Sanhedrin — Blatt 60a
1eine Zauberin sollst du nicht leben lassen, und darauf folgt: jeder, der ein Tier beschläft, soll getötet werden, die dem Verbote, ein Tier zu beschlafen, unterworfen sind, sind auch dem Verbote, eine Zauberin leben zu lassen, unterworfen.
2«R. Elea͑zar sagt, auch die Mischung.» Woher dies? Šemuél erwiderte: Die Schrift sagt: meine Satzungen sollt ihr beobachten, die Satzungen, die ich dir bereits früher auferlegt habe. Du darfst nicht zweierlei Arten deines Viehes sich begatten lassen noch dein Feld mit zweierlei Arten [von Samen] besäen.
3Wie nun beim Vieh nur die Begattung verboten ist, ebenso ist auch beim Felde nur das Pfropfen verboten, und wie [das Gesetz hinsichtlich des] Viehs sowohl im Lande als auch außerhalb des Landes gilt, ebenso gilt auch [das Gesetz hinsichtlich des] Feldes sowohl im Lande als auch außerhalb des Landes. —
4Es heißt ja aber auch: ihr sollt beobachten meine Satzungen und meine Rechte, demnach [wäre zu erklären:] meine Satzungen, die ich dir bereits früher auferlegt habe!? —
5Hier heißt es: ihr sollt beobachten meine Satzungen, also die jetzigen, dort aber heißt es: meine Satzungen sollt ihr beobachten, also die Satzungen von früher sollt ihr beobachten.
6R. JEHOŠUA͑ B. QORḤA SAGTE &C.
7Aḥa b. Jáqob sagte: Er ist nur dann strafbar, wenn er den vierbuchstabigen Gottesnamen gelästert hat, nicht aber wegen des zweibuchstabigen Gottesnamens. —
8Selbstverständlich, wir haben ja gelernt: ‘Jose schlage den Jose’!? — Man könnte glauben, dies sei nur als Beispiel angeführt, so lehrt er uns.
9Manche lesen: R. Aḥa b. Ja͑qob sagte. Hieraus zu entnehmen, daß auch der vierbuchstabige Gottesname als Gottesname gilt. —
10Selbstverständlich, wir haben ja gelernt: ‘Jose schlage den Jose’!? — Man könnte glauben, nur wegen des großen Gottesnamens, und dies sei nur als Beispiel angeführt, so lehrt er uns.
11NACH SCHLUSS DER VERHANDLUNG ABER &C.
12Woher, daß sie aufstehen müssen? R. Jiçḥaq b. Ami erwiderte: Die Schrift sagt: als nun Ehud zu ihm eingetreten war, während er allein in seinem kühlen Obergemache saß, sprach Ehud: Ich habe einen Gottesspruch an dich. Da erhob er sich von seinem Sitze. Nun ist ja [ein Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn E͑glon, König von Moab, der ein Nichtjude war und nur eine Umschreibung [des Gottesnamens] gekannt hatte, aufgestanden war, um wieviel mehr muß dies ein Jisraélit, wenn er den wirklichen Gottesnamen hört. —
13Woher, daß man dieserhalb das Gewand einreißen muß? — Es heißt: darauf kamen Eljaqim, der Sohn Ḥilqijas &c., und Šebhna, der Schreiber, und Joaḥ, der Sohn Asaphs, der Kanzler, mit zerrissenen Kleidern zu Ḥizqijahu und berichteten ihm, was Rabšaqe gesagt hatte .
14OHNE SIE JE ZUSAMMENZUNÄHEN.
15Woher dies? R. Abahu erwiderte: Es ist aus [dem Ausdrucke] ‘reißen’ zu entnehmen: hierbei heißt es: mit zerrissenen Kleidern, und dort heißt es: als Eliša es sah, schrie er: Mein Vater, mein Vater, Jisraéls Wagen und Reiter, dann aber sah er ihn nicht mehr. Da erfaßte er sein Gewand und zerriß es in zwei Stücke; schon die Worte ‘zerriß es’ besagen ja, daß er es in Stücke zerriß, wozu heißt es ‘Stücke’? Dies lehrt, daß es für immer zerrissen geblieben war.
16Die Rabbanan lehrten: Sowohl der Hörende als auch der von diesem Hörende muß das Gewand einreißen, die Zeugen aber nicht, da sie dies bereits beim Hören getan haben. —
17Wieso genügt das Einreißen beim Hören, sie hören es ja jetzt wiederum!? — Es leuchtet nicht ein, denn es heißt: und als der König Ḥizqijahu die Worte des Rabšaqe hörte, da zerriß er seine Kleider; nur der König zerriß sie, jene aber nicht.
18R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Wenn jemand einen Nichtjuden den Gottesnamen [lästern] hört, so braucht er nicht das Gewand einzureißen; wollte man aber von Rabšaqe entgegnen, [so geschah es nur deshalb,] weil er ein abtrünniger Jisraélit war.
19Ferner sagte R. Jehuda im Namen Šemuéls: Man reiße das Gewand ein nur wegen des wirklichen Gottesnamens, nicht aber wegen einer Umschreibung.
20Er streitet also in beiden Lehren gegen R. Ḥija, denn R. Ḥija sagte: Wer in der Jetztzeit den Gottesnamen lästern hört, braucht das Gewand nicht einzureißen, denn wäre dies der Fall, so würde die ganze Kleidung nur aus Rissen bestehen.
21Von wem nun, wollte man sagen, von einem Jisraéliten, so sind sie ja nicht so sehr entartet, selbstverständlich also von einem Nichtjuden. Wenn nun den wirklichen Gottesnamen, so ist ihnen ja dieser nicht so sehr geläufig, doch wohl eine Umschreibung.
22Schließe hieraus, daß man nur in der Jetztzeit dazu nicht verpflichtet sei, wohl aber war man es früher. Schließe hieraus.
23SPRICHT DER ZWEITE: ICH [HÖRE ES] EBENFALLS. Reš Laqiš sagte: Hieraus zu entnehmen, daß [die Bekundung:] ‘ich ebenfalls’ sowohl bei Geldsachen als auch bei Todesstrafsachen ausreichend sei, nur haben die Weisen es verschärft; hierbei aber, wo dies nicht angängig ist, haben die Weisen es bei [der Bestimmung] der Tora belassen.
24Wieso könnte man, wenn man sagen wollte, dies sei nicht genügend, jemand daraufhin hinrichten.
25UND DER DRITTE: ICH EBENFALLS. Eine anonyme Lehre vertritt also die Ansicht R. A͑qibas, daß nämlich drei [Zeugen] zweien gleichen.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.