Sanhedrin — Blatt 105a

1der von Jehuda stammt; Moa͑b ist mein Waschbecken, das ist Geḥzi, der wegen einer das Waschen betreffenden Angelegenheit bestraft worden ist; auf Edom werfe ich meinen Schuh, das ist Doég, der Edomite; für mich ist es, Pelešeth zu befreunden. Die Dienstengel sprachen nämlich vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, wenn David, der den Pelišti getötet und deine Kinder Gath erben ließ, vor dich treten wird, was tust du dann? Er erwiderte ihnen: Für mich ist es, sie miteinander zu befreunden.

2Warum hat sich dieses Volk, Jerušalem, abgewandt, in trotziger Abwendung &c. Rabh sagte: Eine trotzige Antwort gab die Gemeinde Jisraél dem Propheten. Der Prophet sprach nämlich zu Jisraél: Tut Buße; wo sind denn eure Vorfahren, die gesündigt haben!? Diese erwiderten: Wo sind denn eure Propheten, die nicht gesündigt haben!? Denn es heißt: eure Vorfahren, wo sind sie, und eure Propheten, leben sie denn ewig? Darauf kehrten sie zurück und pflichteten ihm bei, denn es heißt: aber meine Worte und meine Satzungen, die ich meinen Knechten, den Propheten, aufgetragen hatte &c.

3Šemuél sagte: Zehn Personen kamen und setzten sich vor ihn; da sprach er zu ihnen: Tut Buße! Sie entgegneten ihm: Wenn ein Herr seinen Sklaven verkauft, oder wenn ein Mann sich von seiner Frau scheiden läßt, haben sie irgend welche Ansprüche an einander!? Da sprach der Heilige, gepriesen sei er, zum Propheten: Geh und sprich zu ihnen: Wo ist denn der Scheidebrief eurer Mutter, mit dem ich sie entlassen hatte? Oder wer ist ein Gläubiger von mir, dem ich euch verkauft hätte? Um eurer Verschuldungen vielmehr seid ihr verkauft worden und um eurer Vergehungen willen ward eure Mutter entlassen.

4Das ist es, was Reš Laqiš sagte: Es heißt ‘mein Knecht David’ und es heißt ‘mein Knecht Nebukhadneçar’!? Offenbar und bewußt war es dem, der durch sein Wort die Welt erschaffen hat, daß die Jisraéliten dereinst dies sagen werden, daher nannte er ihn im voraus Knecht, und wenn ein Knecht Güter eignet, wem gehört der Knecht und wem gehören die Güter!?

5Und das, was euch in den Sinn kommt, soll gewiß nicht geschehen, daß ihr denkt: wir wollen den Völkern gleichen, den Geschlechtern der Länder, indem wir Holz und Steine verehren. So wahr ich lebe, Spruch Gottes, des Herrn, mit starker Hand und ausgestrecktem Arme und mit ausgeschüttetem Grimme will ich mich als König über euch erzeigen. R. Naḥman sagte: O, daß er doch diesen Grimm über uns ausschütte und uns erlöse.

6Er züchtigt ihn durch Recht und sein Gott belehrt ihn. Der Prophet sprach zu Jisraél: Tut Buße! Sie erwiderten ihm: Wir können nicht, der böse Trieb beherrscht uns. Er entgegnete ihnen: Züchtigt euren Trieb. Sie erwiderten ihm: Sein Gott belehre ihn.

7VIER GEMEINE: BILEA͑M, DOÉG, AḤITOPHEL UND GEḤZI. Bilea͑m, ohne Volk. Eine andere Erklärung: Bilea͑m, er ermattete das Volk. Der Sohn Beo͑rs, er beschlief ein Vieh [bei͑r].

