Sanhedrin — Blatt 104a

1wie es bei A͑mmon und Moab der Fall war.

2Sie nähert die Fernen, wie dies bei Jithro der Fall war; denn R. Joḥanan sagte: Als Belohnung für: ladet ihn doch zur Mahlzeit ein, war es seinen Enkelkindern beschieden, in der Quaderhalle zu sitzen, denn es heißt: und die Geschlechter der Schriftgelehrten, die Ja͑baç bewohnen, die Tirea͑tim, die Šimea͑tim und die Sukhatim; das sind die Qinim, die von Ḥamath, dem Stammvater des Hauses Rekhabs, abstammen; ferner heißt es: und die Söhne des Qeni, des Schwagers Mošes, waren mit den Kindern Jehudas aus der Palmenstadt heraufgezogen nach der Wüste Jehuda, die südlich von A͑rad liegt, und sie gingen hin und ließen sich mit dem Volke nieder.

3Sie macht die Augen von den Frevlern wegwenden, wie es bei Mikha der Fall war.

4Sie läßt die Göttlichkeit auf den Baa͑lpropheten ruhen, wie es beim Gefährten des Propheten I͑do der Fall war, denn es heißt: während sie aber zu Tisch saßen, erging das Wort des Herrn an den Propheten, der ihn zurückgeholt hatte.

5Und läßt das Versehentliche als Vorsätzliches gelten, denn R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Wenn Jehonathan David zwei Brote geborgt hätte, so würde die Priesterstadt Nob nicht hingemordet worden sein, Doég, der Edomiter, würde nicht verstoßen worden sein, und Šaúl mit seinen drei Söhnen würden nicht getötet worden sein.

6Weshalb zählten sie Aḥaz nicht mit? R. Jirmeja b. Abba erwiderte: Weil er sich zwischen zwei Frommen befindet, zwischen Jotham und Ḥizqijahu. R. Joseph erwiderte: Weil er Ješa͑jahu Schamhaftigkeit gezeigt hat. Es heißt nämlich: da sprach der Herr zu Ješa͑jahu: Geh Aḥaz entgegen, du und dein Sohn Šear Jašub, an das Ende der Wasserleitung des oberen Teiches, nach der Straße am Walkerfelde, und aus [dem Worte] kobes [Walker] deuten manche, daß [Aḥaz beim Vorübergehen] sein Gesicht niederschlug [kabaš], und manche, daß er einen Walkerkorb auf sein Gesicht stülpte. –

7Weshalb zählten sie Amon nicht mit? – Wegen der Ehrung [seines Sohnes] Jošijahu. – Demnach sollten sie auch Menaše nicht mitzählen, wegen der Ehrung [seines Vaters] Ḥizqijahu!? – Von den Verdiensten des Sohnes genießt der Vater, nicht aber der Sohn von denen des Vaters. Es heißt nämlich: und niemand kann aus meiner Hand erretten; weder konnte Abraham den Jišma͑él retten, noch Jiçḥaq den E͑sav. Jetzt nun, wo du auf diese Erklärung gekommen bist, [so erkläre man,] daß auch Aḥiaz wegen der Ehrung [seines Sohnes] Ḥizqijahu nicht mitgezählt worden ist. –

8Weshalb zählten sie Jehojaqim nicht mit? – Wegen der Lehre des R. Ḥija b. Abuja, denn R. Ḥija b. Abuja sagte: Auf dem Schädel Jehojaqims steht geschrieben: dies und noch etwas anderes. Einst fand der Großvater des R. Perida einen Schädel, der an den Toren Jerušalems lag, auf dem geschrieben war: dies und noch etwas anderes. Da begrub er ihn, er blieb aber nicht begraben; darauf begrub er ihn wiederum, er blieb aber nicht begraben.

9Da sprach er: Das ist der Schädel Jehojaqims, von dem es heißt: wie man einen Esel begräbt, wird er begraben werden, man wird ihn fortschleifen und werfen &c. Darauf sprach er: Er war ja König, und es ist nicht schicklich, daß er geschändet werde. Alsdann hüllte er ihn in Seide und legte ihn in eine Kiste. Als ihn darauf seine Frau sah, glaubte sie, er sei von seiner ersten Frau, die er nicht vergessen könne; da warf sie ihn in den Ofen und verbrannte ihn. Das ist es, was auf ihm geschrieben stand: dies und noch etwas anderes.

10Es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte: Wegen [der Worte]: was dir wohlgefällt, habe ich getan, fragte er nach einem Zeichen; wegen: was ist das Zeichen dafür, aßen Nichtjuden an seinem Tische; dadurch, daß Nichtjuden an seinem Tische aßen, verursachte er Verbannung für seine Kinder. Dies ist eine Stütze für Ḥizqija, denn Ḥizqija sagte, wer einen Nichtjuden in sein Haus lädt und ihn bewirtet, verursache Verbannung für seine Kinder, denn es heißt: und von deinen Söhnen, die von dir abstammen werden, die du erzeugen wirst, wird man welche nehmen, daß sie im Palaste des Königs von Babel als Eunuchen dienen.

11Und Ḥizqijahu freute sich über sie und zeigte ihnen seine Geheimkammer, das Silber und das Gold und die Spezereien und das kostbare Öl &c. Rabh erklärte: Unter Geheimkammer ist zu verstehen, seine Frau schenkte ihnen ein. Šemuél erklärte: Er zeigte ihnen seine Schatzkammer. R. Joḥanan erklärte: Er zeigte ihnen Waffen zerstörende Waffen.

12Ach, wie einsam liegt sie. Raba sagte im Namen R. Joḥanans: Weshalb wurden die Jisraéliten mit ‘Ach’ bestraft? Weil sie die sechsunddreißig mit der Ausrottungsstrafe belegten Verbote in der Tora übertreten haben.

13R. Joḥanan sagte [ferner]: Weshalb wurden sie mit einem Alphabete bestraft? Weil sie die Tora übertreten haben, die mittelst des Alphabetes verliehen worden ist.

14Wie einsam liegt sie. Raba sagte im Namen R. Joḥanans: Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Ich sagte: und so wohnt Jisraél in Sicherheit, gesondert der Quell Ja͑qobs, in einem Lande voll Getreide und Most, und sein Himmel träufelt Tau; nun liegt es einsam. Die Stadt, reich an Volk. Raba sagte im Namen R. Joḥanans: Sie verheirateten minderjährige [Mädchen] an erwachsene [Männer] und erwachsene [Mädchen] an minderjährige [Knaben], damit sie viele Kinder haben.

15Sie ist wie eine Witwe geworden. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Wie eine Witwe, nicht aber zur wirklichen Witwe; wie eine Frau, deren Mann nach dem Überseelande verreist ist, jedoch willens ist, zu ihr zurückzukehren. Die groß war unter den Nationen, die Fürstin unter den Städten. Raba sagte im Namen R. Joḥanans: Wo sie auch hinkommen, werden sie Fürsten ihrer Herren.

16Die Rabbanan lehrten: Einst wurden zwei Männer am Karmelberge gefangen genommen, und der Gefangenenführer ging hinter ihnen einher.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.