Sanhedrin — Blatt 38a

1wurde aber stehend schwanger. Eine andere Erklärung: Šaltiél, er ließ sich von Gott seinen Schwur auflösen [šaál-él]; Zerubabel, er wurde in Babel gepflanzt [zera͑-babel], sein wirklicher Name aber war Neḥemja, Sohn des Ḥakhalja.

2Jehuda und Ḥizqija, die Söhne R. Ḥijas, saßen einst bei einer Mahlzeit vor Rabbi, ohne etwas zu sprechen. Da sprach er, um sie zum Reden zu bringen: Reicht den Kindern recht viel Wein. Als sie angeheitert waren, begannen sie und sprachen: Der Sohn Davids wird nicht eher kommen, als bis zwei Familien in Jisraél untergegangen sein werden, und zwar: der Exilarch in Babylonien und der Fürst im Jisraéllande, denn es heißt: er wird den beiden Häusern Jisraéls sein ein Heiligtum und ein Stein des Anstoßes und ein Felsblock des Straucheins.

3Da sprach er zu ihnen: Kinder, ihr stoßet Dornen in meine Augen. Darauf sprach R. Ḥija zu ihm: Meister, nimm dies ihnen nicht übel; [das Wort] jajin [Wein] beträgt siebzig und [das Wort] sod [Geheimnis] beträgt ebenfalls siebzig; geht der Wein hinein, so kommt das Geheimnis heraus.

4R. Ḥisda sagte im Namen Mar U͑qabas, manche sagen, R. Ḥisda sagte es im Namen eines Vortrages des Mari b. Mar: Es heißt: und so war der Herr auf das Unglück bedacht und brachte es über uns, denn gerecht ist der Herr, unser Gott; war der Herr auf das Unglück bedacht und brachte es über uns deshalb, weil er gerecht ist? Vielmehr, der Heilige, gepriesen sei er, übte Gerechtigkeit an Jisraél, indem er die Gefangenschaft Çidqijahus eintreten ließ, als noch die Gefangenschaft Jekhonjas bestanden hatte.

5Von der Gefangenschaft Jekhonjas heißt es: Schmiede und Schlosser tausend. Schmiede [hießen sie,] weil alle, wenn sie zu sprechen anfingen, wie taub waren, Schlosser [hießen sie,] weil, wenn ihnen eine Lehre verschlossen war, niemand sie lösen konnte. Wieviel waren es? Tausend.

6U͑la erklärte: Er beschleunigte sie um zwei Jahre vor: wenn ihr eingelebt sein werdet.

7R. Aḥa b. Ja͑qob sagte: Hieraus, daß das ‘geschwind’ des Herrn der Welt achthundertzweiundfünfzig [Jahre] währt.

8DESHALB &C. Die Rabbanan lehrten: Der Mensch wurde einzig erschaffen, und zwar deshalb, damit die Minäer nicht sagen, es gebe mehrere Prinzipien im Himmel. Eine andere Erklärung: Wegen der Frommen und wegen der Gottlosen; damit nämlich die Frommen nicht sagen, sie entstammen einem Frommen, und die Gottlosen nicht sagen, sie entstammen einem Gottlosen.

9Eine andere Erklärung: Wegen der Familien, damit nämlich die Familien einander nicht befehden; wenn sie sogar jetzt, wo [der Urmensch] einzig erschaffen wurde, einander befehden, um wieviel mehr wäre dies der Fall, wenn zwei erschaffen worden wären. Eine andere Erklärung: Wegen der Räuber und Plünderer; wenn es sogar jetzt, wo [der Urmensch] einzig erschaffen wurde, Raub und Plünderung gibt, um wieviel mehr wäre dies der Fall, wenn zwei erschaffen worden wären.

10UND UM DIE GRÖSSE &C. ZU VERKÜNDEN. Die Rabbanan lehrten: Um die Größe des Königs der Könige, des Heiligen, gepriesen sei er, zu verkünden; wenn ein Mensch mehrere Münzen mit einem Stempel prägt, so gleichen sie alle einander, aber der Heilige, gepriesen sei er, prägt jeden Menschen mit dem Stempel des Urmenschen, und doch gleicht nicht einer dem anderen, wie es heißt: sie verwandelt sich wie Ton unter dem Stempel, sie stellen sich dar wie ein Gewand. –

11Weshalb gleichen ihre Gesichter nicht einander? – Damit niemand, wenn er eine schöne Wohnung oder eine schöne Frau sieht, sagen könne, sie gehöre ihm, denn es heißt: er verweigerte den Frevlern ihren [Gesichts-]Schein, und der erhobene Arm wird zerschmettert.

12Es wird gelehrt: R. Meír sagte: Durch drei Dinge unterscheidet sich ein Mensch vom anderen: durch die Stimme, durch das Aussehen und durch den Verstand; durch die Stimme und durch das Aussehen, wegen der Unzucht, durch den Verstand, wegen der Räuber und Plünderer.

13Die Rabbanan lehrten: Der Mensch wurde am Vorabend des Šabbaths erschaffen, und zwar deshalb, damit die Minäer nicht sagen, der Heilige, gepriesen sei er, habe einen Beteiligten am Schöpfungswerke gehabt. Eine andere Erklärung: Damit, wenn er übermütig werden sollte, man zu ihm sagen könne: selbst eine Mücke ging dir beim Schöpfungswerke vor. Eine andere Erklärung: Damit er sofort zu einer gottgefälligen Handlung gehen könne.

14Eine andere Erklärung: Damit er sofort zur Mahlzeit gehen könne. Dies ist ebenso, als wenn ein König aus Fleisch und Blut einen Palast baut, ihn ausschmückt, das Mahl vorbereitet und erst dann die Gäste eintreten läßt. So beißt es auch:Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, sich ihre sieben Säulen ausgehauen. Sie hat ihr Schlachtvieh geschlachtet, ihren Wein gemischt, auch ihren Tisch bereitet. Sie hat ihre Mägde ausgesandt; ihr Ruf ergeht oben auf den Anhöhen der Stadt.

15Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, das ist die Handlung des Heiligen, gepriesen sei er, der die ganze Welt in Weisheit erschuf. Sich ihre sieben Säulen ausgehauen, das sind die sieben Schöpfungstage. Sie hat ihr Schlachtvieh geschlachtet, ihren Wein gemischt, auch ihren Tisch bereitet, das sind die Seen und die Flüsse und alle Erfordernisse der Welt. Sie hat ihre Mägde ausgeschickt, ihr Ruf ergeht, das sind Adam und Ḥava.

16Auf den Anhöhen der Stadt; Rabba b. Bar Ḥana wies auf einen Widerspruch hin. Es heißt: auf den Anhöhen, und es heißt: auf dem Stuhle!? Zuerst auf den Anhöhen, nachher auf dem Stuhle.

17Wer ein Tor ist, kehre hier ein; wem es an Verstand gebricht, zu dem spricht sie. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Wer hat diesen betört? Eine Frau ist es, die ihn verleitet hat, denn es heißt: wer mit einem Weibe Unzucht treibt, dem fehlt Verstand.

18Es wird gelehrt: R. Meír sagte: Der Staub des Urmenschen wurde aus der ganzen Erde zusammengescharrt, denn es heißt: meinen Klumpen sahen deine Augen, und ferner heißt es: die Augen des Herrn überblicken die ganze Erde. R. Oša͑ja sagte im Namen Rabhs:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.