Sanhedrin — Blatt 20a
1Die Selbstbeherrschung Boa͑z’ war eine Kleinigkeit gegenüber der des Palṭi, des Sohnes Lajiš’, wie wir bereits erklärt haben.
2R. Joḥanan sagte: Es heißt: viele Frauen haben sich wacker gezeigt, du aber übertriffst sie alle. Viele Frauen haben sich wacker gezeigt, das sind Joseph und Boa͑z, du aber übertriffst sie alle, das ist Palṭi, der Sohn Lajiš’.
3R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Es heißt: Lug ist die Anmut und eitel die Schönheit. Lug ist die Anmut, dies bezieht sich auf Joseph; eitel die Schönheit, dies bezieht sich auf Boa͑z; die Gottesfürchtige soll gepriesen werden, dies bezieht sich auf Palṭi, den Sohn Lajiš’.
4Eine andere Erklärung: Lug ist die Anmut, dies bezieht sich auf das Zeitalter Mošes; eitel ist die Schönheit, dies bezieht sich auf das Zeitalter Jehošua͑s; die Gottesfürchtige soll gepriesen werden, dies bezieht sich auf das Zeitalter Ḥizqijas.
5Eine andere Erklärung: Lug ist die Anmut, dies bezieht sich auf das Zeitalter Mošes und Jehošua͑s; eitel ist die Schönheit, dies bezieht sich auf das Zeitalter Ḥizqijahus; die Gottesfürchtige soll gepriesen werden, dies bezieht sich auf das Zeitalter des R. Jehuda b. R. Ilea͑j. Man erzählt von R. Jehuda b. R. Ilea͑j, daß sich sechs seiner Schüler mit einem Gewände zudeckten und sich mit der Tora befaßten.
6STIRBT IHM JEMAND, SO VERLASSE ER NICHT DIE TÜR SEINES PALASTES. R. JEHUDA SAGT, WILL ER HINTER DER BAHRE GEHEN, SO DÜRFE ER DIES, DENN SO FINDEN WIR AUCH BEI DAVID, DASS ER HINTER DER BAHRE ABNERS GING, WIE ES HEISST: und der König David schritt hinter der Bahre her. MAN ENTGEGNETE IHM: DA GESCHAH ES NUR, UM DAS VOLK ZU BESÄNFTIGEN. REICHT MAN IHM DAS TRAUERMAHL, SO LEGTE SICH DAS GANZE VOLK AUF DIE ERDE, ER ABER AUF EIN DARGEŠ.
7GEMARA. Die Rabbanan lehrten: In Ortschaften, wo es üblich ist, daß die Frauen hinter der Bahre gehen, gehen sie, und wo es üblich ist, daß die Frauen vor der Bahre gehen, gehen sie. R. Jehuda sagt, Frauen gehen immer vor der Bahre, denn so finden wir bei David, daß er hinter der Bahre Abners ging, wie es heißt: und der König David schritt hinter der Bahre her.
8Man entgegnete ihm: Da geschah dies nur, um das Volk zu besänftigen, und es wurde auch besänftigt. David ging nämlich von den Männern unter die Frauen und von den Frauen unter die Männer, denn es heißt: da überzeugte sich das ganze Volk und ganz Jisraél daß die Ermordung Abners nicht vom Könige ausgegangen war.
9Raba trug vor: Es heißt: da kam das ganze Volk, um David das Mahl zu reichen; geschrieben steht um auszurotten und wir lesen das Mahl zu reichen; anfangs, um ihn auszurotten, nachher aber um ihm das Mahl zu reichen.
10R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Weshalb wurde Abner bestraft? Weil er Šaúl wehren sollte und dies unterlassen hat. R. Jiçḥaq sagte: Er wehrte es ihm, ohne jedoch gehört zu werden. Beide folgerten sie es aus ein und demselben Schriftverse. Und der König klagte über Abner und sprach: Sollte Abner den Tod eines Gottlosen sterben; deine Hände waren nicht gebunden, deine Füße nicht in Fesseln geschlagen.
11Derjenige, welcher sagt, er hatte es ihm nicht gewehrt, erklärt wie folgt: deine Hände waren nicht gebunden, deine Füße nicht in Fesseln geschlagen, weshalb nun hast du es ihm nicht gewehrt? Darum: wie man vor Ruchlosen fällt, bist du gefallen. Derjenige aber, welcher sagt, er hatte es ihm gewehrt, sei aber nicht gehört worden, erklärt es in Frageform: weshalb starbst du den Tod eines Gottlosen, wo doch deine Hände nicht gebunden waren und deine Füße nicht in Fesseln geschlagen; du hast es ihm gewehrt, weshalb bist du nun gefallen, wie man vor einem Ruchlosen fällt!? –
12Weshalb wurde er bestraft, nach demjenigen, welcher sagt, er habe es ihm gewehrt? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Weil er die Herrschaft des davidischen Hauses zweieinhalb Jahre aufgehalten hatte.
13REICHT MAN IHM DAS TRAUERMAHL &C. Was ist Dargeš? U͑la erwiderte: Ein Glücksbett. Die Rabbanan sprachen zu U͑la: Sollte er sich denn auf einen Gegenstand setzen, auf dem er sonst nicht sitzt!?
14Raba entgegnete: Was ist dies denn für ein Einwand, dies ist ja auch bei seinem Essen und Trinken der Fall: sonst werden ihm Speisen und Getränke nicht gereicht, dann aber wohl. Wenn man aber dagegen einwenden will, so ist es folgendes: Das Dargeš legte er nicht um, sondern stellte es [senkrecht] hin. Wieso braucht man es nicht umzulegen, wenn du sagst, es sei ein Glücksbett, es wird ja gelehrt, wer sein Bett umlegen muß, lege nicht nur sein eigenes Bett um, sondern alle Betten, die er im Hause hat!? –
15Was ist dies für ein Einwand, dasselbe gilt ja auch von einem zur [Aufbewahrung] von Sachen bestimmten Bette, denn es wird gelehrt: ist es zur [Aufbewahrung] von Sachen bestimmt, so braucht man es nicht umzulegen. Wenn man aber dagegen einwenden will, so ist es folgendes: R. Šimo͑n b, Gamliél sagt, am Dargeš löse man die Gurte und es fällt von selber zusammen. Wenn es ein Glücksbett ist, so hat es ja keine Gurte!? –
16Vielmehr, als Rabin kam, sagte er, einer von den Jüngern, namens R. Taḥlipha, der in der Riemerstraße verkehrte, habe ihm erklärt, Dargeš sei ein Lederbett. R. Jirmeja sagte im Namen R. Joḥanans: Beim Dargeš
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.