Sanhedrin — Blatt 18a
1zweihundertsiebenundsiebzig. –
2Es wird ja aber gelehrt: Rabbi sagte, zweihundertachtundsiebzig!? – Das ist kein Einwand; eines nach R. Jehuda und eines nach den Rabbanan.
3Es wird gelehrt: Bestelle sie zu Vorgesetzten über je tausend, zu Vorgesetzten über je hundert, zu Vorgesetzten über je fünfzig und zu Vorgesetzten über je zehn. Sechshundert Vorgesetzteüber tausend, sechstausend Vorgesetzte über hundert, zwölftausend Vorgesetzte über fünfzig und sechs Myriaden Vorgesetzte über zehn. Die Vorgesetzten Jisraéls betrugen also sieben Myriaden und achttausendsechshundert.
4DER HOCHPRIESTER KANN RICHTEN UND GERICHTET WERDEN; ER KANN ZEUGE SEIN UND MAN KANN GEGEN IHN ZEUGEN; ER KANN DIE ḤALIÇA VOLLZIEHEN UND MAN KANN AN SEINER FRAU DIE ḤALIÇA VOLLZIEHEN. MAN KANN AN SEINER FRAU DIE SCHWAGEREHE VOLLZIEHEN, ER ABER KANN DIE SCHWAGEREHE NICHT VOLLZIEHEN, WEIL IHM EINE WITWE VERBOTEN IST.
5STIRBT IHM JEMAND, SO GEHE ER NICHT HINTER DER BAHRE, VIELMEHR ZEIGE ER SICH ERST, WENN SIE NICHT MEHR ZU SEHEN SIND, UND VERBERGE SICH, WENN SIE; ZU SEHEN SIND, UND SO GEHE ER MIT IHNEN BIS ZUR TÜR DES STADTTORES – SO R. MEÍR.
6R. JEHUDA SAGT, ER DÜRFE DAS HEILIGTUM ÜBERHAUPT NICHT VERLASSEN, DENN ES HEISST: und aus dem Heiligtume soll er nicht gehen.
7TRÖSTET ER ANDERE, SO IST ES ÜBLICH, DASS DAS GANZE VOLK EINER HINTER DEM ANDEREN EINHERGEHT, WÄHREND DER BEAMTE IHN ZWISCHEN SICH UND DEM VOLKE IN DIE MITTE NIMMT. WIRD ER VON ANDEREN GETRÖSTET, SO SPRICHT DAS VOLK ZU IHM: MÖGEN WIR DEINE SÜHNE SEIN! DARAUF ERWIDERT ER IHNEN: SEID VOM HIMMEL GESEGNET! REICHT MAN IHM DAS TRAUERMAHL, SO LAGERT SICH DAS GANZE VOLK AUF DIE ERDE, ER ABER AUF EINEN SCHEMEL.
8DER KÖNIG KANN WEDER RICHTEN NOCH GERICHTET WERDEN, WEDER KANN ER ZEUGE SEIN NOCH KANN MAN GEGEN IHN ZEUGEN, WEDER VOLLZIEHE ER DIE ḤALIÇA NOCH VOLLZIEHE MAN DIE ḤALIÇA AN SEINER FRAU, WEDER VOLLZIEHE ER DIE SCHWAGEREHE NOCH VOLLZIEHE MAN DIE SCHWAGEREHE AN SEINER FRAU. R. JEHUDA SAGT, WILL ER DIE ḤALIÇA ODER DIE SCHWAGEREHE VOLLZIEHEN, SO SEI SEINER ZUM GUTEN GEDACHT. JENE ABER ERWIDERTEN IHM: MAN HÖRE NICHT AUF IHN.
9MAN HEIRATE NICHT SEINE WITWE; R. JEHUDA SAGT, EIN KÖNIG DÜRFE DIE WITWE EINES KÖNIGS HEIRATEN, DENN SO FINDEN WIR AUCH, DASS DAVID DIE WITWE SAÚLS HEIRATETE, WIE ES HEISST: ich übergab dir das Haus deines Herrn und die Frauen deines Herrn legte ich an deinen Busen.
10GEMARA. DER HOCHPRIESTER KANN RICHTEN. Selbstverständlich!? – Er will hauptsächlich lehren, daß er gerichtet werden könne. – Dies ist ja ebenfalls selbstverständlich, wieso könnte er denn richten, wenn er nicht gerichtet werden könnte, es heißt ja: sammelt euch und sammelt andere, und Reš Laqiš erklärte: zuerst schmücke dich selber, nachher schmücke andere!? –
11Vielmehr, da er weiter lehren will, der König könne weder richten noch gerichtet werden, so lehrt er auch, der Hochpriester könne richten und gerichtet werden. Wenn du aber willst, sage ich, er lehrt uns das, was in folgender Lehre gelehrt wird: Wenn der Hochpriester einen Menschen tötet, so wird er, wenn vorsätzlich, hingerichtet, und wenn versehentlich, so muß er in die Verbannung; er übertritt ein Gebot und ein Verbot; und er gleicht in jeder Hinsicht einem Gemeinen. –
12«Wenn vorsätzlich, hingerichtet.» Selbstverständlich!? – Er lehrt hauptsächlich, daß er, wenn versehentlich, in die Verbannung müsse. –
13Dies ist ja ebenfalls selbstverständlich!? – Man könnte glauben, da es heißt: und er soll da bleiben bis zum Tode des Hochpriesters, müsse nur der in die Verbannung, der auch zurückkehren kann, nicht aber der, der nicht zurückkehren kann. Wir haben nämlich gelernt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.