Sanhedrin — Blatt 26a
1Da versteckten sich alle. Als dieser dann kam, sprach er zu ihm: Von wem sollte ich [Steuern] einziehen!?
2Als seine Seele zur Ruhe einkehren sollte, sprach er: Nehmt die dreizehn Maa͑, die in meinem Laken eingebunden sind, und gebt sie jenem; ich habe sie von ihm erhoben und brauche sie nun nicht mehr.
3R. ŠIMO͑N SAGTE: FRÜHER NANNTE MAN SIE SIEBENTJAHRSFRUCHT-SAMMLER.
4Was sagte er damit? R. Jehuda erwiderte: Er meint es wie folgt: früher hatten sie bestimmt, daß Sammler von Siebentjahrsfrucht zulässig und Händler von Siebentjahrsfrucht unzulässig sein sollen;
5als sich aber Leute mehrten, die den Armen Geld gaben, und diese sie sammelten und jenen brachten, bestimmten sie, daß sowohl diese als auch jene unzulässig sein sollen.
6Die Söhne des Reḥaba wandten dagegen ein: Wieso heißt es demnach: als sich die Zwingherren mehrten, es müßte ja heißen: als sich die Händler mehrten!? –
7Vielmehr, früher hatten sie bestimmt, daß sowohl diese als auch jene unzulässig sein sollen, als sich aber die Zwingherren mehrten, die nämlich Naturalabgaben erhoben, ordnete man an, daß Sammler zulässig und Händler unzulässig sein sollen. So ließ R. Jannaj bekannt machen: Geht, säet im Siebentjahre, wegen der Naturalabgaben.
8R. Ḥija b. Zarnuqi und R. Šimo͑n b. Jehoçadaq gingen einst nach A͑sja, um das Jahr zu interkalieren; da begegnete ihnen Reš Laqiš und schloß sich ihnen an, indem er dachte: ich will gehen und sehen, wie sie es machen.
9Als er einen Mann pflügen sah, sprach er zu ihnen: Ein Priester pflügt da. Sie erwiderten ihm: Er kann sagen, er sei da nur gemietet.
10Er sah auch jemand Weinranken bestutzen; da sprach er zu ihnen: Ein Priester bestutzt da. Sie erwiderten ihm: Er kann sagen, er brauche [die Ranken] zu einem Flechtwerke in der Kelter. Er entgegnete ihnen: Das Herz weiß, ob zu einem Flechtwerke oder zu einem Schlechtwerke. –
11Worauf machte er sie zuerst aufmerksam; wollte man sagen, auf das erste, so sollten sie ihm auch beim zweiten erwidert haben, er könne sagen, er sei da nur gemietet!? – Vielmehr, auf dieses machte er sie zuerst aufmerksam und nachher auf jenes. –
12Weshalb gerade ein Priester? – Weil sie im Verdachte stehen, das Siebentjahrsgesetz [zu übertreten],
13denn es wird gelehrt: Wenn eine Seá Hebe in hundert Seá Siebentjahrsfrucht gekommen ist, so geht es auf, wenn aber in weniger, so lasse man sie verfaulen.
14Dagegen wandten wir ein, weshalb man sie denn verfaulen lasse, man sollte sie ja einem Priester zum Hebe-Preise verkaufen, abzüglich dieser Seá,
15und R. Ḥija erwiderte im Namen U͑las, dies besage, daß die Priester im Verdachte stehen, das Siebentjahrsgesetz zu übertreten. –
16Hierauf sprachen sie: Dieser ist ein Störenfried. Als sie da anlangten, stiegen sie auf einen Söller und zogen die Leiter herauf.
17Da kam er zu R. Joḥanan und sprach zu ihm: Sind Leute, die das Siebentjahrsgesetz zu übertreten verdächtig sind, das Jahr zu interkalieren befähigt?
18Darauf sprach er: Dies ist eigentlich keine Frage, hierbei ist es ebenso wie bei jenen drei Rinderhirten, auf deren Berechnung die Rabbanan sich stützten.
19Später aber sagte er: Es ist doch nicht gleich; da waren es die Rabbanan, die das Jahr in interkalierten, diese aber sind ein Bund von Frevlern, und ein Bund von Frevlern zählt nicht mit. Da sprach R. Joḥanan: Das ist das Schlimme.
20Als jene später zu R. Joḥanan kamen, sprachen sie zu ihm: Er nannte uns Rinderhirten, und der Meister sagte ihm dazu nichts! Da erwiderte er ihnen: Was sollte ich ihm denn sagen, auch wenn er euch Schafhirten genannt hätte!?
21Welches Bewenden hat es mit dem Bunde von Frevlern? – Šebhna trug vor dreizehn Myriaden vor und Ḥizqija trug vor elf Myriaden vor;
22als Sanḥerib kam und Jerušalem belagerte, schrieb Šebhna folgendes auf einen Zettel und entsandte ihn mit einem Pfeile: Šebhna und seine Partei wollen den Frieden, Ḥizqija und seine Partei wollen den Frieden nicht. So heißt es: Fürwahr, die Frevler spannen den Bogen, haben ihren Pfeil auf der Sehne zurechtgelegt.
23Da fürchtete Ḥizqija, indem er dachte, vielleicht neigt der Heilige, gepriesen sei er, nach der Mehrheit, und da die Mehrheit sich ergeben will, so werden sie sich ebenfalls ergeben müssen. Hierauf kam der Prophet und sprach zu ihm: Ihr sollt nicht Bund sagen zu all dem, was das Volk Bund sagt. Diese sind nämlich ein Bund von Frevlern, und ein Bund von Frevlern zählt nicht mit.
24Als [Šebhna] sich später ein Grab auf dem Begräbnisplatze des davidischen Hauses aushauen wollte, kam der Prophet und sprach zu ihm: Was hast du hier und wen hast da hier, daß du dir hier ein Grab aushauen läßt. Siehe, der Herr schleudert dich, wie man einen Mann schleudert.
25Rabh erklärte: Das Geschleudertwerden eines Mannes ist lästiger als das der Frau.
26Er wird dich umhüllen. R. Jose b. R. Ḥanina sagte: Dies lehrt, daß er aussätzig geworden war; hier heißt es umhüllen und dort heißt es: den Bart soll er umhüllen.
27Und er wickelt dich und schleudert dich wie einen Ball in ein weit offenes Land &c. Es wird gelehrt: Er wünschte die Schande seines Herrn, daher wurde seine Ehre in Schande verwandelt. Als er hinausginge, kam Gabriél und verschloß die Tür vor seinen Leuten.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.