Rosch haSchana — Blatt 6a
1auch aus einer Lehre Ben Azajs zu entnehmen!? Es wird nämlich gelehrt: Ben Azaj sagte:
2Es, was lehrt dies!? Da es heißt: versäume nicht, es einzulösen, so könnte man glauben, auch das versäumt [eingelöste] Gelübde mache nicht wohlgefällig, so heißt es es, nur dieses macht nicht wohlgefällig, wohl aber macht das versäumt [dargebrachte] Gelübde wohlgefällig. –
3Vielmehr, an dir eine Sünde, nicht aber an deiner Frau eine Sünde.
4R. Joḥanan, nach anderen R. Elea͑zar, sagte: Die Frau stirbt einem nur deshalb, weil man von ihm Geld zu fordern und er keins hat, denn es heißt: warum soll man dir das Lager unter dir wegnehmen, wenn du nicht bezahlen kannst. Man könnte nun glauben, die Frau sterbe einem auch wegen der Sünde des Versäumens, so lehrt er uns.
5Die Rabbanan lehrten: Den Ausspruch deiner Lippen, es ist ein Gebot; sollst du halten, es ist ein Verbot; du sollst tun, es ist eine Verwarnung für das Gericht, dich zu zwingen; wie du gelobt, das ist das Gelobte; dem Herrn, deinem Gott, das sind Sündopfer, Schuldopfer, Brandopfer und Heilsopfer; ein freiwilliges Opfer, dem Wortlaut gemäß; was du ausgesprochen hast, das sind Spenden zum Tempel-Reparaturfonds’; mit deinem Munde, das ist Almosen.
6Der Meister sagte: Den Anspruch deiner Lippen, es ist ein Gebot. Wozu dies, dies geht ja hervor aus [dem Verse]: du sollst dahin kommen, ihr sollt dahin bringen!? Sollst du halten, es ist ein Verbot. Wozu dies, dies geht ja hervor aus [dem Verse]: versäume nicht, es einzulösen!?
7Du sollst tun, es ist eine Verwarnung für das Gericht, dich zu zwingen. Wozu dies, dies geht ja hervor aus [dem Verse]: er soll es darbringen!? Es wird nämlich gelehrt: Er soll es darbringen, dies lehrt, daß man ihn dazu zwinge; man könnte glauben, durch Gewalt, so heißt es: nach seinem Wunsche. Auf welche Weise? Man nötige ihn, bis er sagt, er wolle es. –
8Das eine, wenn er [ein Opfer] zugesagt und nicht abgesondert hat, und das andere, wenn er es auch abgesondert, aber nicht dargebracht hat.
9Und beides ist nötig. Hätte er nur den Fall gelehrt, wenn er zugesagt und nicht abgesondert hat, so könnte man glauben, weil er sein Wort nicht eingelöst hat, wenn er es aber abgesondert und nicht dargebracht hat, sei es in der Schatzkammer des Allbarmherzigen, wo es sich auch befindet.
10Und hätte er nur den Fall, wenn er es auch abgesondert und nicht dargebracht hat, so könnte man glauben, weil er es ja bei sich zurückhält, wenn er es aber nur zugesagt und nicht abgesondert hat, könnte man glauben, sei das bloße Wort belanglos. Daher ist beides nötig. –
11Wieso kannst du sagen, wenn er es zugesagt und nicht abgesondert hat, es heißt ja ‘Gespendetes’!? Es wird nämlich gelehrt: Was heißt Gelobtes? Wenn man sagt: ‘ich nehme auf mich, ein Brandopfer [darzubringen]’. Was heißt: Gespendetes? Wenn man sagt: ‘dieses sei ein Brandopfer’.
12Welchen Unterschied gibt es zwischen Gelobtem und Gespendetem? Für das Gelobte ist man, wenn es verendet oder gestohlen wird, haftbar, für das Gespendete ist man, wenn es verendet oder gestohlen wird, nicht haftbar.
13Raba erwiderte: Es kann in dem Falle vorkommen, wenn er gesagt hat: ‘ich nehme auf mich, [ein Brandopfer darzubringen], mit der Bedingung, dafür nicht haftbar zu sein!’
14«Mit deinem Munde, das ist Almosen.» Raba sagte: Almosen muß man sofort entrichten, weil die Armen vorhanden sind. –
15Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, auch bei diesem erst nach drei Festen wie bei den Opfern, da es mit den Opfern genannt wird, so lehrt er uns, daß der Allbarmherzige nur jene von den Festen abhängig gemacht hat, nicht aber dieses, weil die Armen vorhanden sind.
16Raba sagte: Sobald ein Fest verstrichen ist, hat man das Gebot übertreten.
17Man wandte ein: R. Jehošua͑ und R. Papjas bekundeten, daß das Junge eines Heilsopfertiers als Heilsopfer darzubringen sei. R. Papjas sprach: Ich bekunde, daß wir eine Heilsopferkuh hatten, die wir am Pesaḥfeste verzehrten, und das Junge derselben ebenfalls als Heilsopfer [erst] am Feste verzehrten.
18Erklärlich ist es nun, daß sie [das Junge] nicht am Pesaḥfeste darbrachten, weil es dann vielleicht das Alter noch nicht hatte, wieso aber ließen sie das Wochenfest vorübergehen und übertraten ein Gebot!?
19R. Zebid erwiderte im Namen Rabas:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.