Sanhedrin — Blatt 103a

1um Menašes willen, der keine Buße getan hat.

2R. Joḥanan sagte: Wer da sagt, Menaše habe keinen Anteil an der zukünftigen Welt, macht die Hände der Bußfertigen erschlaffen, denn ein Schüler lehrte vor R. Joḥanan, Menaše habe dreiunddreißig Jahre in Bußfertigkeit verbracht. Es heißt nämlich: zwölf Jahre war Menaše alt, als er König ward, und fünfundfünfzig Jahre regierte er zu Jerušalem; und er tat, was dem Herrn mißfiel, wie es Aḥa͑b, der König von Jisraél, getan hatte. Aḥa͑b regierte zweiundzwanzig Jahre und Menaše regierte fünfundfünfzig Jahre; wenn man zweiundzwanzig abzieht, so bleiben es dreiunddreißig.

3R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Es heißt: er ließ sich von ihm erbitten und eröffnete sich ihm; es sollte doch heißen: er erhörte ihn? Dies lehrt, daß wegen der Eigenschaft der Gerechtigkeit der Heilige, gepriesen sei er, für ihn eine Art Öffnung im Himmel gemacht hatte, um ihn in seiner Bußfertigkeit aufzunehmen.

4Ferner sagte R. Joḥanan im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Es heißt: im Anfang der Regierung Jeḥojaqims, des Sohnes Jošijahus; und es heißt: im Anfang der Regierung Çidqijas; gab es denn bis dahin keine Könige!?

5Vielmehr, der Heilige, gepriesen sei er, wollte wegen des Jehojaqim die ganze Welt in Wüste und Leere verwandeln, als er aber sein Zeitalter betrachtete, wurde er besänftigt;

6ferner wollte er wegen des Zeitalters Çidqijas die ganze Welt in Wüste und Leere verwandeln, als er aber Çidqija betrachtete, wurde er besänftigt. – Aber von Çidqija heißt es ja ebenfalls: er tat, was dem Herrn mißfällig war!? – Weil er es ihnen wehren sollte und es nicht getan hat.

7Ferner sagte R. Joḥanan im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Es heißt: wenn ein Weiser mit einem Narren rechtet, so zürnt er und lacht, aber es gibt keine Ruhe. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Ich zürnte Aḥaz und gab ihn in die Hände der Könige von Dammešeq, da opferte und räucherte er [ihren Göttern, wie es heißt: Er opferte] den Göttern von Dammešeq, die ihn besiegt hatten, und sprach: Die Götter der Könige von Aram, die haben ihnen beigestanden; ihnen will ich opfern, damit sie auch mir beistehen. Sie dienten ihm aber dazu, ihn und ganz Jisraél zu Fall zu bringen.

8Ich lächelte Amaçja zu und gab die Könige von Edom in seine Hand, da holte er ihre Götter und verehrte sie, denn es heißt: als aber Amaçja nach dem Siege über die Edomiter heimgekommen war, brachte er die Götter der Šei͑riten und stellte sie als Götter auf, und sie pflegte er zu verehren und vor ihnen räucherte er. R. Papa sagte: Das ist es, was die Leute sagen: Weint man vor ihm, versteht er nicht, lacht man vor ihm, versteht er nicht; wehe ihm, der zwischen gut und schlecht nicht unterscheiden kann.

9Da kamen alle Obersten des Königs von Babel und ließen sich am Mitteltore nieder. R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Eine Stelle, wo die Halakhot festgesetzt wurden. R. Papa sagte: Das ist es, was die Leute sagen: An der Stelle, wo der Hausherr seine Waffen aufhängt, hängt der gemeine Hirt seinen Wasserkrug auf.

10R. Ḥisda sagte im Namen des R. Jirmeja b. Abba: Es heißt: am Acker eines faulen Mannes ging ich vorüber und am Weinberge eines unverständigen Menschen; und siehe, er war ganz in Nesseln aufgegangen, seine Oberfläche war mit Unkraut bedeckt, und seine Steinmauer war eingerissen. Am Acker eines faulen Mannes ging ich vorüber, das ist Aḥaz; am Weinberge eines unverständigen Menschen, das ist Menaše; und siehe, er war ganz in Nesseln aufgegangen, das ist Amon; seine Oberfläche war mit Unkraut bedeckt, das ist Jeḥojaqim; und seine Steinmauer war eingerissen, das ist Çidqijahu, in dessen Tagen der Tempel zerstört wurde.

11Ferner sagte R. Ḥisda im Namen des R. Jirmeja b. Abba: Vier Menschenklassen werden von der Göttlichkeit nicht empfangen: die der Spötter, die der Lügner, die der Heuchler und die der Verleumder. Die der Spötter, denn es heißt: er zieht seine Hand von den Spöttern. Die der Lügner, denn es heißt: wer Lügen redet, soll vor meinen Augen nicht bestehen. Die der Heuchler, denn es heißt: vor sein Angesicht kommt kein Heuchler. Die der Verleumder, denn es heißt: denn du bist nicht ein Gott, der an Frevel Wohlgefallen findet; Böses darf nicht bei dir weilen. Du bist gerecht, in deiner Wohnung darf das Böse nicht weilen.

12Ferner sagte R. Ḥisda im Namen des R. Jirmeja b. Abba: Es heißt: es wird dir kein Unheil begegnen, noch eine Plage deinem Zelte nahen. Es wird dir kein Unheil begegnen, der böse Trieb wird in dir keine Macht haben; noch eine Plage deinem Zelte nahen, du wirst bei deiner Heimkehr von der Reise deine Frau nicht als zweifelhaft menstruierende vorfinden.

13Eine andere Erklärung: Es wird dir kein Unheil begegnen, es werden dich weder böse Träume noch böse Gedanken beängstigen; noch eine Plage deinem Zelte nahen, du wirst weder einen Sohn noch einen Schüler haben, der seine Speise öffentlich anbrennen läßt, wie beispielsweise Jesus der Nazarener.

14Bis da segnete ihn sein Vater, von da ab segnete ihn seine Mutter: Denn er wird dir seine Engel entbieten, daß sie dich auf all deinen Wegen behüten; auf den Händen werden sie dich tragen &c. Auf Löwen und Ottern wirst du schreiten &c.

15Bis da segnete ihn seine Mutter, von da ab segnete ihn der Himmel:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.