Sanhedrin — Blatt 10b

1Sollte man ihm doch einundzwanzig verabreichen, und wenn er durch den einen [Streich] stirbt, so ist ja nichts dabei, denn [die ihm zuerkannten] schlägt man ja auf den Rücken eines Lebenden!? Dieser erwiderte: Die Schrift sagt: daß dein Bruder vor deinen Augen entehrt wird, nach der Geißelung ist er dein Bruder, was dann nicht der Fall sein würde.

2DIE INTERKALATION DES MONATS DURCH DREI. Er lehrt nicht ‘Berechnung’, er lehrt nicht ‘Weihung’, sondern ‘Interkalation’; soll man doch die Weihung unterlassen, und er würde von selber interkaliert sein!?

3Abajje erwiderte: Lies: die Weihung des Neumondes. Ebenso wird auch gelehrt: Die Weihung des Neumondes und die Interkalation des Jahres erfolgt durch drei [Richter] – so R. Meír. Raba entgegnete: Es heißt ja: die Interkalation!? Vielmehr, erklärte Raba: Die Weihung am Interkalationstage erfolgt durch drei [Richter], während es nach der Interkalation keine Weihung mehr gibt,

4und zwar ist hier die Ansicht des R. Elea͑zar b. Çadoq vertreten, denn es wird gelehrt: R. Elea͑zar b. Çadoq sagte: Hat man [den Neumond] nicht zur Zeit gesehen, so weihe man ihn nicht mehr, da ihn bereits der Himmel geweiht hat.

5R. Naḥman erklärte: Die Weihung nach der Interkalation erfolgt durch drei [Richter], während es am Interkalationstage keine Weihung gibt, und zwar ist hier die Ansicht Pelemos vertreten, denn es wird gelehrt: Pelemo sagte: [Sieht man den Neumond] zur Zeit, so braucht man ihn nicht zu weihen, wenn nicht zur Zeit, so muß man ihn weihen.

6R. Aši erklärte: Tatsächlich wird hier von der Berechnung gelehrt, denn unter ‘Interkalation’ ist eben die Berechnung der Interkalation zu verstehen; da er aber von der Interkalation des Jahres lehren will, so lehrt er auch von der ‘Interkalation ‘des Monats. –

7Nur die Berechnung des Neumondes, nicht aber die Weihung des Neumondes; somit ist hier die Ansicht R. Elie͑zers vertreten, denn es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Man brauche ihn nicht zu weihen, ob zur Zeit oder nicht zur Zeit, denn es heißt: ihr sollt das fünfzigste Jahr weihen, du hast das Jahr zu weihen, nicht aber die Monate.

8R. ŠIMO͑N B. GAMLIÉL SAGT: DURCH DREI &C. Es wird gelehrt: Wie erfolgt nach R. Šimo͑n b. Gamliél die Eröffnung durch drei, die Verhandlung durch fünf und die Beschlußfassung durch sieben? Wenn einer sagt: [zur Verhandlung] zusammentreten, und zwei sagen: nicht zusammentreten, so ist der eine durch seine Minderheit überstimmt;

9wenn zwei sagen: zusammentreten, und einer sagt: nicht zusammentreten, so nehme man noch zwei hinzu und verhandle. Wenn zwei sagen: [die Interkalation] sei nötig, und drei sagen, sie sei nicht nötig, so sind die zwei durch ihre Minderheit überstimmt; wenn drei sagen, sie sei nötig, und zwei sagen, sie sei nicht nötig, so nehme man noch zwei hinzu, denn das Kollegium muß mindestens sieben [Personen] haben.

10Wenn entsprechen diese drei, fünf und sieben? – Hierüber streiten R. Jiçḥaq b. Naḥmani und noch jemand, das ist R. Šimo͑n b. Pazi; manche sagen: R. Šimo͑n b. Pazi und noch jemand, das ist R. Jiçḥaq b. Naḥmani; einer sagt, entsprechend dem Priestersegen, und einer sagt, entsprechend den drei Schwellenhütern, den fünf von den Männern aus der Umgebung des Königs, und den sieben, die den König umgeben.

11R. Joseph lehrte: Drei, fünf und sieben, entsprechend den drei Schwellenhütern, den fünf von den Männern aus der Umgebung des Königs, und den sieben, die den König umgeben. Abajje sprach zu R. Joseph: Weshalb hat es uns der Meister bis jetzt nicht erklärt? Dieser erwiderte: Ich wußte nicht, daß ihr [der Erklärung] braucht; habt ihr mich etwa nach einer solchen gefragt und ich sie euch verweigert!?

12Die Rabbanan lehrten: Das Jahr wird nur durch diejenigen interkaliert,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.