Sanhedrin — Blatt 16a
1handelt es sich um den Fall, wenn der Fürst eines Stammes eine Sünde begangen hat. R. Ada b. Ahaba erklärte ja: Jede große Sache sollen sie vor dich bringen, die Sache des Großen, und dieser gilt ebenfalls als Großer.
2U͑la erwiderte im Namen R. Elea͑zars: Wenn sie in Erbteilsangelegenheiten kommen. Wie bei der ersten [Verteilung] des Jisraéllandes; wie damals durch einundsiebzig, ebenso auch später durch einundsiebzig. –
3Demnach sollte es, wie es damals durch Los, Orakel und ganz Jisraél erfolgt ist, auch später durch Los, Orakel und ganz Jisraél erfolgen!? – Am richtigsten ist es vielmehr, wie R. Mathna [erklärt hat].
4Rabina erklärte: Tatsächlich gilt dies von einem abtrünnigen Stamme, wenn du aber einwendest, wieso er als Mehrheit gerichtet wird, so ist er, wenn er auch als Einzelner hinzurichten ist, trotzdem als Mehrheit zu richten.
5So sagte auch R. Ḥama b. Jose im Namen R. Oša͑jas: So sollst du jenen Mann oder jene Frau hinausführen &c.; einen Mann oder eine Frau kannst du zum Tore hinausführen, nicht aber kannst du eine ganze Stadt zum Tore hinausführen. Ebenso auch hierbei; einen Mann oder eine Frau kannst du zum Tore hinausführen, nicht aber kannst du einen ganzen Stamm zum Tore hinausführen.
6EINEIN FALSCHEN PROPHETEN. Woher dies?
7R. Jose b. Ḥanina erwiderte: Dies ist durch [den Ausdruck] ‘Mutwille’ zu folgern, der auch beim sich widersetzenden Ältesten gebraucht wird; wie dieser durch einundsiebzig, ebenso auch jener durch einundsiebzig. –
8Aber [der Ausdruck] ‘Mutwille’ wird ja bei der Hinrichtung desselben gebraucht, und hingerichtet wird er ja durch dreiundzwanzig!? Vielmehr, erklärte Reš Laqiš, dies ist durch [das Wort] Wort zu folgern, das auch beim Sichwidersetzen [des Ältesten] gebraucht wird. –
9Sollte er doch durch [den Ausdruck] ‘Mutwille’ bezüglich des sich widersetzenden Ältesten vom falschen Propheten folgern!? – Er folgert nur durch [das Wort] Wort, nicht aber durch [den Ausdruck] ‘Mutwille’.
10EINEN HOCHPRIESTER. Woher dies? R. Ada b. Ahaba erwiderte: Die Schrift sagt: jede große Sache sollen sie vor dich bringen; die Sache des Großen sollen sie vor dich bringen.
11Man wandte ein: Große Sache, eine schwierige Sache. Du erklärst, eine schwierige Sache, vielleicht ist dem nicht so, sondern die Sache des Großen!? Wenn es heißt: schwierige Sachen solle man vor Moše bringen, so ist ja eine schwierige Sache zu verstehen. –
12Er ist der Ansicht des Autors folgender Lehre: Große Sache, die Sache des Großen. Du sagst, die Sache des Großen, vielleicht ist dem nicht so, sondern die schwierige Sache!? Wenn es heißt: schwierige Sachen, so ist ja schon von schwierigen Sachen die Rede, somit ist unter große Sache die Sache des Großen zu verstehen. –
13Wozu sind nach jenem Autor zwei Schriftverse nötig!? – Einer als Gebot und einer zur Ausübung. – Und jener!? – Es könnte ja an beiden Stellen entweder große oder schwierige heißen, wenn es aber an der einen Stelle große und an der anderen schwierige heißt, so ist hieraus beides zu entnehmen.
14R. Elea͑zar fragte: Wieviel [Richter sind bei der Aburteilung] eines Ochsen des Hochpriesters erforderlich; gleicht diese der Aburteilung seines Eigentümers, oder gleicht sie der Aburteilung eines gewöhnlichen (Eigentümers)? Abajje sprach: Wenn er nur von seinem Ochsen fragt, so ist es ihm bezüglich seines Geldes klar. –
15Selbstverständlich!? – Man könnte glauben: da es jede große Sache heißt, so bedeute dies jede Sache des Großen, so lehrt er uns.
16MAN DARF AUSZIEHEN &C. Woher dies!? R. Abahu erwiderte: Die Schrift sagt: er soll vor Elea͑zar, den Priester, treten; er,
17das ist der König; und alle Kinder Jisraéls mit ihm, das ist der Feldpriester; und die ganze Gemeinde, das ist das Synedrium. –
18Vielleicht sagt der Allbarmherzige damit nur, daß das Synedrium das Orakel befrage!? –
19Vielmehr, dies ist nach einer Lehre des R. Aḥa b. Bizna zu erklären, die er im Namen R. Šimo͑n des Frommen sagte: Über dem Bette Davids hing eine Harfe, und sobald die Mitternacht herankam, blies der Nordwind daran, und sie spielte von selbst. Sodann stand David auf und befaßte sich mit der Tora bis die Morgenröte aufging. Sobald die Morgenröte aufgegangen war, traten die Weisen Jisraéls bei ihm ein
20und sprachen zu ihm: Unser Herr und König, dein Volk Jisraél bedarf des Unterhaltes. Er erwiderte ihnen: Geht und ernährt euch einer vom anderen. Sie entgegneten ihm: Die Handfülle sättigt den Löwen nicht, und die Grube wird von ihrem eigenen Schutte nicht voll. Er erwiderte ihnen: Geht, zieht auf Plünderung aus.
21Alsdann berieten sie mit Aḥitophel, überlegten sich mit dem Synedrium und befragten das Orakel. R. Joseph sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.