Sanhedrin — Blatt 107b
1zu Ḥebron, regierte er sieben Jahre, zu Jerušalem aber dreiunddreißig Jahre; und [anderweitig] heißt es: In Ḥebron regierte er über Jehuda sieben Jahre und sechs Monate &c..
2Er sprach vor ihm: Herr der Welt, vergib mir diese Sünde! – Sie soll dir vergeben sein. – Erweise mir ein Zeichen zum Guten, daß meine Feinde es sehen und beschämt werden; daß du, o Herr, mir beigestanden und mich getröstet hast! Er erwiderte ihm: Bei deinen Lebzeiten will ich dies nicht kund tun, aber bei Lebzeiten deines Sohnes Šelomo will ich dies kund tun.
3Als nämlich Šelomo den Tempel erbaut hatte und die Lade in das Allerheiligste bringen wollte, schlossen sich die Torflügel an einander. Da sprach er vierundzwanzig Lobgesänge, wurde aber nicht erhört. Alsdann sprach er: Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, erhebt euch, ihr ewigen Pforten, daß der König der Herrlichkeit einziehe! Wer ist der König der Herrlichkeit? Der Herr, gewaltig und ein Held; der Herr ein Kriegsheld. Ferner: Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, erhebt euch, ihr ewigen Pforten, daß der König der Herrlichkeit einziehe &c. Er wurde aber nicht erhört.
4Als er aber sprach: Herr, Gott, weise deinen Gesalbten nicht ab, gedenke doch der Gnade gegenüber deinem Knechte David, da wurde er sofort erhört. In jener Stunde wurden die Gesichter der Feinde Davids wie die Topfränder, und ganz Jisraél erkannte, daß der Heilige, gepriesen sei er, ihm jene Sünde vergeben hat.
5Bezüglich Geḥzi heißt es, daß Eliša nach Dammešeq ging, und R. Joḥanan erklärte, er ging da hin, um Geḥzi zur Buße zu bewegen, er aber ließ sich dazu nicht bewegen. Jener sprach zu ihm: Tu Buße! Dieser erwiderte: Es ist mir von dir überliefert, daß, wenn jemand sündigt und das Publikum zur Sünde verleitet, man ihm nicht gelingen lasse, Buße zu tun. –
6Was hatte er getan? – Manche sagen, er brachte am Götzen Jerobea͑ms einen magnetischen Stein an und ließ ihn dadurch zwischen Himmel und Erde schweben; manche sagen, er gravierte in seinem Munde den Gottesnamen, und sprach: Ich [bin Gott], du sollst nicht haben &c.;
7und manche sagen, er stieß die Gelehrten von sich. Es heißt nämlich: da sprachen die Prophetenjünger zu Eliša͑: Siehe, der Raum, wo wir vor dir sitzen, ist für uns zu eng; wahrscheinlich war er bis dahin nicht zu eng.
8Die Rabbanan lehrten: Stets stoße man mit der Linken fort und ziehe man mit der Rechten heran. Nicht wie Eliša͑, der Geḥzi mit beiden Händen fortstieß, und wie R. Jehošua͑ b. Peraḥja, der Jesus [den Nazarener] mit beiden Händen fortstieß.
9Geḥzi, denn es heißt: Naa͑man sprach: Beliebe doch zwei Talente zu nehmen. Und er drang in ihn und band zwei Talente Silber &c. Eliša͑ aber fragte ihn: Woher, Geḥzi? Er antwortete: Dein Knecht war nirgends hingegangen. Er aber sprach zu ihm: Wandelte nicht mein Herz, als sich jemand auf seinem Wagen nach dir umdrehte? War es an der Zeit, Silber zu nehmen oder Kleider zu nehmen oder Ölgärten, Weinberge, Schafe, Rinder, Sklaven und Sklavinnen!? – Hatte er denn dies alles genommen, er hatte ja nur Silber und Kleider genommen!?
10R. Jiçḥaq erwiderte: Eliša͑ saß dann und trug vor über die [Lehre von den] acht Kriechtieren. Naa͑man, der Feldherr des Königs von Aram, war aussätzig, und ein aus dem Jisraéllande gefangenes Mädchen sprach zu ihm: Wenn du dich an Eliša͑ wendest, so heilt er dich. Da wandte er sich an diesen, und dieser sprach zu ihm: Geh, tauche im Jarden unter. Jener sprach: Du verspottest mich wohl. Die Leute seines Gefolges aber sprachen zu ihm: Was verlierst du dabei; geh, versuche es doch. Alsdann ging er hin, tauchte im Jarden unter und genas. Hierauf brachte er ihm alle jene genannten Dinge, er aber wollte sie nicht annehmen. Da trennte sich Geḥzi von Eliša͑, und ging und nahm, was er nahm, und verwahrte es.
