Rosch haSchana — Blatt 9a

1Und die Rabbanan!? – Du hast das fünfzigste Jahr zu zählen, nicht aber hast du das einundfünfzigste zu zählen. Dies schließt die Ansicht R. Jehudas aus; dieser sagt, das fünfzigste Jahr werde nach unten und nach oben gerechnet, er lehrt uns, daß dem nicht so sei.

2Woher, daß man vom Profanen zum Heiligen hinzufüge? –

3Es wird gelehrt: Beim Pflügen und beim Ernten sollst du ruhen. R. A͑qiba sagte: Da dies vom Pflügen und Ernten im Siebentjahre nicht nötig ist, da es bereits heißt: du darfst dein Feld nicht besäen &c., so beziehe man es auf das Pflügen im Vorsiebentjahre für das Siebentjahr und auf die Ernte des Siebentjahres im Nachsiebentjahre.

4R. Jišma͑él sagte: Wie das Pflügen Freigestelltes ist, so auch das Ernten, wenn es Freigestelltes ist, ausgenommen ist das Ernten der Erstlingsgarbe, das Gebot ist. –

5Woher folgert R. Jišma͑él, daß man vom Profanen zum Heiligen hinzufüge? – Es wird gelehrt: Ihr sollt eure Leiber am neunten kasteien; man könnte glauben, schon am neunten, so heißt es: am Abend. Aus [dem Worte] am Abend könnte man entnehmen, erst wenn es dunkel ist, so heißt es: am neunten. Wie ist dies zu erklären? Man beginne schon am Tage sich zu kasteien. Dies lehrt, daß man vom Profanen zum Heiligen hinzufüge.

6Ich weiß dies vom Beginne, woher dies vom Ausgange? Es heißt: vom Abend bis zum Abend.

7Ich weiß dies vom Versöhnungstage, woher von den Šabbathen? Es heißt: sollt ihr feiern. Woher dies von den Festen? Es heißt: einen Ruhetag. Dies besagt, daß man bei jedem Ruhetage vom Profanen zum Heiligen hinzufüge. –

8Wofür verwendet R. A͑qiba [den Schriftvers]: ihr sollt eure Leiber am neunten kasteien? – Diesen verwendet er für die Lehre des R. Ḥija b. Rabh aus Diphte, denn R. Ḥija b. Rabh aus Diphte lehrte: Ihr sollt eure Leiber am neunten kasteien; fastet man etwa am neunten, man fastet ja am zehnten!? Dies besagt vielmehr, daß die Schrift jedem, der am neunten ißt und trinkt, es anrechnet,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.