Rosch haSchana — Blatt 8a
1Aber das Jobeljahr!? – Hier ist die Ansicht R. Jišma͑éls, des Sohnes des R. Joḥanan b. Beroqa vertreten.
2R. Aši erklärte: Vier Jahresanfänge, die mit dem Neumonde beginnen. –
3Der erste Šebaṭ ist es ja nur nach der Schule Šammajs!? – So meint er es: drei nach aller Ansicht, und über den ersten Šebaṭ besteht ein Streit zwischen der Schule Šammajs und der Schule Hillels.
4R. ELEA͑ZAR UND R. ŠIMo͑N SAGEN, DER ERSTE TIŠRI. R. Joḥanan sagte: Beide folgern es aus einem Schriftverse. Es heißt: die Anger sind mit Schafen bekleidet und die Talgründe hüllen sich in Korn; man jauchzt und singt. R. Meír erklärt: Die Anger bekleiden sich mit Schafen, wenn die Talgründe sich in Korn hüllen, und der Adar ist es, in dem die Talgründe sich in Korn hüllen. Sie werden somit im Adar trächtig und gebären im Ab, mithin beginnt für sie der Jahresanfang mit dem Elul.
5R. Elea͑zar und R. Šimo͑n aber erklären: Die Anger kleiden sich mit Schafen, wenn [das Korn] jauchzt und singt, und der Nisan ist es, in dem die Ähren ein Loblied singen. Sie werden somit im Nisan trächtig und gebären im Elul, mithin beginnt für sie der Jahresanfang mit dem Tišri. –
6Und jener, es heißt ja: jauchzt und singt!? – Dieses bezieht sich auf die Spätlinge, die erst im Nisan [trächtig] werden. – Und dieser, es heißt ja: die Talgründe hüllen sich in Korn!? – Dies bezieht sich auf die Frühlinge, die schon im Adar [trächtig] werden. –
7Richtig ist der Schriftvers nach R. Meír: die Anger kleiden sich mit Schafen, wenn die Talgründe sich in Korn hüllen, und manche erst, wenn dieses jauchzt und singt; nach R. Elea͑zar und R. Šimo͑n aber müßte es ja umgekehrt heißen: Die Anger kleiden sich mit Schafen, wenn [das Korn] jauchzt und singt, und manche schon, wenn die Talgründe sich in Korn hüllen!?
8Vielmehr, erklärte Raba, stimmen alle überein, daß die Anger sich dann mit Schafen bekleiden, wenn die Talgründe sich in Korn hüllen, nämlich im Adar, und sie streiten vielmehr über folgenden Schriftvers: einen Zehnten sollst du ‘zehnten’, die Schrift spricht von zwei Zehnten, vom Viehzehnten und vom Getreidezehnten.
9R. Meír ist der Ansicht, sie vergleiche den Viehzehnten mit dem Getreidezehnten: wie der Getreidezehnt beim Fertigwerden zu entrichten ist, ebenso der Viehzehnt beim Fertigwerden. R. Elea͑zar und R. Šimo͑n aber sind der Ansicht, sie vergleiche den Viehzehnten mit dem Getreidezehnten: wie für den Getreidezehnten der Jahresanfang mit dem Tišri beginnt, ebenso beginnt der Jahresanfang für den Viehzehnten mit dem Tišri.
10DER ERSTE TIŠRI IST JAHRESANFANG DES KALENDERJAHRES. Hinsichtlich welcher Halakha? R. Papa erwiderte: Hinsichtlich der Schuldscheine, denn es wird gelehrt: Vordatierte Schuldscheine sind ungültig, nachdatierte sind gültig. –
11Wir haben ja aber gelernt, der erste Nisan sei Jahresanfang der Könige, und auf unsere Frage, hinsichtlich welcher Halakha, erwiderte R. Ḥisda, hinsichtlich der Schuldscheine!? –
12Das ist kein Einwand; das eine gilt von jisraélitischen Königen und das andere von Königen der weltlichen Völker. –
13R. Ḥisda sagte, dies gelte nur von jisraélitischen Königen, bei Königen der weltlichen Völker aber beginne man mit dem Tišri zu zählen; will er uns etwa eine Mišna lehren!? –
14Nein, R. Ḥisda will dies mit dem Schriftverse belegen.
15Wenn du aber willst, sage ich: R. Hisda erklärte dies nach R. Zera, welcher sagt, [an diesem beginne] der Jahreszyklus nach R. Elie͑zer, welcher sagt, die Welt sei im Tišri erschaffen worden.
16R. Naḥman b. Jiçḥaq erklärte: Hinsichtlich des [himmlischen] Gerichtes, denn es heißt: vom Beginne des Jahres bis zum Schlusse des Jahres; am Beginne des Jahres wird geurteilt, was am Schlusse sein soll. –
17Woher, daß dies im Tišri erfolgt!? – Es heißt: stoßet am Neumonde in die Posaune, am Verborgenen auf den Tag unseres Festes; an welchem Feste bleibt der Mond verborgen?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.