Sanhedrin — Blatt 4a
1Und die Rabbanan!? – Die Schreibweise ist jaršie͑n .
2R. Jiçḥaq b. Jose sagte im Namen R. Joḥanans: Rabbi, R. Jehuda b. Roe͑ç, die Schule Šammajs, R. Šimo͑n und R. A͑qiba sind alle der Ansicht, die Lesart sei maßgebend.
3Rabbi, wie wir bereits gesagt haben.
4R. Jehuda b. Roe͑ç, denn es wird gelehrt: Die Schüler fragten R. Jehuda b. Roe͑ç, ob man šibi͑m lesen könne, wonach eine von einem Mädchen entbundene Wöchnerin siebzig Tage unrein wäre.
5Er erwiderte ihnen: Bei einem Knaben wird eine Dauer der Unreinheit und eine der Reinheit festgesetzt, und ebenso wird bei einem Mädchen eine Dauer der Unreinheit und eine der Reinheit festgesetzt, wie nun die Dauer der Reinheit bei einem. Mädchen doppelt so lange ist wie bei einem Knaben, ebenso ist die Dauer der Unreinheit bei einem Mädchen doppelt so lange wie bei einem Knaben.
6Als sie fort waren, ging er ihnen nach und sprach zu ihnen: Ihr habt dies nicht nötig, wir lesen šebua͑jim und die Lesart ist maßgebend.
7Die Schule Šammajs, denn wir haben gelernt: Die Schule Šammajs sagt, bei allen Sprengungen des äußeren Altars habe man Sühne erlangt, auch wenn man nur eine Sprengung aufgetragen hat, (denn es heißt: das Blut deiner Opfer soll fortgegossen werden,) beim Sündopfer aber sind zwei Sprengungen erforderlich; die Schule Hillels sagt, auch beim Sündopfer habe man mit einer Sprengung Sühne erlangt.
8Hierzu sagte R. Hona: Folgendes ist der Grund der Schule Šammajs: es heißt: Hörner, Hörner, Hörner, das sind also sechsmal, viermal als Gebot und zweimal, daß es davon abhänge.
9Die Schule Hillels erklärt: Hörner, Hörner, Hörner, das sind also viermal, dreimal als Gebot und einmal, daß es von diesem abhänge. –
10Vielleicht alle als Gebot!? – Wir finden keine Sühne ganz ohne [Sprengung],
11R. Šimo͑n, denn es wird gelehrt: Zwei vorschriftsmäßig und für die dritte reicht eine Handbreite; R. Šimo͑n sagt, drei müssen vorschriftsmäßig sein und für die vierte reiche eine Handbreite. Worin besteht nun ihr Streit? Die Rabbanan sind der Ansicht, die überlieferte [Schreibart] sei maßgebend, und R. Šimo͑n ist der Ansicht, die Lesart sei maßgebend.
12Die Rabbanan sind der Ansicht, die überlieferte [Schreibart] sei maßgebend: in einer Hütte, in einer Hütte, in Hütten, das sind also vier; eines ist an sich nötig, sodaß drei zurückbleiben, die dritte [Wand] aber hat die überlieferte Lehre auf eine Handbreite reduziert.
13R. Šimo͑n ist der Ansicht: in Hütten, in Hütten , in Hütten, das sind sechs; eines ist an sich nötig, sodaß vier zurückbleiben, die vierte [Wand] aber hat die überlieferte Lehre auf eine Handbreite reduziert.
14R. A͑qiba, denn es wird gelehrt: R. A͑qiba sagte: Woher, daß ein Viertellog Blut von zwei Toten durch Bezeltung verunreinigend ist? Es heißt: zu den Seelen von Toten soll er nicht eintreten, zwei Seelen und ein Quantum. – Und die Rabbanan!? – Die Schreibweise ist Seele .
15R. Aḥa b. Ja͑qob wandte ein: Gibt es denn jemand, der nicht der Ansicht wäre, die [überlieferte] Lesart sei maßgebend, es wird ja gelehrt: In der Milch seiner Mutter; man könnte glauben, im Fette,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.