Sanhedrin — Blatt 44a

1Weshalb wurden sie demnach wegen des A͑khan bestraft!? – Weil es seiner Frau und seinen Kindern bekannt war.

2Jisraél hat sich versündigt. R. Abba b. Zabhda sagte: Wenn er auch gesündigt hat, so ist er dennoch ein Jisraélit. R. Abba sagte: Das ist es, was die Leute sagen: auch die Myrte im Schilfe ist eine Myrte, und man nennt sie Myrte.

3Auch haben sie mein Bündnis übertreten, das ich ihnen geboten habe; auch haben sie vom Gebannten sich etwas angeeignet, auch haben sie gestohlen, auch es verheimlicht, und auch es in ihre Geräte getan. R. Ilea͑ sagte im Namen des R. Jehuda b. Masparta: Dies lehrt, daß A͑khan die fünf Bücher der Tora übertreten hatte, denn fünfmal kommt hier [das Wort] auch vor.

4Ferner sagte R. Ilea͑ im Namen des R. Jehuda b. Masparta: A͑khan war Epispast, denn hier heißt es: auch haben sie mein Bündnis übertreten, und dort heißt es: ein Bündnis hat er übertreten. –

5Dies ist ja selbstverständlich!? – Man könnte glauben, er habe sich gegen das seinen Körper betreffende Gebot nicht vergangen, so lehrt er uns.

6Und eine Schandtat hat er in Jisraél verübt R. Abba b. Zabhda sagte: Dies lehrt, daß A͑khan eine Verlobte geschändet hatte, denn hier heißt es: und eine Schandtat hat er verübt, und dort heißt es: denn sie hat eine Schandtat in Jisraél verübt. –

7Dies ist ja selbstverständlich!? – Man könnte glauben, er habe sich nicht so weit vergangen, so lehrt er uns. Rabina sagte: Seine Strafe glich der der [hurenden] Verlobten: die Steinigung.

8Der Exilarch sprach zu R. Hona: Es heißt: da nahm Jehošuâ A͑khan, den Sohn Zaraḥs, das Geld, den Mantel und die goldene Zunge, sowie seine Söhne und seine Töchter, seine Rinder, Esel und Schafe nebst seinem Zelte und allem, was ihm gehörte. Was hatten denn seine Söhne und seine Töchter verschuldet, wenn er gesündigt hat!?

9Dieser erwiderte: Auch nach deiner Ansicht: es heißt: und ganz Jisraél mit ihm; was hatte denn ganz Jisraél verschuldet, wenn er gesündigt hat!? Vielmehr, um sie einzuschüchtern, ebenso auch diese, um sie einzuschüchtern.

10Und sie verbrannten sie im Feuer und bewarfen sie mit Steinen. Beides!? Rabina erwiderte: Was zum Verbrennen geeignet war, durch Verbrennen, und was zur Steinigung geeignet war, durch Steinigung.

11Ich erblickte unter der Beute einen schönen Mantel aus Šinear und zweihundert Šeqel Silber. Rabh erklärte, ein Gewand aus feiner Wolle; Šemuél erklärte, ein mit Alaun gebleichter Mantel.

12Und sie legten sie vor dem Herrn nieder. R. Naḥman sagte: Er kam und schleuderte sie vor Gott hin, indem er vor ihm sprach: Herr der Welt, dieserhalb sollte die Mehrheit des Synedriums erschlagen werden!? Es heißt nämlich: und die Einwohner von A͑j erschlugen von ihnen ungefähr sechsunddreißig Mann, und hierzu wird gelehrt: Sechsunddreißig, dem Wortlaute gemäß – so R. Jehuda. R. Neḥemja sprach zu ihm: Heißt es denn sechsunddreißig, es heißt ja: ungefähr sechsunddreißig!? Vielmehr ist darunter Jaír, der Sohn Menašes, zu verstehen, der die Mehrheit des Synedriums aufwog.

13Rabh sagte: Es heißt: Flehentlich redet der Arme, aber der Reiche antwortet mit Härte; flehentlich redet der Arme, das ist Moše, aber der Reiche antwortet mit Härte, das ist Jehošua͑. –

14Wieso, wollte man sagen, weil es heißt: und sie legten sie vor dem Herrn nieder, was R. Naḥman erklärte: er kam und schleuderte sie vor Gott hin, so handelte ja Pinḥas ebenso!? Es heißt nämlich: da stand Pinḥas auf und richtete, da wurde der Plage Einhalt getan, und hierzu sagte R. Elea͑zar: es heißt nicht: er betete, sondern: er richtete, dies lehrt, daß er mit seinem Schöpfer Streit führte. Er kam und schleuderte sie vor Gott hin, indem er vor ihm sprach: Herr der Welt, wegen dieser sollen vierundzwanzig Tausend in Jisraél fallen!? Es heißt nämlich: und es waren vierundzwanzig Tausend, die in der Plage umkamen.

15Und wollte man es hieraus entnehmen: warum hast du denn dieses Volk den Jarden überschreiten lassen, so sagte ja Moše ebenfalls: warum tust du so übel an diesem Volke!? – Vielmehr, hieraus: hätten wir uns doch entschlossen, jenseits des Jarden wohnen zu bleiben.

16Da sprach der Herr zu Jehošua͑: Steh auf. R. Šila trug vor: Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu ihm: Dein [Vergehen] ist schwerer als ihres; ich sagte: sobald ihr den Jarden überschritten habt, sollt ihr [diese Steine] aufstellen, ihr aber habt euch sechzig Mil entfernt.

17Als er hinausging, ließ Rabh seinen Dolmetsch vortreten und trug vor: So wie der Herr seinem Knecht Moše befohlen, so hatte Moše Jehošuâ befohlen, und so verfuhr Jehošuâ, ohne irgend etwas von dem, was der Herr Moše befohlen hatte, zu unterlassen.

18Wieso heißt es nun: steh auf!? Er sprach zu ihm: Du hast es verschuldet. Deshalb sagte er zu ihm beim [Kriegszuge gegen] A͑j: Du sollst mit A͑j und seinem Könige verfahren, wie du mit Jeriḥo und seinem König verfahren bist &c.

19Während sich aber Jehošua͑ in Jeriḥo befand, schaute er einst auf und sah &c. er antwortete ihm: Ich bin ein Heeresfürst des Herrn; eben bin ich gekommen. [Da warf sich Jehošuâ auf sein Angesicht zu Boden und verneigte sich.] Wieso tat er dies, R. Joḥanan sagte ja, man dürfe nachts seinen Nächsten nicht begrüßen, weil zu befürchten ist, es sei vielleicht ein Dämon!? –

20Anders war es da, wo er gesagt hatte: ich bin ein Heeresfürst des Herrn; eben bin ich gekommen &c. – Er könnte ja gelogen haben!? Es ist überliefert, daß sie nicht den Namen Gottes vergeblich aussprechen. Er sprach nämlich zu ihm:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.