Sanhedrin — Blatt 103b

1Weil er an mir hängt, so will ich ihn erretten, will ihn erhöhen, weil er meinen Namen kennt. Er wird mich anrufen und ich werde ihn erhören; ich bin bei ihm, in der Not: ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen. Mit langem Leben will ich ihn sättigen und schauen lassen mein Heil.

2R. Šimo͑n b. Laqiš sagte: Es heißt: den Frevlern wird ihr Licht entzogen, und der erhobene Arm wird zerschmettert. Weshalb ist das A͑jin [im Worte] rešai͑m [Frevler] schwebend? Sobald ein Mensch unten geächtet wird, so wird er auch droben geächtet. – Sollte man es überhaupt nicht geschrieben haben!? –

3R. Joḥanan und R. Elie͑zer [erklärten es]; einer erklärte, wegen der Ehre Davids, und einer erklärte, wegen der Ehre Neḥemjas, des Sohnes Ḥakhaljas.

4Die Rabbanan lehrten: Menaše lehrte das Buch Leviticus auf fünfundvierzig Arten, entsprechend den Jahren seiner Regierung; Jerobea͑m lehrte es auf hundertunddrei [Arten].

5Es wird gelehrt: R. Meír sagte: Abšalom hat keinen Anteil an der zukünftigen Welt, denn es heißt: da erschlugen sie den Abšalom und töteten ihn; sie erschlugen ihn, für diese Welt, und töteten ihn, für die zukünftige Welt. Es wird gelehrt: R.Šimo͑n b. Elea͑zar sagte im Namen R. Meírs: Aḥaz und Aḥazja, und alle übrigen Könige Jisraéls, von denen es heißt, daß sie das taten, was dem Herrn mißfiel, werden weder auferstehen noch gerichtet werden.

6Dazu vergoß Menaše sehr viel unschuldiges Blut, bis er damit Jerušalem von Ende bis zu Ende füllte, abgesehen von seiner Versündigung, daß er Jehuda verführte, zu tun, was dem Herrn mißfiel. Hier erklärten sie, er tötete Ješa͑ja; im Westen erklärten sie, er stellte ein Götzenbild auf, das eine Traglast für tausend Menschen bildete, und jeden Tag tötete er sie. Das, was Rabba b. Bar Ḥana gesagt hat, daß nämlich die Seele eines Frommen die ganze Welt aufwiegt, vertritt also die Ansicht dessen, welcher sagt, er habe Ješa͑ja getötet.

7Es heißt Götzenbild und es heißt Götzenbilder!? R. Joḥanan erklärte: Anfangs machte er ihm ein Gesicht, später machte er ihm vier Gesichter, damit die Göttlichkeit es sehe und Ärgernis nehme.

8Aḥaz stellte [den Götzen] in den Söller, denn es heißt: und die Altäre auf dem Dache des Söllers des Aḥaz. Menaše stellte ihn in den Tempel, denn es heißt: und er stellte das Bild der Ašera, das er gefertigt hatte, in den Tempel, von dem der Herr zu David und zu dessen Sohn Šelomo gesagt hatte: Diesen Tempel und Jerušalem, das ich aus allen Stämmen Jisraéls erwählt habe, will ich zum Sitze meines Namens machen für ewige Zeilen. Amon brachte ihn in das Allerheiligste, denn es heißt: denn das Lager ist zu kurz, sich auszustrecken &c. –

9Was heißt: das Lager ist zu kurz? R. Šemuél b. Naḥmani erklärte im Namen R. Jonathans: Dieses Lager ist zu kurz, daß darauf zwei Genossen herrschen könnten. Und die Decke ist zu eng &c. R. Šemuél b. Naḥmani sagte: Wenn R. Jonathan an diesen Vers herankam, weinte er, indem er sprach: Von dem es heißt: er sammelt die Gewässer des Meeres wie einen Damm, ihm sollte die Decke zu eng sein.

10Aḥaz stellte den Tempeldienst ein und versiegelte die Tora, denn es heißt: das Zeugnis zu verwahren, die Lehre zu versiegeln bei meinen Jüngern. Menaše riß den Altar nieder; Amon verbrannte die Tora und brachte Spinnen auf den Altar; Aḥaz erlaubte die Unzucht. Menaše beschlief seine Schwester; Amon beschlief seine Mutter.

11Dieser Amon vermehrte die Verschuldung. R. Joḥanan und R. Elie͑zer [erklärten es]; einer erklärte, er verbrannte die Tora, und einer erklärte, er beschlief seine Mutter. Diese sprach zu ihm: Halst du denn einen Genuß von der Stelle, aus der du gekommen bist? Er erwiderte ihr: Ich tue dies ja nur, um [Gott] zu ärgern.

12Als Jehojaqim kam, sagte er: Die ersten verstanden es nicht, ihn zu ärgern. Wir brauchen nicht einmal sein Licht, denn wir haben Parvajim Gold, dessen wir uns bedienen; mag er kommen und sein Licht fortnehmen. Man entgegnete ihm: Das Silber und das Gold ist ja sein, denn es heißt: mein ist das Silber und mein ist das Gold, spricht der Herr der Heerscharen. Er erwiderte ihnen: Er hat es bereits uns gegeben, denn es heißt: der Himmel ist Himmel des Herrn, die Erde aber hat er den Menschenkindern gegeben.

13Raba fragte Rabba b. Mari: Weshalb haben sie Jehojaqim nicht mitgezählt, etwa weil es von ihm heißt: die übrige Geschichte Jehojaqims aber und seine Schandtaten, die er getan hatte, und was an ihm gefunden ward!? – Was ist es, was an ihm gefunden ward? – R. Joḥanan und R. Elie͑zer [erklärten es]; einer sagte, er ließ den Namen des Götzen auf sein Glied tätowieren, und einer sagte, er ließ den Namen Gottes auf sein Glied tätowieren.

14Dieser erwiderte: Hinsichtlich der Könige habe ich nichts gehört, aber hinsichtlich der Gemeinen habe ich etwas gehört: Weshalb zählten sie Mikha nicht mit? Weil sein Brot den Reisenden zur Verfügung stand, denn es heißt:

15die Not zieht über das Meer und schlägt im Meere Wellen, und R. Joḥanan sagte, dies beziehe sich auf das Götzenbild Mikhas. Es wird gelehrt: R. Nathan sagte: Von Gareb bis Šilo waren es drei Mil, und der Rauch des Altars und der Rauch des Götzenbildes des Mikha vermischten sich mit einander.

16Als die Dienstengel ihn fortstoßen wollten, sprach der Heilige, gepriesen sei er, zu ihnen: Laßt ihn, denn sein Brot steht den Reisenden zur Verfügung. Dieser Sache wegen wurden die Leute beim Ereignisse mit dem Kebsweibe zu Gibea͑ bestraft. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach nämlich zu ihnen: Meiner Ehre wegen seid ihr nicht eingetreten, und wegen der Ehre eines [Menschen aus] Fleisch und Blut seid ihr eingetreten.

17R. Joḥanan sagte im Namen des R. Jose b. Qisma: Bedeutend ist die Verpflegung, denn ihrethalben wurden zwei Geschlechter aus Jisraél entfernt, wie es heißt: weil sie euch nicht mit Brot und Wasser entgegengekommen sind. In seinem eigenen Namen sagte R. Joḥanan: Sie entfernt die Nahen, nähert die Fernen, macht die Augen von den Frevlern wegwenden, läßt die Göttlichkeit auf den Baa͑lpropheten ruhen, und läßt das Versehentliche als Vorsätzliches gelten.

18Sie entfernt die Nahen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.