Sanhedrin — Blatt 44b

1Gestern habt ihr das beständige Abendopfer unterlassen und jetzt habt ihr das Studium der Tora unterlassen. – Wegen welcher [Unterlassung] bist du gekommen? Dieser erwiderte: Jetzt bin ich gekommen.

2Sodann: da verbrachte Jehošua͑ jene Nacht in der Vertiefung, worüber R. Joḥanan sagte, dies lehre, daß er jene Nacht bei Vertiefung in der Halakha verbrachte.

3R. Šemuél b. Inja sagte: Das Studium der Tora ist bedeutender als die Darbringung des beständigen Opfers, denn es heißt: jetzt bin ich gekommen.

4Abajje sprach zu R. Dimi: Worauf bezieht ihr im Westen folgenden Schriftvers? Geh nicht rasch zum Streiten vor, denn was willst du hinterher machen, wenn dich dein Nächster beschämt? Führe deinen Streit mit deinem Nächsten, aber eines anderen Geheimnis verrate nicht. –

5Als der Heilige, gepriesen sei er, zu Jeḥezqel sprach: Geh, sprich zu Jisraél: Emoriter war dein Vater und deine Mutter Hethiterin, sprach der streitende Geist vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, würdest du, wenn Abraham und Sara kommen und vor dir stehen würden, ihnen dies sagen und sie beschämen!? Fähre deinen Streit mit deinem Nächsten, aber eines anderen Geheimnis verrate nicht. –

6Ist er denn so weit befugt!? – Freilich, denn li. Jose b. Ḥanina sagte, er habe drei Namen: Pisaqon, Iṭamon und Sigaron; Pisaqon, weil er Streitworte gegen oben ausstieß [pasaq]; Iṭamon, weil er die Sünden Jisraéls zurückhält [oṭem]; Sigaron, weil, wenn er [die Himmelspforte] schließt [soger], kein anderer sie öffnen kann.

7Wird er herrichten dein Geschrei ohne Bedrängnis. R. Elea͑zar sagte: Stets verrichte man ein Gebet vor Eintritt des Unglücks, denn hätte Abraham nicht vorher zwischen Bethél und A͑j ein Gebet verrichtet, so würde von den Feinden Jisraéls kein Rest und Entronnener geblieben sein. Reš Laqiš sagte: Wer sich hienieden im Gebete anstrengt, hat droben keine Bedränger. R. Joḥanan sagte: Stets flehe man, daß alle seine Kraft beim Gebete unterstützen mögen, und daß er droben keine Bedränger haben möge.

8WOHER, DASS IHM SEIN BEKENNTNIS SÜHNE VERSCHAFFTE &C. Die Rabbanan lehrten: Woher, daß ihm sein Bekenntnis Sühne verschaffte? Es heißt: Da sprach Jehošuâ: Wie hast du uns ins Unglück gestürzt! So stürze dich denn der Herr an diesem Tage ins Unglück! An diesem Tage sollst du im Unglücke sein, nicht aber in der zukünftigen Welt. Es heißt: und die Söhne Zaraḥs:Zimri , Ethan, Heman, Kalkol und Darda͑, zusammen fünf; was heißt: zusammen fünf? Alle fünf waren sie für die zukünftige Welt bestimmt.

9Er heißt Zimri und er heißt A͑khan? – Rabh und Šamuél [streiten hierüber], einer sagt, sein wirklicher Name sei A͑khan, nur werde er deshalb Zimri genannt, weil er die Taten Zimris vollbrachte, und einer sagt, sein Name sei Zimri, nur werde er deshalb A͑khan genannt, weil er Jisraél mit Sünden umschlängelte [ikhen].

10WENN ER ABER REIN BEKENNTNIS ABZULEGEN WEISS &C. R. JEHUDA SAGT &C. SICH ALS UNSCHULDIG ZU ZEIGEN. Mag er sich doch als unschuldig zeigen!? – Damit nicht das Gericht und die Zeugen in Verdacht kommen.

11Die Rabbanan lehrten: Einst sprach jemand, als er zur Hinrichtung hinausgeführt wurde: Wenn ich diese Sünde begangen habe, so möge mein Tod keine Sühne für all meine Sünden sein, und wenn ich diese Sünde nicht begangen habe, so möge mein Tod eine Sühne für all meine Sünden sein; das Gericht und ganz Jisraél sind unschuldig, die Zeugen aber sollen ewig keine Vergebung finden! Als die Weisen davon hörten, sagten sie: Zurückführen kann man ihn nicht mehr, da das Urteil bereits beschlossen ist, mag er nun hingerichtet werden und die Halsfessel mögen am Halse der Zeugen hängen bleiben. –

12Selbstverständlich, sollte er denn deshalb glaubhaft sein!? – In dem Falle, wenn die Zeugen zurückgetreten sind. –

13Was ist denn dabei, daß sie zurückgetreten sind, sobald [ein Zeuge] aussagt, kann er ja nicht mehr zurücktreten und [anders] aussagen!? – Dies ist wegen des Falles nötig, wenn sie einen Grund für ihre erste Aussage angeben, wie bei jenem Ereignisse mit dem Zöllner Ba͑ja.

14SOBALD ER VIER ELLEN VON DER STEINIGUNGSSTEILE ENTFERNT IST, ZIEHT MAN IHM DIE KLEIDER AUS. EINEN MANN BEDECKE MAN VORN, EINE FRAU BEDECKE MAN VORN UND HINTEN – SO R. JEHUDA. DIE WEISEN SAGEN, EIN MANN WERDE NACKT GESTEINIGT, NICHT ABER WERDE EINE FRAU NACKT GESTEINIGT.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.