Sanhedrin — Blatt 109a
1durch wen man es übersende, beschieß man, es durch Naḥum (aus) Gamzu zu übersenden, weil er an Wundertaten gewöhnt war.
2Als er in einer Herberge angelangt war und da übernachten wollte, fragten sie ihn, was er bei sich führe, und er erwiderte ihnen, er überbringe die Steuer für den Kaiser. Diese aber machten sich nachts auf, öffneten die Kiste, nahmen alles heraus, was darin war, und füllten sie mit Erde. Als er da anlangte und es sich herausstellte, daß sie Erde enthielt, sprach [der Kaiser]: Die Juden verspotten mich! Hierauf führte man ihn zur Hinrichtung hinaus; er aber sprach: Auch dies sei zum Guten. Da kam Elijahu, der ihnen wie einer der ihrigen erschien, und sprach: Vielleicht ist dies von der Erde des Erzvaters Abraham; er schleuderte Erde und sie ward zu Schwertern, Stoppeln, und sie wurden zu Pfeilen. Hierauf stellten sie damit einen Versuch an, und es stellte sich heraus, daß es sich so verhielt.
3Nun hatten sie eine Provinz, die sie nicht erobern konnten, da schossen sie auf diese mit dieser Erde, und sie eroberten sie. Hierauf führte man ihn in die Schatzkammer und sprach zu ihm: Nimm, was dir gefällt. Da füllte er die Kiste mit Gold. Bei seiner Rückkehr fragten ihn die Wirtsleute, was er dem Kaiser überbracht habe, und er erwiderte ihnen: Was ich von hier mitgenommen, überbrachte ich dort. Als hierauf die Wirtsleute ebenfalls [von dieser Erde] übersandten, tötete man sie.
4DIE ZEITGENOSSEN DER SPALTUNG HABEN KEINEN ANTEIL AN DER ZUKÜNFTIGEN WELT &C. Was taten sie? In der Schule des R. Šila sagten sie: [Sie sprachen:] Wir wollen einen Turm bauen, in den Himmel steigen und ihn mit Äxten zerschlagen, damit sein Wasser ausfließe. Im Westen lachten sie darüber; demnach sollten sie ihn doch auf einem Berge erbaut haben!?
5Vielmehr, sagte R. Jirmeja b. Elea͑zar, teilten sie sich in drei Gruppen; eine sagte: wir wollen hinaufsteigen und daselbst wohnen, eine sagte: wir wollen hinaufsteigen und da Götzendienst treiben, und eine sagte: wir wollen hinaufsteigen und da [mit Gott] Krieg führen. Diejenigen, die sagten: wir wollen hinaufsteigen und da wohnen, zerstreute Gott; diejenigen, die sagten: wir wollen hinaufsteigen und Krieg führen, wurden Affen, Geister, Gespenster und Dämonen; und von denjenigen, die sagten: wir wollen hinaufsteigen und da Götzendienst treiben, [heißt es:] denn da verwirrte der Herr die Sprache der ganzen Erde.
6Es wird gelehrt: R. Nathan sagte: Alle hatten sie Götzendienst bezweckt, denn hier heißt es: wir wollen uns einen Namen machen, und dort heißt es: Und den Namen fremder Götter sollt ihr nicht erwähnen; wie dort Götzendienst, ebenso auch hierbei Götzendienst.
7R. Joḥanan sagte: Ein Drittel des Turms wurde verbrannt, ein Drittel versank [in die Erde] und ein Drittel besteht noch. Rabh sagte: Die Luft des Turms macht vergeßlich. R. Joseph sagte: Babylon und Borsippa sind ein böses Zeichen für die Tora. – Welche Bedeutung hat [der Name] Borsippa? R. A͑ši erwiderte: Entleerte Grube [Bor šaphi].
8DIE LEUTE VON SEDOM HABEN KEINEN ANTEIL AN DER ZUKÜNFTIGEN WELT &C. Die Rabbanan lehrten: Die Leute von Sedom haben keinen Anteil an der zukünftigen Welt, denn es heißt: die Leute von Sedom waren sehr böse und sündhaft gegen den Herrn; böse, auf dieser Welt, sündhaft, für die zukünftige Welt.