8Es wird gelehrt: Beo͑r, Kušan Riša͑tajim und Laban der Aramäer sind identisch. Beo͑r [hieß er], weil er ein Vieh beschlief; Kušan Riša͑tajim, weil er zwei Freveltaten [riša͑joth] an Jisraél verübt hat, einmal zur Zeit Ja͑qobs und einmal zur Zeit der Richter; sein wirklicher Name war Laban der Aramäer. –

9Es heißt ‘Sohn Beo͑rs’ und es heißt ‘sein Sohn Beo͑r’!? R. Joḥanan erwiderte: Sein Vater war ihm gegenüber ein Sohn hinsichtlich der Prophetie. –

10Also nur Bilea͑m ist nicht der zukünftigen Welt teilhaftig, wohl aber andere Nichtjuden, somit vertritt unsere Mišna

11die Ansicht R. Jehošua͑s, denn es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Die ‘ Gottlosen müssen umkehren in die Unterwelt, all die gottvergessenen Heiden. Die Gottlosen müssen umkehren in die Unterwelt, das sind die Frevler Jisraéls; all die gottvergessenen Heiden, das sind die weltlichen Völker – so R. Elie͑zer. R. Jehošua͑ sprach zu ihm: Heißt es denn: alle Heiden, es heißt ja: all die gottvergessenen Heiden!? Vielmehr: die Gottlosen müssen umkehren in die Unterwelt, wer sind es? all die gottvergessenen Heiden,

12Und auch dieser Frevler gab sich selbst dieses Zeichen, denn er sprach: möchte ich sterben den Tod der Frommen; wenn ich den Tod der Frommen sterbe, so wird mein Ende sein wie ihres, wenn aber nicht, so gehe ich zu meinem Volke.

13Da gingen die Ältesten der Moa͑biter und die Ältesten der Midjaniter. Es wird gelehrt: Midjan und Moáb hatten nie im Leben Frieden mit einander. Ein Gleichnis. Zwei Hunde, die in der Herde waren, pflegten einander anzubellen; als aber einst ein Wolf, den einen überfiel, dachte der andere: Wenn ich ihm nicht beistehe, so tötet er heute ihn und morgen überfällt er mich. Da gingen sie beide und töteten den Wolf. R. Papa sagte: Das ist es, was die Leute sagen: Das Wiesel und die Katze bereiteten ein Festmahl vom Fette des Unglücklichen.

14Da blieben die Häuptlinge der Moa͑biter bei Bilea͑m. Wo kamen die Häuptlinge der Midjaniter hin? – Als er zu ihnen sagte: Bleibt diese Nacht hier, so will ich euch Bescheid geben, erwiderten sie ihm: Gibt es denn einen Vater, der seinen Sohn haßt!?

15R. Naḥman sagte: Frechheit nützt sogar Gott gegenüber; zuerst heißt es: du sollst mit ihnen nicht gehen, nachher aber heißt es: mache dich auf und gehe mit ihnen. R. Šešeth sagte: Die Frechheit ist ein Königtum ohne Krone, denn es heißt: ich bin heute, obwohl zum Könige gesalbt, schwach, während diese Leute, die Söhne der Çeruja, in ihrer Gewalttätigkeit mir überlegen sind. &c.

16R. Joḥanan sagte: Bilea͑m war lahm auf einem Fuße, denn es heißt: er ging eilends [šephi]; Šimšon auf beiden Füßen, denn es heißt: eine Hornviper [šephipḥon] am Wege, die das Roß in die Ferse beißt. Bilea͑m war blind auf einem Auge, denn es heißt: dessen Auge verschlossen ist.

17Er trieb Zauberei mit seinem Gliede, denn bei ihm heißt es: hingesunken und enthüllten Auges, und dort heißt es: Haman war auf das Polster hingesunken &c. Es wird gelehrt: Mar Zuṭra sagte, er trieb Zauberei mit seinem Gliede; Mar, Sohn des Rabina, sagte, er beschlief seine Eselin. Einer sagt, er trieb Zauberei mit seinem Gliede, wie wir bereits erklärt haben; der andere sagt, er beschlief seine Eselin, denn von ihm heißt es: er sank hin und lag da, und dort heißt es: zu ihren Füßen

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.