Sanhedrin — Blatt 52a

1sie entweiht ihren Vater? —

2Diese verwendet er für folgende Lehre: R. Meír sagte: Was besagt der Schriftvers: sie entweiht ihren Vater? Behandelte man ihn als heiligen, so profaniere man ihn, erwies man ihm Ehre, so erweise man ihm Schande. Man spreche: Verflucht sei er, daß er diese gezeugt hat; verflucht sei er, daß er diese großgezogen hat; verflucht sei er, daß diese aus seinen Hüften hervorkam.

3R. Aši sprach: Nach wessen Ansicht nennt man einen Frevler ‘Frevler, Sohn eines Frevlers’, selbst wenn er der Sohn eines Frommen ist? Nach der Ansicht dieses Autors.

4JENES IST DAS VERFAHREN BEI DER STEINIGUNG. Worauf bezieht sich [der Satz:] jenes ist das Verfahren bei der Steinigung? —

5Er lehrte: Ist die Verhandlung beendet, so führt man ihn zur Steinigung; [ferner:] die Steinigungssteile war zwei Menschenhöhen hoch, und da er weiter lehren will: folgendes ist das Verfahren bei der Verbrennung, so lehrt er auch: jenes ist das Verfahren bei der Steinigung.

6FOLGENDES IST DAS VERFAHREN BEI DER VERBRENNUNG: MAN VERSENKT [DEN VERURTEILTEN] BIS AN DIE KNIEIN MIST, WICKELT EIN HARTES SUDARIUM IN EIN WEICHESUND DREHT ES IHM UM DEN HALS, UND EINER ZIEHT [DAS EINE ENDE] AN SICH UND EIN ANDERER [DAS ANDERE ENDE] AN SICH, BIS ER DEN MUND ÖFFNET; SODANN SCHMILZT MAN DIE METALLSTANGE UND GIESST IHM IN DEN MUND, SODASS ES IN SEIN EINGEWEIDE DRINGT UND SEINE GEDÄRME VERBRENNT.

7R. JEHUDA SPRACH: WENN ER DADURCHUNTER IHREN HÄNDEN STÜRBE, SO WÜRDE MAN JA AN IHM DAS GEBOT DER VERBRENNUNG NICHT VOLLZIEHEN; VIELMEHR ÖFFNE MAN IHM DEN MUND GEWALTSAM MIT EINER ZANGE, SODANN SCHMILZT MAN DIE METALLSTANGE UND GIESST IHM IN DEN MUND, SODASS ES IN SEIN EINGEWEIDE DRINGT UND IHM DIE GEDÄRME VERBRENNT.

8R. ELIE͑ZER B. ÇADOQ ERZÄHLTE: EINST TRIEB EINE PRIESTERSTOCHTER HUREREI, DA UMGAB MAN SIE MIT REISIGBÜNDELN UND VERBBANNTE SIE. MAN ENTGEGNETE IHM: WEIL DAS DAMALIGE GERICHT [IM GESETZE] UNKUNDIG WAR.

9GEMARA. Was für eine Metallstange? R. Mathna erwiderte: Eine Bleistange. —

10Woher dies? — Es ist durch [den Ausdruck] Verbrennen zu folgern, der auch bei der Gemeinde Qoraḥs gebraucht wird; wie dort eine Verbrennung der Seele bei Erhaltung des Körpers, ebenso auch hierbei eine Verbrennung der Seele bei Erhaltung des Körpers.

11R. Elea͑zar erklärte: Dies ist durch [den Ausdruck] Verbrennen zu folgern, der bei den Söhnen Ahrons gebraucht wird; wie da eine Verbrennung der Seele bei Erhaltung des Körpers, ebenso auch hierbei eine Verbrennung der Seele bei Erhaltung des Körpers. —

12Woher weiß dies derjenige, der dies [von der Verbrennung] bei der Gemeinde Qoraḥs folgert? — Es heißt: die Räucherpfannen dieser Sünder an ihrer Seele, nur ihre Seele verbrannte, ihr Körper aber blieb erhalten. —

13Und jener!? — Da war es eine vollständige Verbrennung, nur heißt es: an ihren Seelen, weil sie sich die Verbrennung wegen der Angelegenheit ihrer Seelen zuschulden kommen ließen.

14Dies nach einer Lehre des Reš Laqiš, denn Reš Laqiš sagte: Es heißt: mit denen, die heucheln und spotten um einen Kuchen, sie knirschen mit den Zähnen gegen mich; wegen der Heuchelei, die sie dem Qoraḥ entgegenbrachten, des Genusses wegen, knirschte der Höllenfürst seine Zähne gegen sie. —

15Woher entnimmt dies derjenige, der dies [von der Verbrennung] der Söhne Ahrons folgert? — Es heißt: sie starben vor dem Herrn, wie beim Sterben. —

16Und jener!? — Diese wurden vollständig verbrannt, nur heißt es deshalb sie starben, weil bei ihnen [die Verbrennung] von innen begonnen hatte, wie beim gewöhnlichen Tode. Es wird nämlich gelehrt: Abba Jose b. Dostaj sagte: Zwei Feuerstrahlen kamen aus dem Allerheiligsten hervor, teilten sich in vier und drangen ihnen [in die Nasenlöcher], zwei in die Nase des einen und zwei in die Nase des anderen, und verbrannten sie. —

17Es heißt ja aber: und verzehrte sie!? — Sie, und nicht ihre Kleider. —

18Sollte man doch von der [Verbrennung der] zu verbrennenden Farren folgern: wie bei diesen eine vollständige Verbrennung [zu verstehen ist], ebenso auch, hierbei eine vollständige Verbrennung!? —

19Es ist einleuchtend, daß von der [Verbrennung eines] Menschen zu folgern ist, denn bei beiden ist es der Mensch, ist es eine Sünde, geht das Leben [verloren], und ist die Verwerflichkeit [ausgeschlossen]. —

20Im Gegenteil, man sollte es ja von den zu verbrennenden Farren folgern, denn [bei beiden] ist ja die Vorschrift für alle Zukunft bestimmt!? —

21Jener [Übereinstimmungen] sind mehr. —

22Weshalb folgert derjenige, der dies von der Verbrennung bei der Gemeinde Qoraḥs folgert, es nicht von der Verbrennung der Söhne Ahrons!? — Bei diesen war es eine vollständige Verbrennung. — Sollte man dies eben davon folgern!?

23R. Naḥman erwiderte im Namen des Rabba b. Abuha: Die Schrift sagt: du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, wähle für ihn einen leichten Tod. —

24Wozu ist nun, wo wir die Lehre R. Naḥmans haben, die Wortanalogie nötig!? —

25Wenn nicht die Wortanalogie, könnte man glauben, die Verbrennung der Seele bei Erhaltung des Körpers gelte nicht als Verbrennung, wegen der Nächstenliebe aber, damit die Verbrennung schnell erfolge, hole man viele Reisigbündel, so lehrt er uns.

26Einst gingen Moše und Ahron auf dem Wege, Nadabh und Abihu hinter ihnen, und ganz Jisraél hinter diesen. Da sprach Nadabh zu Abihu: Daß doch schon diese zwei Greise sterben möchten, und ich und du das Zeitalter anführen! Darauf sprach der Heilige, gepriesen sei er, zu ihnen: Wir wollen sehen, wer wen begraben wird. R. Papa sagte: Das ist es, was die Leute sagen: Viel der alten Kamele, die mit Häuten junger Kamele beladen sind.

27R. Elie͑zer sagte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.