9R. Jehuda erklärte: Böse, mit ihrem Körper, sündhaft, mit ihrem Vermögen. Böse, mit ihrem Körper, denn es heißt: wie sollte ich diese schwere Bosheit tun und mich wider Gott versündigen. Sündhaft, mit ihrem Vermögen, denn es heißt: es wird eine Sünde auf dir lasten. Gegen den Herrn, das ist die Gotteslästerung. Sehr, sie sündigten absichtlich.
10In einer Barajtha wird gelehrt: Böse, mit ihrem Vermögen; sündhaft, mit ihrem Körper. Böse, mit ihrem Vermögen, denn es heißt: und dein Auge böse sei gegen deinen armen Bruder. Sündhaft, mit ihrem Körper, denn es heißt: und mich wider Gott versündigen. Gegen den Herrn, das ist die Gotteslästerung. Sehr, das ist das Blutvergießen, denn es heißt: und auch sehr viel unschuldiges Blut vergoß Menaše.
11Die Rabbanan lehrten: Die Leute von Sedom wurden übermütig nur wegen der vielen Güte, mit der der Heilige, gepriesen sei er, sie überhäuft hatte. Von diesen heißt es: Aus der Erde geht Brotkorn hervor, und ihre Tiefen wurden wie mit Feuer umgewühlt. Des Saphirs Fundstätte ist ihr Gestein, Goldstaub wird ihm zuteil. Den Weg kennt nicht der Adler, noch erspäht ihn des Geiers Auge. Nicht betreten ihn die stolzen Raubtiere, noch schreitet auf ihm der Leu.
12Sie sagten nämlich: Wozu brauchen wir, wo unsere Erde Brotkorn hervorbringt und Goldstaub in unserem Besitze ist, die Reisenden, die nur deshalb, zu uns Kommen, um unser Vermögen zu vermindern? Wohlan, wir wollen das Gesetz der Wanderung in unserem Lande vergessen lassen. Denn es heißt: man bricht einen Schacht fern von den Fremden, von jedem Fuße vergessen, fern von den wandernden Menschen.
13Raba trug vor: Es heißt: wie lange wollt ihr einstürmen auf einen Menschen, wollt ihr insgesamt morden, wie eine überhängende Wand, eine einstürzende Mauer. Dies lehrt, daß, wenn sie ihre Augen auf einen vermögenden Mann richteten, sie ihn neben eine überhängende Wand setzten und diese auf ihn stürzten; sodann kamen sie und nahmen sein Vermögen fort.
14Raba trug vor: Es heißt: im Finstern bricht er in Häuser ein; bei Tag hält er sich eingeschlossen, sieht kein Licht. Dies lehrt, daß, wenn sie ihr Auge auf einen vermögenden Mann richteten, sie ihm Balsam zur Verwahrung übergaben, den er in seine Schatzkammer legte; abends kamen sie und schnüffelten wie ein Hund, wie es heißt: abends kehren sie wieder, heulen wie die Hunde und umkreisen die Stadt, brachen bei ihm ein und nahmen ihm das Vermögen ab.
15Nackt gehen sie, ohne Kleidung und ohne Hülle in der Kälte. Den Esel der Waisen führen sie fort, pfänden das Rind der Witwe. Grenzen verrücken sie, rauben eine Herde und treiben sie auf die Weide. Zur Grabstätte wird er hingeleitet und hält über dem Hügel Wacht.
16R. Jose trug dies in Sepphoris vor, da wurden in jener Nacht dreihundert Einbrüche in Sepphoris verübt. Hierauf kamen [die Einwohner] und quälten ihn; da erwiderte er ihnen: Konnte ich denn wissen, daß Diebe [zum Vor trag] kommen werden!? Als die Seele R. Joses zur Ruhe einkehrte, strömte Blut in den Rinnen von Sepphoris.
17Sie sagten, wer ein Rind besitzt, muß einen Tag [das Vieh] weiden, wer keines besitzt, muß es zwei Tage weiden. Einst übergaben sie einem Waisenkinde, dem Sohne einer Witwe, Rinder, daß er sie weide; da tötete er sie und sprach zu ihnen:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.