Sanhedrin — Blatt 11b
1früheren Gestrengen und den späteren Sanftmütigen.
2Es wird gelehrt: Einst saß R. Gamliél auf einer Stufe des Tempelberges und jener Schreiber Joḥanan stand vor ihm, und vor ihm lagen drei zurechtgeschnittene Briefbogen.
3Da sprach er zu ihm: Nimm einen Briefbogen und schreibe: An unsere Brüder, die Einwohner von Ober-Galiläa, und an unsere Brüder, die Einwohner von Unter-Galiläa, euer Friede gedeihe! Wir tun euch kund, daß die Zeit der Fortschaffung herangereicht ist, um den Zehnten von den Olivenbehältern zu entrichten. Ferner nimm einen Briefbogen und schreibe: An unsere Brüder, die Einwohner des Südens, euer Friede gedeihe! Wir tun euch kund, daß die Zeit der Fortschaffung herangereicht ist, um den Zehnten von den Ährengarben zu entrichten.
4Ferner nimm einen Briefbogen und schreibe: An unsere Brüder, die Einwohner der babylonischen Diaspora, und an unsere Brüder in Medien, und an die ganze übrige jisraélitische Diaspora, euer Friede gedeihe ewig! Wir tun euch kund, daß in anbetracht dessen, daß, da die jungen Tauben noch zart und die Lämmer noch jung sind, die Kornreife noch nicht eingetreten ist, ich und meine Genossen es für richtig befunden haben, diesem Jahre noch dreißig Tage hinzuzufügen. – Vielleicht, nachdem sie ihn abgesetzt hatten.
5Die Rabbanan lehrten: Aus drei Gründen interkaliere man das Jahr: wegen der Kornreife, wegen der Baumfrüchte und wegen der Jahreszeit; wegen zwei von diesen interkaliere man es, wegen eines nicht;
6ist einer von diesen die Kornreife, so sind alle froh. R. Šimo͑n b. Gamliél sagt: wegen der Jahreszeit. Sie fragten: so sind alle wegen der Jahreszeit froh, oder wird es wegen der Jahreszeit interkaliert? – Dies bleibt unentschieden.
7Die Rabbanan lehrten: Wegen dreier Länder Interkaliere man das Jahr: Judäa, Transjarden und Galiläa; wegen zweier interkaliere man es, wegen eines nicht; ist Judäa eines von diesen, so sind alle froh, denn die Schwingegarbe wird nur aus Judäa dargebracht.
8Die Rabbanan lehrten: Man interkaliere das Jahr nur in Judäa; hat man es in Galiläa interkaliert, so ist es gültig. Ḥananja aus Ono bekundete, daß, wenn man es in Galiläa interkaliert hat, es ungültig sei. R. Jehuda, Sohn des R. Šimo͑n b. Pazi sagte: Was ist der Grund des Ḥananja aus Ono? Die Schrift sagt: nach seiner Stätte sollt ihr forschen und dahin sollt ihr kommen, all deine Forschungen sollen nur in der Stätte Gottes stattfinden.
9Die Rabbanan lehrten: Man interkaliere das Jahr nur am Tage; hat man es nachts interkaliert, so ist es ungültig. Ferner weihe man den Monat nur am Tage; hat man ihn nachts geweiht, so ist es ungültig. R. Abba sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: stoßt am Neumonde in die Posaune, am Verborgenen auf den Tag unseres Festes; an welchem Feste bleibt der Mond verborgen? Sage: am Neujahrsfeste und darauf heißt es: denn dies ist eine Festsetzung für Jisraél, ein Recht des Gottes Ja͑qobs; wie das Recht am Tage [gesprochen werden muß], ebenso die Weihung des Neumondes am Tage.
10Die Rabbanan lehrten: Man interkaliere keine Jahre
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.