Sanhedrin — Blatt 41b

1nahm man es in seinem Namen auf. Als er noch lernte, nannte man ihn, Ben Zakkaj (wie einen vor seinem Lehrer sitzenden Schüler), und als er lehrte, nannte man ihn R. Joḥanan b. Zakkaj. Einer nennt ihn Ben Zakkaj, wie er damals hieß, und einer nennt ihn R. Joḥanan b. Zakkaj, wie er später hieß.

2EINST BEFRAGTE &C. WELCHEN UNTERSCHIED GIBT ES ZWISCHEN DEN AUSFORSCHUNGEN &C. Was Neues lehrt er mit dem Falle, wenn es beide sagen, dies ist ja selbstverständlich: wenn einer sagt, er wisse es nicht, so ist das Zeugnis gültig, ebenso ist es ja auch gültig, wenn es beide sagen!?

3R. Šešeth erwiderte: Dies bezieht sich auf den Anfangsatz, und zwar meint er es wie folgt: bei den Ausforschungen ist, selbst wenn zwei sagen, sie wissen es, und einer sagt, er wisse es nicht, das Zeugnis ungültig, also nach R. A͑qiba, welcher sagt, drei gleichen zweien.

4Raba entgegnete: Er lehrt ja, ihr Zeugnis sei gültig!? Vielmehr, erklärte Raba, meint er es wie folgt: selbst bei den Ausforschungen ist, wenn zwei sagen, sie wissen es, und einer sagt, er wisse es nicht, das Zeugnis gültig, also nicht nach R. A͑qiba.

5R. Kahana und R. Saphra studierten [den Traktat vom] Synedrium in der Schule Rabbas, da traf sie Rami b. Ḥama und fragte sie: Was habt ihr bei Rabba aus [dem Traktate vom] Synedrium gelernt? Sie erwiderten ihm: Was gibt es denn über [den Traktat vom] Synedrium überhaupt zu sagen? Was ist dir da schwierig? –

6Folgendes: er lehrt: welchen Unterschied gibt es zwischen Ausforschungen und Untersuchungen? Wenn einer auf eine der Ausforschungs[fragen] antwortet, er wisse es nicht, so ist das Zeugnis ungültig, wenn aber einer auf eine der Untersuchungs[fragen] antwortet, er wisse es nicht, oder sogar beide antworten, sie wissen es nicht, so ist das Zeugnis gültig. Merke, beides ist ja aus der Tora, weshalb ist es nun bei den Ausforschungen anders als bei den Untersuchungen!? –

7Was soll dies: wenn einer auf eine der Ausforschungs[fragen] antwortet, er wisse es nicht, so ist ihre Zeugenaussage ungültig, weil es dann ein Zeugnis ist, das man nicht als falsch überführen kann, wenn aber einer auf eine der Untersuchungs[fragen] antwortet, er wisse es nicht, so ist das Zeugnis gültig, weil das Zeugnis als falsch überführt werden kann.

8Darauf sprach er zu ihnen: Wenn ihr darüber das gesagt habt, so habt ihr vieles gesagt. Sie erwiderten ihm: Da der Meister gütig ist, so haben wir vieles gesagt; würde uns der Meister aber angeschrien haben, so würden wir nichts gesagt haben.

9WENN EINER SAGT &C. Bis wie lange? R. Aḥa b. Ḥanina erwiderte im Namen R. Asis im Namen R. Joḥanans: Bis zur größeren Hälfte des Monats.

10Raba sagte: Auch wir haben demgemäß gelernt: Sagt einer, es war am dritten, und einer, es war am fünften, so ist ihr Zeugnis ungültig. Weshalb denn, man sollte doch sagen, einer weiß von zwei [vergangenen] Schaltmonaten und einer weiß nicht von zwei Schaltmonaten; wahrscheinlich also, weil man nach Ablauf der größeren Hälfte [des Monats] es wissen muß. –

11Tatsächlich, kann ich dir erwidern, braucht man auch nach Ablauf der größeren Hälfte [des Monats] es nicht zu wissen, nur muß man sich das Posaunenblasen gemerkt haben; einmal, sagen wir, kann man sich dabei geirrt haben, zweimal kann man nicht geirrt haben.

12Ferner sagte R. Aḥa b. Ḥanina im Namen R. Asis im Namen R. Joḥanans: Wie lange kann man den Segen über den Neumond sprechen? Bis er sein volles [Licht] erreicht hat. – Wie lange ist dies? R. Ja͑qob b. Idi sagte im Namen R. Jehudas, bis zum siebenten; die Nehardee͑nser sagen, bis zum sechzehnten.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.