Sanhedrin — Blatt 43b
1R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Wer seinen bösen Trieb schlachtet und [die begangene Sünde] bekennt, dem rechnet es die Schrift an, als hätte er den Heiligen, gepriesen sei er, in beiden Welten, in dieser Welt und in der zukünftigen Welt verehrt, denn es heißt: wer ein Dankopfer schlachtet, verehrt mich.
2Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Wer zur Zeit, als der Tempel noch bestand, ein Brandopfer darbrachte, hatte das Verdienst eines Brandopfers, wer ein Speisopfer, hatte das Verdienst eines Speisopfers, wer aber seinen Geist demütigt, dem rechnet es die Schrift an, als hätte er sämtliche Opfer dargebracht, denn es heißt: die Schlachtopfer für Gott sind ein zerbrochener Geist. Und noch mehr, sein Gebet wird nicht verschmäht, denn es heißt: ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen.
3IST EU UNGEFÄHR; ZEHN ELLEN VON DER STEINIGUNGSSTEILE ENTFERNT, SO SPRICHT MAN ZU IHM: LEGE EIN BEKENNTNIS AB. JEDER, DER HINGERICHTET WERDEN SOLL, MUSS NÄMLICH EIN BEKENNTNIS ABLEGEN, DENN WER EIN BEKENNTNIS ABLEGT, HAT EINEN ANTEIL AN DER ZUKÜNFTIGEN WELT. SO FINDEN WIR AUCH BEI A͑KHAN, DASS JEHOŠUA͑ ZU IHM SPRACH: Mein Sohn, gib doch dem Herrn, dem Gott Jisraéls, die Ehre und lege ihm ein Bekenntnis ab. Da erwiderte A͑khan Jehošua͑ und sprach: Wahrlich, ich habe gesündigt, das und das &c. WOHER, DASS SEIN BEKENNTNIS IHM SÜHNE VERSCHAFFTE? ES HEISST: Da sprach Jehošua͑: Wie hast du uns ins Unglück gestürzt! So stürze dich denn der Herr an diesem Tage ins Unglück! AN DIESEM TAGE SOLLST DU IM UNGLÜCKE SEIN, NICHT ABER IN DER ZUKÜNFTIGEN WELT.
4WENN ER ABER KEIN BEKENNTNIS ABZULEGEN WEISS, SO SAGE MAN ZU IHM, DASS ER SPRECHE: MEIN TOD SEI EINE SÜHNE FÜR ALL MEINE SÜNDEN. R. JEHUDA SAGTE: WENN ER WEISS, DASS GEGEN IHN FALSCHES ZEUGNIS ABGELEGT WURDE, SO SPRECHE ER: MEIN TOD SEI EINE SÜHNE FÜR ALL MEINE SÜNDEN MIT AUSNAHME DIESER SÜNDE. MAN ENTGEGNETE IHM: WENN DEM SO WÄRE, SO KÖNNTE DIES JEDER SAGEN, UM SICH ALS UNSCHULDIG ZU ZEIGEN.
5GEMARA. Die Rabbanan lehrten: ‘Doch’ ist nichts anderes als eine Art Bitte.
6Als nämlich der Heilige, gepriesen sei er, zu Jehošua͑ sprach: Jisraél hat sich versündigt, sprach er vor ihm: Herr der Welt, wer hat die Sünde begangen? Er erwiderte ihm: Bin ich etwa ein Angeber, geh, wirf Lose aus. Als er darauf fortging und Lose auswarf, und das Los auf A͑khan fiel, sprach dieser zu ihm: Jehošua͑, du willst mich durch das Los überführen! Du und Elea͑zar der Priester seid die beiden Größten des Zeitalters, und wenn ich über euch das Los werfen sollte, so würde es auf einen von euch beiden fallen. Jener erwiderte ihm: Ich bitte dich, bringe keinen Verdacht aus über das Los, denn dereinst wird auch das Jisraélland durch das Los verteilt werden; denn es heißt: nur durch das Los soll das Land verteilt werden.
7Bekenne doch! Rabina sagte: Er überredete ihn durch Worte: wir verlangen ja von dir nichts mehr als ein Bekenntnis, lege ein Bekenntnis ab, und du wirst entlastet sein. Da erwiderte A͑khan Jehošua͑ und sprach: Wahrlich, ich habe mich gegen den Herrn, den Gott Jisraéls, versündigt.
8R. Asi sagte im Namen R. Ḥaninas: Dies lehrt, daß A͑khan sich dreimal gegen das Banngut vergangen hat; zweimal in den Tagen Mošes und einmal in den Tagen Jehošua͑s, denn es heißt: das und das habe ich getan. R. Joḥanan sagte im Namen des R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n: Fünfmal, viermal in den Tagen Mošes und einmal in den Tagen Jehošua͑s, denn es heißt: ich habe gesündigt: das und das habe ich getan . –
9Weshalb wurde er bis dann nicht bestraft!? R. Joḥanan erwiderte im Namen des R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n: Weil die Jisraéliten bis zu ihrem Überschreiten des Jarden wegen verborgener [Sünden] nicht bestraft wurden.
10[Hierüber streiten] folgende Tannaím: Das Verborgene steht beim Herrn unserem Gott, was aber offenbar ist, gilt uns und unseren Kindern immerdar. Weshalb befinden sich Punkte über [den Worten] uns und unseren Kindern und auf dem A͑jin des [Wortes] a͑d ? Dies lehrt, daß sie bis zu ihrem Überschreiten des Jarden wegen verborgener [Sünden] nicht bestraft wurden – so R. Jehuda.
11R. Neḥemja sprach zu ihm: Wurden denn die verborgenen später geahndet, es heißt ja: immerdar!? Vielmehr, wie die Jisraéliten vor ihrem Überschreiten des Jarden wegen der nicht verborgenen [Sünden] nicht bestraft wurden, ebenso wurden sie auch nicht wegen der verborgenen bestraft. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.