Sanhedrin — Blatt 17a
1mit dir, du mit ihnen. – Und R. Jehuda!? – Mit dir, wegen der Göttlichkeit. –
2Und die Rabbanan!? – Die Schrift sagt: sie sollen mit dir die Last des Volkes tragen; mit dir, du mit ihnen. – Und R. Johuda!? – Mit dir, die dir gleichen. –
3Und die Rabbanan!? – Dies entnehmen sie aus: du wirst dich entlasten und sie werden mit dir tragen, und sie folgern bezüglich des großen Synedriums von dem kleinen.
4Die Rabbanan lehrten: Es waren aber zwei Männer im Lager zurückgeblieben; manche erklären, sie waren in der Losurne zurückgeblieben.
5Als nämlich der Heilige, gepriesen sei er, zu Moše sprach: Versammle mir siebzig Männer von den Ältesten Jisraéls, sprach Moše: Was mache ich nun; wähle ich sechs aus jedem Stamme, so bleiben zwei zurück, wähle ich fünf aus jedem Stamme, so fehlen zehn; wähle ich aus manchen Stämmen sechs und aus manchen fünf, so erwecke ich ja Neid unter den Stämmen.
6Was tat er? Er wählte je sechs; sodann nahm er zweiundsiebzig Zettel, auf siebzig schrieb er ‘Ältester’ und zwei ließ er unbeschrieben. Hierauf mischte er sie durcheinander, legte sie in die Urne und sprach zu ihnen: Kommt, zieht eure Zettel. Zog jemand ‘Ältester’, so sprach er: Der Himmel hat dich geweiht. Zog jemand eine Niete, so sprach er: Gott hat an dir keinen Gefallen, was kann ich dir helfen.
7Desgleichen heißt es: du sollst für jeden Kopf fünf Šeqel erheben. Moše sprach: Was mache ich nun mit den Jisraéliten; sage ich einem, daß er sein Lösegeld entrichte, so erwidert er mir, ein Levite habe ihn bereits ausgelöst.
8Was tat er? er nahm zweiundzwanzigtausend Zettel und schrieb auf sie ‘Levite’, und auf zweihundertdreiundsiebzig schrieb er ‘fünf Šeqel’; sodann mischte er sie durcheinander, legte sie in die Urne und sprach zu ihnen: Zieht eure Zettel. Zog jemand ‘Levite’, so sprach er zu ihm: Ein Levite hat dich ausgelöst. Zog jemand ‘fünf Šeqel’, so sprach er zu ihm: Entrichte dein Lösegeld, und gehe.
9R. Šimo͑n erklärte, sie waren im Lager zurückgeblieben. Als nämlich der Heilige, gepriesen sei er, zu Moše sprach: Versammle mir siebzig Männer, sagten Eldad und Medad: Wir sind dieser Auszeichnung nicht wert. Darauf sprach der Heilige, gepriesen sei er: Da ihr euch herabgesetzt habt, so will ich zu eurer Auszeichnung, noch mehr Auszeichnung hinzufügen. – Welche Auszeichnung fügte er ihnen hinzu? – Alle Propheten weissagten und hörten auf, sie aber weissagten und hörten nicht auf. –
10Was weissagten sie? – Sie weissagten, Moše werde sterben und Jehošua͑ Jisraél in das Land bringen. Abba Ḥanin sagte im Namen R. Elie͑zers: Sie weissagten inbetreff der Wachteln: Auf, ihr Wachteln, auf, ihr Wachteln.
11R. Naḥman sagte: Sie weissagten über die Angelegenheit von Gog und Magog, denn es heißt: So spricht der Herr der Heerscharen: Bist du es, von dem ich in vergangenen Tagen durch meine Knechte, die Propheten Jisraéls, geredet habe, die in jenen Tagen Jahre hindurch weissagten, daß ich dich über sie bringen werde &c., und man lese nicht šanim [Jahre], sondern šnajim [zwei]; und welche zwei Propheten sind es, die eine Prophetie gleichzeitig weissagten? Das sind Eldad und Medad.
12Der Meister sagte: Alle Propheten weissagten und hörten auf, sie aber weissagten und hörten nicht auf. Woher, daß jene aufhörten; wollte man sagen, weil es heißt: sie weissagten und wiederholten nicht mehr [jasaphu], so heißt es ja auch: eine starke Stimme ohne Aufhör [jasaph], heißt dies etwa auch hier, sie habe sich nicht wiederholt!? Vielmehr heißt dies, sie habe nicht aufgehört. –
13Vielmehr, da heißt es: sie weissagten, bei diesen aber heißt es: sie weissagen, sie setzten ihre Weissagung noch dann fort. –
14Erklärlich ist der Schriftvers: o Herr Moše, wehre es ihnen, nach demjenigen, welcher sagt, [sie weissagten], Moše werde sterben, weshalb aber sollte Moše es ihnen wehren nach den anderen zwei Erklärungen!? – Es war nicht schicklich, denn es war ebenso, als würde ein Schüler eine Halakha in Gegenwart seines Lehrers lehren. –
15Einleuchtend sind nach jenen zwei Erklärungen die Worte: bestände doch &c., nach demjenigen aber, welcher erklärt, [sie weissagten,] Moše werde sterben: könnte ihm dies denn erwünscht sein!? – Sie sagten es ihm nicht. –
16Wieso sollte er es ihnen wehren? – Er sprach zu ihm: Lege ihnen Gemeindeangelegenheiten auf, so werden sie selber aufhören.
17WOHER, DASS NOCH DREI HINZUKOMMEN.
18Aber schließlich kann ja [eine Mehrheit von] zwei Stimmen zu Ungunsten überhaupt nicht vorkommen; wenn elf freisprechen und zwölf schuldigsprechen, so ist es ja nur eine Stimme, und wenn zehn freisprechen und dreizehn schuldigsprechen, so sind es ja drei Stimmen!? R. Abahu erwiderte: Dies kann nur dann erfolgen, wenn [Richter] hinzukommen, nach aller Ansicht, oder beim großen Synedrium, nach R. Jehuda, welcher sagt, es habe aus siebzig [Mitgliedern] bestanden.
19Ferner sagte R. Abahu: Wenn Richter hinzukommen, so bilde man von vornherein ein Gerichtskollegium aus einer geraden Zahl. – Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, der er wisse nicht sagt, gelte als anwesend, und wenn er etwas dazu bemerkt, berücksichtige man dies, so lehrt er uns, daß, der er wisse nicht sagt, als abwesend gelte, und wenn er etwas dazu bemerkt, berücksichtige man es nicht.
20R. Kahana sagte: Wenn das Synedrium einstimmig auf schuldig erkennt, so wird [der Angeklagte] freigesprochen. – Weshalb? – Es ist uns überliefert, daß das Urteil eine Nacht aufgeschoben werde, um etwas zu seinen. Gunsten herauszufinden, was aber in diesem Falle nicht möglich ist.
21R. Joḥanan sagte: Man wähle in das Synedrium nur solche Leute, die eine stattliche Figur haben, weise sind, ein schönes Aussehen haben, gesetzten Alters sind, Zauberei verstehen und in den siebzig Sprachen kundig sind, damit das Synedrium nicht auf einen Dolmetsch angewiesen zu sein braucht.
22R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Man wähle nur solche in das Synedrium, die aus der Tora nachweisen können, daß das Kriechtier rein sei. Rabh sprach: Ich kann beweisen, daß ein solches rein ist:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.