Sanhedrin — Blatt 60b
1DER GÖTZENDIENER.» EINERLEI OB ER [DEM GÖTZEN] DIENT ODER IHM OPFERT, RÄUCHERT, LIBIERT, SICH VOR IHM NIEDERWIRFT, IHN ALS GOTT ANERKENNTODER VOR IHM SPRICHT: DU BIST MEIN GOTT.
2WER ABER [EINEN GÖTZEN] UMARMT, KÜSST, VOR IHM FEGT, SPRENGT, IHN BADET, PARFÜMIERT, ANKLEIDET ODER BESCHUHT, ÜBERTRITT NUR EIN VERBOT. WER IN SEINEM NAMEN EIN GELÖBNIS ABLEGT ODER ERFÜLLT, ÜBERTRITT EIN VERBOT.
3DIE LEIBESENTLEERUNG VOR DEM BAA͑L PEO͑R IST EINE VEREHRUNG DESSELBEN; DAS WERFEN EINES STEINES VOR DEM MERKURIUS IST EINE VEREHRUNG DESSELBEN.
4GEMARA. Was heißt: einerlei ob er dient?
5R. Jirmeja erwiderte: Er meint es wie folgt: einerlei ob er [dem Götzen] auf gewöhnliche Weise dient, oder er ihm opfert, räuchert, libiert, oder sich vor ihm niederwirft, selbst wenn er nicht auf diese Weise [verehrt wird]. —
6Sollte er auch das [Blut]sprengen mitzählen!? Abajje erwiderte: Das [Blut]sprengen ist in der Libation einbegriffen, denn es heißt: ich mag ihre Blut-Libation nicht spenden. —
7Woher dies? —
8Die Rabbanan lehrten: Würde es geheißen haben: wer opfert, soll dem Banne verfallen, so würde ich gesagt haben, die Schrift spreche von dem Falle, wenn man heilige Opfer außerhalb [des Tempels] schlachtet, es heißt aber: den Göttern; die Schrift spricht also von dem Falle, wenn man den Götzen opfert.
9Ich weiß dies also von der Opferung, woher dies von der Räucherung und der Libation? Es heißt: nur dem Herrn allein; er beschränkt also alle Dienste auf den Namen des Einzigen.
10Da aber die Opferung herausgegriffen wurde, so könnte man folgern, dies habe Bezug nur auf Dienste, die innerhalb [des Tempels] verrichtet werden, woher nun, daß auch die Sichniederwerfung einbegriffen ist?
11Es heißt: Und hingeht, um anderen Göttern zu dienen und sich vor ihnen niederzuwerfen, und darauf folgt: sollst du hinausführen jenen Mann &c. —
12Wir wissen also die Strafe, woher ist das Verbot zu entnehmen? — Es heißt: du sollst dich vor keinem anderen Gott niederwerfen.
13Man könnte glauben, auch das Umarmen, das Küssen und das Beschuhen seien einbegriffen, so heißt es: wer opfert;
14die Opferung war einbegriffen und wurde nur deshalb herausgegriffen, um dir zu sagen, daß man alles andere damit vergleiche: wie die Opferung ein Dienst ist, der innerhalb [des Tempels] verrichtet wird und man deswegen der Todesstrafe verfällt, ebenso verfällt man der Todesstrafe auch wegen jedes anderen Dienstes, der innerhalb [des Tempels] verrichtet wird.
15Die Sichniederwerfung ist also für sich allein und die Opferung wegen der Gesamtheit [der Dienste] herausgegriffen worden.
16Der Meister sagte: Ich würde gesagt haben, die Schrift spreche von dem Falle, wenn man heilige Opfer außerhalb [des Tempels] schlachtet. Auf das Schlachten heiliger Opfer außerhalb [des Tempels] ist ja die Ausrottung gesetzt!? —
17Man könnte glauben, die Todesstrafe sei auf den Fall gesetzt, wenn er gewarnt wurde, und die Ausrottung auf den Fall, wenn er nicht gewarnt wurde, so lehrt er uns.
18Raba b. R. Ḥanan sprach zu Abajje: Vielleicht wurde die Sichniederwerfung deshalb herausgegriffen, um von dieser auf die Gesamtheit [der Dienste] zu schließen;
19wenn du aber einwendest, wozu demnach die Opferung herausgegriffen worden sei, [so ist zu erwidern:] an und für sich, daß man nämlich bei einem Dienste einen anderen im Sinne haben könne!?
20Es wurde nämlich gelehrt: Wenn jemand ein Vieh schlachtet in der Absicht, das Blut für einen Götzen zu sprengen, oder das Fett für einen Götzen aufzuräuchern, so ist [dessen Nutznießung,] wie R. Joḥanan sagt,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.