bleiben oder damit er der zukünftigen Welt teilhaftig werde, er ein wahrhaft Frommer sei!? –

3Das ist kein Einwand; das eine gilt von Jisraéliten und das andere von den weltlichen Völkern.

4Wenn du aber willst, sage ich: aus folgendem ist zu entnehmen, daß er schlecht wurde. Es heißt: der Schichten von Quadersteinen sollen drei sein und eine Schicht aus Holz; die Kosten sollen aus dem königlichen Hause bestritten werden. Weshalb errichtete er [den Tempel] so? Er dachte : sollten die Juden mir abtrünnig werden, so verbrenne ich ihn im Feuer. –

5Hat ihn denn Šelomo nicht ebenso errichtet, es heißt ja: drei Schichten von Quadersteinen und eine aus Zedernholz !? – Šelomo legte sie oben, er aber legte sie unten, Šelomo versenkte sie in die Mauer, er aber versenkte sie nicht in die Mauer, Šelomo verkleidete sie mit Kalk, aber er verkleidete sie nicht mit Kalk.

6R. Joseph, nach anderen R. Jiçḥaq, sagte: Aus folgendem, ist zu entnehmen, daß er schlecht wurde: und der König sprach zu mir, während die Kebse an seiner Seite saß, und Rabba b. Lema sagte im Namen Rabhs, unter ‘Kebse’ sei eine Hündin zu verstehen. –

7Es heißt ja aber: du hast dich über den Herrn des Himmels erhoben; die Gefäße seines Tempels hat man für dich bringen müssen, damit du mit deinen Kebsen und Konkubinen Wein daraus tränkest; wie kann denn unter ‘Kebse’ eine Hündin zu verstehen sein, diese trinkt ja keinen Wein!? – Das ist kein Einwand; man richtet sie ab, und sie trinkt. –

8Es heißt ja aber: der Könige Töchter zu deinem Schmucke, die Kebse steht zu deiner Rechten in Ophirgold; was verkündet demnach der Prophet Jisraél, wenn unter ‘Kebse’ eine Hündin zu verstehen ist!? – Er meint es wie folgt: als Belohnung dafür, daß die Tora bei Jisraél so beliebt ist, wie die Kebse bei den weltlichen Völkern, ist ihnen das Ophirgold beschieden.

9Wenn du aber willst, sage ich: tatsächlich ist [sonst] unter ‘Kebse’ die Königin zu verstehen, nur hatte Rabba b. Lema eine Überlieferung, und nur deshalb nennt er sie ‘Kebse’, weil sie ihm wie eine Kebse lieb war. Oder auch, weil er sie auf dem Platze der Kebse sitzen ließ.

10Wenn du aber willst, sage ich: aus folgendem ist zu entnehmen, daß er schlecht wurde: bis zu hundert Talenten Silber, bis zu hundert Kor Weizen, bis zu hundert Bath Wein, und bis zu hundert Bath Öl und Salz ohne Einschränkung &c.; bis dahin ohne Maß, dann aber mit festgesetztem Maße. –

11Vielleicht waren ihm bis dahin die Maße nicht bekannt!? – Vielmehr, am richtigsten ist es, wie wir vorher erklärt haben.

12UND DER FESTE. Beginnen die Feste denn am ersten Nisan, sie beginnen ja am fünfzehnten Nisan!? R. Ḥisda erwiderte: Das in diesen Monat fallende Fest ist (Jahres)anfang der Feste.

13Dies ist von Bedeutung hinsichtlich des Verbotes des Versäumens, nach R. Šimo͑n. Es wird nämlich gelehrt: Sowohl beim Gelobten als auch bei der Weihung für das Heiligtum als auch beim Schätzgelübde übertritt man, sobald drei Feste verstrichen sind, das Verbot des Versäumens.

14R. Šimo͑n sagt, drei Feste der Reihe nach, mit dem Pesaḥfeste beginnend. Desgleichen sagte R. Šimo͑n b. Joḥaj: Zuweilen sind es drei Feste, zuweilen vier und zuweilen fünf. Und zwar: hat man vor dem Pesaḥfeste gelobt, so sind es drei, wenn vor dem Wochenfeste, so sind es fünf, wenn vor dem Hüttenfeste, so sind es vier.

15Die Rabbanan lehrten: Wer Kaufwert, Schätzgelübde, Gebanntes, Geweihtes, Sündopfer, Schuldopfer, Brandopfer, Heilsopfer, Almosen, Zehnten, Erstgeburt, [Vieh]zehnten, Pesaḥopfer,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.