Sanhedrin — Blatt 59b
1Aber die Beschneidung wurde ja den Noaḥiden anbefohlen, wie es heißt: du aber sollst mein Bündnis halten, und wurde am Sinaj wiederholt, wie es heißt: und am achten Tage ist zu beschneiden, dennoch ist sie nur den Jisraéliten und nicht den Noaḥiden auferlegt worden!? —
2Die [Wiederholung] besagt nur, daß sie auch am Šabbath erlaubt sei: am Tage, selbst am Šabbath. —
3Aber die Fortpflanzung wurde ja den Noaḥiden anbefohlen, wie es heißt: ihr aber seid fruchtbar und mehret euch, und wurde auch am Sinaj wiederholt, wie es heißt: geh sage ihnen: Kehret in eure Zelte zurück, dennoch ist sie nur den Jisraéliten und nicht den Noaḥiden auferlegt worden!? —
4Hierbei [war die Wiederholung deshalb nötig], weil alles, was durch einen Beschluß verboten wird, nur durch einen anderen Beschluß erlaubt werden kann. —
5Demnach könnte man ja auch von jenen sagen, sie seien aus irgend einem Grunde wiederholt worden!? —
6Er meint es wie folgt: die Wiederholung des Verbotes wäre nicht nötig. —
7«Wir kennen jedoch nur [das Verbot der] Spannader, nach R. Jehuda.» Auch jene sind ja nicht wiederholt worden!? —
8Jene sind aus irgend einem Grunde wiederholt worden, dieses ist aber überhaupt nicht wiederholt worden.
9Wenn du willst, sage ich: die Beschneidung wurde auch von vornherein nur Abraham anbefohlen: du aber sollst mein Bündnis halten, du und deine Nachkommen nach dir, nach ihren Geschlechtern; nur du und deine Nachkommen, andere aber nicht. —
10Demnach sollten die Söhne Jišma͑éls dazu verpflichtet sein!? — Denn nur die, die von Jiçḥaq stammen, werden als deine Nachkommen gelten. —
11Sollten die Nachkommen E͑savs dazu verpflichtet sein!? — Von Jiçḥaq, nicht aber alle Nachkommen Jiçḥaqs.
12R. Osa͑ja wandte ein: Demnach sollten die Söhne der Qeṭura von dieser Pflicht ausgeschlossen gewesen sein!? — R. Jose b. Abin, nach anderen R. Jose b. Ḥanina, erklärte ja: Mein Bündnis hat er gebrochen, dies schließt die Söhne der Qeṭura ein.
13R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Adam dem Urmenschen war der Genuß des Fleisches nicht erlaubt worden, denn es heißt: es diene für euch als Nahrung und für alle Tiere der Erde, nicht aber die Tiere der Erde für euch;
14als aber die Noaḥiden kamen, erlaubte er es ihnen, denn es heißt: wie das grüne Kraut gebe ich euch alles. Man könnte glauben, auch ein Glied von einem lebenden Tiere sei nicht verboten, so heißt es: nur das Fleisch, das noch sein heben, sein Blut, in sich hat, dürft ihr nicht essen. Man könnte glauben, dies gelte auch von den Kriechtieren, so heißt es: nur . —
15Wieso ist dies erwiesen? R. Hona erwiderte: Sein Blut, nur Tiere, bei denen das Blut vom Fleische getrennt ist, ausgenommen sind Kriechtiere, bei denen das Blut nicht vom Fleische getrennt ist.
16Man wandte ein: Herrscht über die Fische im Meere; doch wohl hinsichtlich des Essens!? — Nein, hinsichtlich der Arbeit. —
17Sind denn Fische zur Arbeit verwendbar? — Freilich, so fragte auch Reḥaba, wie es denn sei, wenn man eine Ziege und eine Meerbutte zusammen [einen Wagen] ziehen läßt. —
18Komm und höre: Und über die Vögel am Himmel; doch wohl hinsichtlich des Essens!? — Nein, hinsichtlich der Arbeit. —
19Sind denn Vögel zur Arbeit verwendbar!? — Freilich, so fragte auch Rabba b. R. Hona, wie es denn nach R. Jose b. Jehuda sei, wenn man mit Gänsen und Hühnern zusammen drischt. —
20Komm und höre: Und über alles Getier, das sich auf der Erde tummelt !? — Dies bezieht sich auf die Schlange,
21denn es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Menasja sagte: Schade, daß ein so guter Diener der Welt verloren gegangen ist; wäre nämlich die Schlange nicht verflucht worden, so würden jedem Jisraéliten zwei gute Schlangen zur Verfügung gestanden haben; er würde eine nach Norden geschickt haben und eine nach Süden geschickt haben, um für ihn Sandarensen, Edelsteine und Perlen zu holen. Noch mehr, er würde ihr einen Gurt unter den Schwanz gebunden haben, und sie würde ihm Erde nach seinem Garten oder nach seiner Ruine getragen haben.
22Man wandte ein: R. Jehuda b. Tema sagte: Adam der Urmensch saß im Edengarten, und die Dienstengel brieten für ihn Fleisch und kühlten für ihn Wein, und als die Schlange dies beobachtete und seine Herrlichkeit sah, beneidete sie ihn!? — Es war Fleisch, das ihm vom Himmel kam. —
23Gibt es denn Fleisch, das vom Himmel kommt? — Freilich, so befand sich einst R. Šimo͑n b. Ḥalaphta auf dem Wege, und zwei Löwen kamen brüllend auf ihn zu. Da sprach er: Die jungen Löwen brüllen nach Fraß. Hierauf fielen zwei Fleischstücke herab, das eine fraßen sie auf und das andere ließen sie zurück. Da nahm er es mit ins Lehrhaus und fragte, ob dies Unreines oder Reines sei. Man erwiderte ihm: Vom Himmel fällt nichts Unreines herab.
24R. Zera fragte R. Abahu: Wie ist es, wenn einem etwas in der Gestalt eines Esels herabfällt? Dieser erwiderte: Unkender Drache, man erwiderte ihm ja, daß nichts Unreines vom Himmel herabfalle.
25«R. Šimo͑n sagt, auch die Zauberei.» Was ist der Grund R. Šimo͑ns? — Es heißt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.