Rosch haSchana — Blatt 4b

1Nachlese, Vergessenes, oder Eckenlaß schuldet, begeht das Verbot des Versäumens, sobald drei Feste verstrichen sind. R. Šimo͑n sagt, drei Feste der Reihe nach, mit dem Pesaḥfeste beginnend.

2R. Meír sagt, sobald nur ein Fest verstrichen ist, habe man das Verbot des Versäumens begangen. R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagt, sobald zwei Feste verstrichen sind, habe man das Verbot des Versäumens begangen. R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n sagt, sobald das Hüttenfest verstrichen ist, habe man das Verbot des Versäumens begangen. –

3Was ist der Grund des ersten Tanna? – Merke, die Schrift spricht ja von diesen, wozu wiederholt sie wiederum: am Pesaḥfeste, am Wochenfeste und am Hüttenfeste? Doch wohl wegen des Verbotes des Versäumens.

4R. Šimo͑n sagte: Die Schrift braucht ja nicht das Hüttenfest zu nennen, wo sie ja von diesem spricht, und wenn sie es dennoch nennt, so besagt dies, daß dieses das letzte ist. –

5Was ist der Grund R. Meírs? – Es heißt: du sollst dahin kommen; ihr sollt dahin bringen. –

6Und die Rabbanan? – Dies, daß es Gebot ist. –

7Und R. Meír!? – Da die Tora es zu bringen sagt, und man es nicht gebracht hat, so hat man ja das Verbot des Versäumens übertreten. –

8Was ist der Grund des R. Elie͑zer b. Ja͑qob? – Es heißt: dies sollt ihr dem Herrn an euren Festzeiten herrichten; das mindeste von ‘Festzeiten’ ist zwei. –

9Und die Rabbanan!? – Dies deutet auf die Lehre R. Jonas, denn R. Jonas sagte: Alle Feste gleichen einander, indem sie alle die Verunreinigung des Tempels und seiner Heiligtümer sühnen. –

10Was ist der Grund des R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n? – Es wird gelehrt: R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n sagte: Die Schrift braucht ja nicht das Hüttenfest zu nennen, wo sie ja von diesem spricht, und wenn sie es dennoch nennt, so besagt dies, daß dieses [das Verbot] veranlaßt. –

11Was folgern R. Meír und R. Elie͑zer b. Ja͑qob aus [dem Verse]: am Pesaḥfeste, am Wochenfeste und am Hütttenfeste? – Diesen verwenden sie für eine Lehre des R. Elea͑zar im Namen R. Ošajas, denn R. Elea͑zar sagte im Namen R. Ošajas: Woher, daß [das Festopfer] des Wochenfestes während sieben Tagen nachgeholt werden kann? Es heißt: am Pesaḥfeste, am Wochenfeste und am Hüttenfeste, das Wochenfest gleicht also dem Pesaḥfeste: wie es am Pesaḥfeste während aller sieben Tage nachgeholt werden kann, ebenso kann es am Wochenfeste sieben Tage nachgeholt werden. –

12Sollte er es mit dem Hüttenfeste vergleichen, wie es an diesem acht sind, ebenso an jenem acht!? – Der achte Tag ist ein Fest für sich. –

13Allerdings ist der achte Tag ein Fest für sich hinsichtlich des Loses, des Zeitsegens, des Festes, des Opfers, des Tempelgesanges und des Segens, hinsichtlich der Nachholung aber stimmen ja alle überein, daß er eine Fortsetzung des ersten [Tages] sei!?

14Wir haben nämlich gelernt: Wer das Festopfer am ersten Tage des Hüttenfestes nicht dargebracht hat, bringe es während des ganzen Festes dar, auch am letzten Festtage. –

15Ergreifst du viel, so hast du nichts ergriffen, ergreifst du wenig, so hast du es ergriffen. –

16Wozu wiederholt der Allbarmherzige das Hüttenfest? – Um es mit dem Pesaḥfeste zu vergleichen:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.