Sanhedrin — Blatt 51b

1tatsächlich nach R. Jišma͑él, nur meint er es wie folgt: ihrem Vater: im Hause ihres Vaters, durch Verbrennung, ihrem Schwiegervater: mit ihrem Schwiegervater, durch Steinigung, und wenn mit einem Fremden, durch Erdrosselung.

2Raba entgegnete: Weshalb die Änderung: entweder das eine und das andere mit ihm, oder das eine und das andere in seinem Hause!?

3Vielmehr, erklärte Raba, tatsächlich nach R. Šimo͑n, nur ist R. Elie͑zer der Ansicht, bei der Verheirateten verhalte es sich ebenso wie bei der Verlobten; wie bei einer verlobten [Priesterstochter die Todesart] um eine Stufe steigt, indem sie durch Verbrennung statt durch Steinigung [hinzurichten ist], ebenso steigt sie auch bei einer verheirateten um eine Stufe, indem sie durch Steinigung statt durch Erdrosselung [hinzurichten ist].

4R. Ḥanina wandte ein: Nach R. Šimo͑n sind ja beide durch Verbrennung [hinzurichten]!?

5Vielmehr, erklärte Rabina, tatsächlich nach den Rabbanan, und man wende es um: bei ihrem Vater durch Steinigung, bei ihrem Schwiegervater durch Verbrennung, nur ist [der Ausdruck] ‘Vater’ eine Anpassung.

6R. Naḥman sagte im Namen des Rabba b. Abuha im Namen Rabhs: Die Halakha ist, wie Rabin im Namen des R. Jose b. Ḥanina sagen ließ. R. Joseph sprach: Also eine Halakha für die messjanische Zeit!?

7Abajje erwiderte ihm: Demnach sollte auch nichts über das Schlachten der heiligen Opfer gelehrt werden, weil dies eine Halakha für die messianische Zeit ist!? Vielmehr [heißt es:] forsche, um eine Belohnung zu erhalten,

8ebenso auch hierbei: forsche, um eine Belohnung zu erhalten. — Ich meine es wie folgt: Wieso wird hier von einer Halakha gesprochen, ist denn die Auslegung einer Lehre als Halakha anzusehen!?

9Wo lehrt dies R. Jišma͑él? — Es wird gelehrt: Wenn die Tochter eines Priesters sich durch Hurerei entweiht, die Schrift spricht von einer verlobten Jungfrau. Du sagst, von einer verlobten.

10Jungfrau, vielleicht ist dem nicht so, sondern auch von einer verheirateten? Es heißt: wenn jemand Ehebruch treibt mit dem Weibe seines Nächsten, so soll sowohl der Ehebrecher als auch die Ehebrecherin getötet werden. Alle waren unter Ehebrecher und Ehebrecherin einbegriffen, die Schrift aber hat die Jisraélitentochter ausgeschieden, daß sie durch Steinigung, und die Priesterstochter, daß sie durch Verbrennung [hingerichtet werde]; wie nun die Ausscheidung der Jisraélitentochter zur Steinigung sich nur auf die Verlobte und nicht auf die Verheiratete bezieht, ebenso bezieht sich die Ausscheidung der Priesterstochter zur Verbrennung nur auf die Verlobte und nicht auf die Verheiratete.

11Die Falschzeugen und der Buhle derselben sind einbegriffen in [den Worten]: ihr sollt über ihn das verhängen, was er gedachte &c. —

12Wieso ist der Buhle in [den Worten] was er gedachte einbegriffen? — Vielmehr, die Falschzeugen sind einbegriffen im [Gesetze von der] Hinrichtung des Buhlen,

13denn es heißt: ihr sollt über ihn das verhängen, was er über seinen Bruder zu bringen gedachte, seinen Bruder, nicht aber seine Schwester — so R. Jišma͑él.

14R. A͑qiba sagte: Sowohl die Verlobte als auch die Verheiratete wird durch Verbrennung hingerichtet; man könnte glauben auch die Ledige, so [folgere man:] hierbei heißt es Vater und dort heißt es ebenfalls Vater, wie nun dort von Hurerei bei einer Gebundenheit an einen Mann gesprochen wird, ebenso wird auch hier von Hurerei bei einer Gebundenheit an einen Mann gesprochen.

15R. Jišma͑él entgegnete ihm: Demnach wird, wie dort von einer verlobten Jungfrau gesprochen wird, auch hier von einer verlobten Jungfrau gesprochen!?

16R. A͑qiba erwiderte ihm: Mein Bruder Jišma͑él, ich eruiere es aus: und (eine Tochter).

17Jener entgegnete ihm: Sollten wir denn, weil du das und zur Forschung verwendest, diese zur Verbrennung hinausführen!? Deutet dies auf die Einschließung der Verheirateten, so schließe auch die Ledige ein, und deutet dies auf die Ausschließung der Ledigen, so schließe auch die Verheiratete aus. —

18Und R. A͑qiba!? — Die Wortanalogie deutet darauf, daß die Ledige einzuschließen sei, und das und (eine Tochter) deutet darauf, daß die Verheiratete einzuschließen sei.

19R. Jišma͑él aber glaubte, daß er, da er aus dem und (eine Tochter) folgerte, von der [Folgerung durch] Wortanalogie zurückgetreten sei. —

20Wofür verwendet R. Jišma͑él das und (eine Tochter)? — Er verwendet es für folgende Lehre des Vaters des Šemuél b. Abin: Da wir finden, daß die Schrift bei männlichen [Priestern] zwischen fehlerfreien und fehlerbehafteten unterschieden hat, so könnte man glauben, daß auch bei ihren Töchtern zu unterscheiden sei, daher heißt es: und eine Tochter.

21Und R. A͑qiba!? — Er folgert dies aus [den Worten:] denn sie bringen [die Opfer] dar, sie sollen heilig sein. —

22Und R. Jišma͑él!? — Wenn hieraus, so könnte man glauben, nur sie selbst, nicht aber ihre Töchter, so lehrt er uns. —

23Wofür verwendet R. Jišma͑él [die Worte]

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.