Sanhedrin — Blatt 36a
1wenn die Festfeier, die durch das Privatopfer verdrängt wird, durch die Hinrichtung nicht verdrängt wird, um wieviel weniger wird das Privatopfer, das durch das Fest verdrängt wird, durch die Hinrichtung verdrängt.
2Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, Gelobtes und freiwillige Spenden dürfen am Feste nicht dargebracht werden, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, Gelobtes und freiwillige Spenden dürfen am Feste wohl dargebracht werden!?
3Vielmehr, sagte Raba, selbstverständlich [folgere man dies nicht] nach demjenigen, welcher sagt, Gelobtes und freiwillige Spenden dürfen am Feste dargebracht werden, denn nach diesem würden [die Worte] von meinem Altar ganz aufgehoben werden,
4aber auch [nicht] nach demjenigen, welcher sagt, Gelobtes und freiwillige Spenden dürfen am Feste nicht dargebracht werden. Es heißt aber: von meinem Altar, vom Altar, der für mich bestimmt ist, das ist nämlich das beständige Opfer, und der Allbarmherzige sagt: du sollst ihn von meinem Altar wegholen, damit er hingerichtet werde.
5VERHANDLUNGEN ÜBER GELDANGELEGENHEITEN UND FRAGEN ÜBER UNREINHEIT UND REINHEIT &C. Rabh sagte: Ich gehörte einst einem Kollegium in der Schule Rabbis an, und [die Abstimmung] begann mit mir. – Wir haben ja aber gelernt, man beginne mit dem Größten!?
6Rabba, der Sohn Rabas, nach anderen R. Hillel, Sohn des R. Valas, erwiderte: Anders verhielt es sich bei der Abstimmung in der Schule Rabbis; sie begannen alle ihre Abstimmungen von der Seite.
7Ferner sagte Rabba, der Sohn Rabas, nach anderen R. Hillel, Sohn des R. Valas: Seit den Tagen Mošes bis zu den Tagen Rabbis waren Tora und [weltliche] Größe [in einer Person] nicht vereinigt. –
8Etwa nicht, bei Jehošua͑ war dies ja!? – [Neben ihm] war noch Elea͑zar. – Bei Pinḥas war dies ja!? – [Neben ihm] waren noch die Ältesten. –
9Bei Šaúl war dies ja!? – [Neben ihm] war noch Šemuél. – Er starb ja!? – Wir sprechen von der ganzen Lebensdauer. –
10Bei David war dies ja!? – [Neben ihm] war noch I͑ra der Jaírite. – Er starb ja!? – Wir sprechen von der ganzen Lebensdauer. –
11Bei Šelomo war dies ja!? – [Neben ihm] war noch Šimi, der Sohn Geras. – Er tötete ihn ja!? – Wir sprechen von der ganzen Lebensdauer. –
12Bei Ḥizqija war dies ja!? – [Neben ihm] war noch Šebhna. – Er wurde ja getötet!? – Wir sprechen von der ganzen Lebensdauer. – Bei E͑zra war dies ja!? – [Neben ihm] war noch Neḥemja, der Sohn Ḥakhaijas.
13R. Ada b. Ahaba sagte: Auch ich will desgleichen sagen: seit den Tagen Rabbis bis zu den Tagen R. Ašis waren Tora und [weltliche] Größe nicht [in einer Person] vereinigt. – Etwa nicht, bei Hona b. Nathan war dies ja!? – Hona b. Nathan beugte sich vor R. Aši.
14BEI TODESSTRAFSACHEN BEGINNEN SIE VON DER SEITE. Woher dies? R. Aḥa b. Papa erwiderte: Die Schrift sagt: du sollst nicht antworten vor Gericht, du sollst nicht antworten gegen den Großen.
15Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Hieraus: da gebot David seiner Schar: Jeder gürte sein Schwert um. Da gürtete jeder sein Schwert um; dann gürtete auch David sein Schwert um.
16Rabh sagte: Man darf bei Todesstrafsachen einen Schüler unterrichten und mit ihm diskutieren. Man wandte ein: Bei Verhandlungen über Reinheit und Unreinheit gelten die Stimmen von Vater und Sohn, von Lehrer und Schüler als zwei; bei Verhandlungen über Geldsachen, Todesstrafsachen, Geißelung, Weihung des Neumondes und Interkalation des Jahres gelten die Stimmen von Vater und Sohn, von Lehrer und Schüler als eine!? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.