Sanhedrin — Blatt 16b
1nach Aḥitophel waren Benajahu, Sohn Jehojada͑s, und Ebjathar; Joab war Feldherr des Königs. Aḥitophel war der Ratgeber, denn so heißt es: und der Rat Aḥitophels, den er erteilte &c. Benajahu, Sohn Jehojada͑s, war [Oberhaupt des] Synedriums. Ebjathar war [Träger des] Orakels,
2denn so heißt es: Benajahu, Sohn Jehojada͑s, war über das Krethi und Plethi. Weshalb wird [das Synedrium] Krethi und Plethi genannt? – Krethi, weil es seine Worte schneidet, Plethi, weil es durch seine Handlung ausgezeichnet ist. Nachher erst wird Joab, der Feldherr des Königs, genannt.
3R. Jiçḥaq, Sohn des R. Ada, manche sagen, R. Jiçḥaq b. Evdämi, sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: wache auf, meine Ehre, erwache, Harfe und Zither, ich will die Morgenröte wecken.
4DIE STADT ERWEITERN. Woher dies? R. Šimi b. Ḥija erwiderte: Die Schrift sagt: genau nach dem Plane der Wohnung, wie ich dir zeige, so sollt ihr es errichten; auch in den späteren Generationen.
5Raba wandte ein: Alle Geräte, die Moše gefertigt hatte, wurden durch Salbung geweiht, die späteren aber wurden durch den Dienst geweiht. Wieso nun, man sollte ja sagen: so sollt ihr es errichten, auch in den späteren Generationen!? –
6Anders ist es bei diesem; die Schrift sagt: er salbte und weihte sie; nur diese durch Salbung, nicht aber die der späteren Generationen durch Salbung. –
7Vielleicht aber: diese durch Salbung, die späteren Generationen sowohl durch Salbung als auch durch den Dienst!? R. Papa erwiderte: Die Schrift sagt: mit denen der Dienst im Heiligtume besorgt wird; die Schrift hat es vom Dienste abhängig gemacht. –
8Wozu heißt es demnach sie!? – Wenn es sie nicht hieße, so könnte man glauben, in den späteren Generationen durch Salbung und den Dienst, denn es heißt ja: so sollt ihr es errichten, daher schrieb der Allbarmherzige sie, nur diese durch Salbung, nicht aber die der späteren Generationen durch Salbung.
9GERICHTSHÖFE EINSETZEN &C. Woher dies!? – Wie wir es bei Moše finden, daß er Gerichtshöfe einsetzte, und Moše war an Stelle der einundsiebzig.
10Die Rabbanan lehrten: Woher, daß man Richter in Jisraél einsetze? Es heißt: Richter sollst du einsetzen. Woher, daß man Amtsleute in Jisraél [einsetze]? Es heißt: Amtsleute sollst du einsetzen. Woher, daß man Richter für jeden einzelnen Stamm [einsetze]? Es heißt: Richter für deine Stämme.
11Woher, daß man Amtsleute für jeden Stamm [einsetze]? Es heißt: Amtsleute für deine Stämme. Woher, daß man Richter in jeder Stadt [einsetze]? Es heißt: Richter in deinen Ortschaften . Woher, daß man Amtsleute in jeder Stadt [einsetze]? Es heißt: Amtsleute in deinen Ortschaften. R. Jehuda sagt: Ein [Gericht] muß über alle gesetzt sein, denn es heißt: sollst du dir einsetzen. R. Šimo͑n b. Gamliél sagte: Für deine Stämme, und sie sollen richten, es ist Gebot, daß jeder Stamm seinen Stamm richte.
12EINE STADT ALS ABTRÜNNIG ERKLÄRT WERDEN. Woher dies? R. Ḥija b. Joseph erwiderte im Namen R. Oša͑jas: Die Schrift sagt: so sollst du jenen Mann oder jene Frau hinausführen; einen Mann oder eine Frau kannst du zum Tore hinausführen, eine ganze Stadt aber kannst du nicht zum Tore hinausführen.
13DIE AN DER GRENZE LIEGENDE STADT KANN NICHT ALS ABTRÜNNIG ERKLÄRT WERDEN. Aus welchem Grunde? – Der Allbarmherzige sagt: aus deiner Mitte, nicht aber an der Grenze.
14NICHT DREI. Denn es heißt: eine. SONDERN NUR EINE ODER ZWEI. Denn es heißt: deiner Städte. Die Rabbanan lehrten: Eine, nicht aber drei. Du erklärst: eine, nicht aber drei, vielleicht ist dem nicht so, sondern eine, nicht aber zwei!? Wenn es deiner Städte heißt, so sind es ja zwei, wieso erkläre ich nun das eine? Eine, nicht aber drei.
15Zuweilen sagte Rabh, nur ein Gericht tue es nicht, wohl aber zwei oder drei Gerichte, und zuweilen sagte Rabh, auch zwei oder drei Gerichte können dies nicht tun. – Was ist der Grund Rabhs? – Wegen der Verwüstung. Reš Laqiš sagte: Dies nur, wenn sie in einem Gebiete liegen, wenn aber in zwei oder drei Gebieten, so tue man dies. R. Joḥanan sagte, man tue dies nie, wegen der Verwüstung.
16Übereinstimmend mit R. Joḥanan wird gelehrt: Drei Städte dürfen im Jisraéllande nicht als abtrünnig erklärt werden, wohl aber zwei; wenn nämlich eine in Judäa und die andere in Galiläa liegt; beide in Judäa oder beide in Galiläa darf man nicht. Nahe der Grenze darf man auch eine nicht, weil die Nichtjuden es erfahren und das Jisraélland zerstören könnten. –
17Dies geht ja schon daraus hervor, daß der Allbarmherzige sagt: aus deiner Mitte, nicht aber an der Grenze!? Diese [Lehre] vertritt die Ansicht R. Šimo͑ns, der den Grund der Schrift erklärt.
18DAS GROSSE SYNEDRIUM BESTAND &C. Was ist der Grund der Rabbanan, die sagen, Moše an ihrer Spitze? – Die Schrift sagt: sie sollen sich mit dir aufstellen;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.