11Als er zurückkam, sah Eliša͑, das der Aussatz auf seinem Haupte ausgebrochen war; da sprach er zu ihm: Ruchloser, ist etwa die Zeit herangereicht, die Belohnung für [den Vortrag über] die acht Kriechtiere zu empfangen!? Der Aussatz Naa͑mans soll dir und deinen Nachkommen immerdar anhangen. Da ging er von ihm hinaus, schneeweiß von Aussatz. Vier Männer befanden sich als Aussätzige am Eingange des Tores. R. Joḥanan sagte: Geḥzi und seine drei Söhne.
12Welches Bewenden hat es mit R. Jehošua͑ b. Peraḥja? – Als der König Jannaj die Gelehrten tötete, flohen R. Jehošua͑ b. Peraḥja und Jesus nach Alexandrien in Ägypten. Nachdem Friede eingetreten war, sandte Šimo͑n b. Šataḥ an ihn: Von mir, Jerušalem, der heiligen Stadt, an dich, Alexandrien in Ägypten, Meine Schwester, mein Mann weilt in deiner Mitte, und ich sitze verlassen da.
13Da machte er sich auf und kehrte heim. Als man ihm in einem Gasthause sehr viel Ehrung erwies, sprach er: Wie brav ist diese Gastwirtin! Jener entgegnete: Ihre Augen sind matt. Da sprach er zu ihm: Bösewicht, damit befassest du dich! Alsdann brachte er vierhundert Posaunenstöße hervor und tat ihn in den Bann.
14Hierauf kam er wiederholt zu ihm und bat ihn, ihn wieder aufzunehmen; er aber beachtete ihn nicht. Eines Tages kam er zu ihm, als er gerade beim Šema͑lesen war; er wollte ihn nunmehr aufnehmen und winkte ihm mit der Hand, jener aber glaubte, er weise ihn wieder ab. Da ging er fort, stellte einen Ziegelstein hin und betete ihn an. Hierauf sprach er zu ihm: Tu Buße! Jener erwiderte: Es ist mir von dir überliefert, daß, wenn jemand sündigt und das Publikum zur Sünde verleitet, man ihm nicht gelingen lasse, Buße zu tun. Der Meister sagte nämlich, Jesus trieb Zauberei, verführte Jisraél und machte es abtrünnig.
15Es wird gelehrt: R.Šimo͑n b. Elea͑zar sagte: Auch den [Geschlechts]-trieb, ein Kind und ein Weib stoße man fort mit der Linken und ziehe man heran mit der Rechten.
16Die Rabbanan lehrten: An drei Krankheiten erkrankte Eliša͑; an einer, weil er Bären auf Kinder hetzte; an einer, weil er Geḥzi mit beiden Händen fortstieß, und an einer, an der er starb.
17Bis Abraham gab es kein Altern; wer Abraham sah, glaubte, es sei Jiçḥaq, und wer Jiçḥaq sah, glaubte, es sei Abraham. Da flehte Abraham um Erbarmen, daß es ein Altern gebe, denn es heißt: Abraham war alt geworden und wohlbetagt. Bis Ja͑qob gab es keine Schwäche; da flehte er um Erbarmen, daß es eine Schwäche gebe, denn es heißt: da berichtete man Joseph: dein Vater liegt krank. Bis Eliša͑ gab es keinen, der krank war und genas, da kam Eliša͑, flehte um Erbarmen und genas, denn es heißt: als Eliša͑ in die Krankheit verfallen war, an der er sterben sollte .
18DIE ZEITGENOSSEN DER SINTFLUT HABEN WEDER EINEN ANTEIL AN DER ZUKÜNFTIGEN WELT, NOCH WERDEN SIE ZUM [JÜNGSTEN] GERICHTE AUFERSTEHEN, DENN ES HEISST: es soll nicht ewig mein Geist über den Menschen Gericht halten, WEDER GERICHT NOCH GEIST. DIE ZEITGENOSSEN DER SPALTUNG HABEN KEINEN ANTEIL AN DER ZUKÜNFTIGEN WELT; DENN ES HEISST: da zerstreute sie der Herr von dort über die ganze Erde, (da zerstreute sie der Herr,) AUF DIESER WELT; und von dort zerstreute sie der Herr, FÜR DIE ZUKÜNFTIGE WELT. DIE LEUTE VON SEDOM HABEN KEINEN ANTEIL AN DER ZUKÜNFTIGEN WELT, DENN ES HEISST: und die Leute von Sedom waren sehr böse und sündhaft gegen den Herrn; BÖSE, AUF DIESER WELT; SÜNDHAFT, FÜR DIE ZUKÜNFTIGE WELT; SIE WERDEN ABER ZUM [JÜNGSTEN] GERICHTE AUFERSTEHEN.
19R. NEḤEMJA SAGT, WEDER DIESE NOCH JENE WERDEN ZUM [JÜNGSTEN] GERICHTE AUFERSTEHEN, DENN ES HEISST:darum werden die Frevler im Gerichte nicht stehen,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.