Sanhedrin — Blatt 18b
1Wenn jemand den Hochpriester tötet, oder wenn der Hochpriester jemand tötet, so darf er [die Asylstadt] niemals verlassen. Man könnte also glauben, er müsse nicht in die Verbannung, so lehrt er uns. – Vielleicht ist dem auch so!? – Die Schrift sagt: damit sich jeder Totschläger dorthin flüchten könne, und auch der Hochpriester ist einbegriffen. –
2«Er übertritt ein Gebot und ein Verbot.» Muß er dies denn!? – Er meint es wie folgt: hat er ein Gebot oder ein Verbot übertreten, so gleicht er in jeder Hinsicht einem Gemeinen. –
3Selbstverständlich!? – Da wir gelernt haben, man richte einen Stamm, einen falschen Propheten und einen Hochpriester nur vor dem Gerichte von einundsiebzig [Mitgliedern], und R. Ada b. Ahaba erklärte: eine große Sache sollen sie vor dich bringen, die Sache des Großen, so könnte man glauben, jede Sache des Großen, so lehrt er ans. –
4Vielleicht ist dem auch so!? – Heißt es etwa: die Sache des Großen, es heißt ja: große Sache, nur eine wirklich große Sache.
5ER KANN ZEUGE SEIN UND MAN KANN GEGEN IHN ZEUGEN. Es wird ja aber gelehrt: Und du wirst dich ihrer entziehen. Zuweilen darfst du dich entziehen und zuweilen darfst du dich nicht entziehen; und zwar:
6wenn er Priester ist, und jenes sich auf einem Begräbnisplatze befindet, oder wenn er ein älterer Mann ist und dies seiner Ehre nicht angemessen ist, oder wenn seine Beschäftigung bedeutender ist als [der Verlust] seines Nächsten, so heißt es: du wirst dich entziehen!?
7R. Joseph erwiderte: Er kann für einen König Zeuge sein. – Wir haben ja aber [vom Könige] gelernt, daß er weder richte noch gerichtet werde, und daß er weder Zeuge sein noch man gegen ihn zeugen könne!? Vielmehr, erklärte R. Zera: Er kann für den Sohn eines Königs Zeuge sein. – Der Sohn des Königs ist ja ein Gemeiner!? –
8Vielmehr, er kann vor einem Könige Zeuge sein. – Man wählt ja aber keinen König in das Synedrium!? – Zu Ehren des Hochpriesters kommt er und verbleibt da, bis er sein Zeugnis abgelegt hat, sodann geht er fort, während [das Synedrium] über die Sache verhandelt.
9Der Text. Man wähle keinen König in das Synedrium, ferner keinen König und keinen Hochpriester in [das Kollegium] zur Interkalation des Jahres. Keinen König in das Synedrium, denn es heißt: du sollst nicht antworten vor Gericht, du sollst nicht antworten gegen den Bedeutenden.
10Keinen König und keinen Hochpriester in [das Kollegium] zur Interkalation des Jahres; keinen König, wegen des Gehaltes; keinen Hochpriester, wegen der Kälte.
11R. Papa sagte: Hieraus ist zu entnehmen, daß das Jahr sich nach dem Monate richte. – Dem ist ja nicht so, die Rabbanan beobachteten ja einst, wie drei Rinderhirten beisammen standen und sich unterhielten;
12der eine sagte: Wenn Frühsaat und Spätsaat zu gleicher Zeit blühen, so ist es Adar, wenn aber nicht, so ist es nicht Adar. Der andere sagte: Wenn ein Ochs morgens vor Kälte stirbt und mittags sich in den Schatten eines Feigenbaumes verkriecht und seine Haut abkratzt, so ist es Adar, wenn aber nicht, so ist es nicht Adar. Der dritte sagte: Wenn der Hauch aus deiner Kehle einen starken Ostwind verdrängt, so ist es Adar, wenn aber nicht, so ist es nicht Adar. Und daraufhin interkalierten die Rabbanan das Jahr!? –
13Glaubst du etwa, daß sich die Rabbanan auf die Hirten verließen? Sie stützten sich auf ihre Berechnung, während die Hirten ihre Handlung nur unterstützten.
14ER KANN DIE ḤALTÇA VOLLZIEHEN &C. Er lehrt dies allgemein, einerlei ob nach der Verlobung oder nach der Verheiratung; allerdings nach der Verheiratung, denn hierbei liegt ein Gebot und ein Verbot vor,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.