Sanhedrin — Blatt 63b
1um zu sagen, daß dieserhalb nicht zu geißeln ist — so R. Jehuda.
2R. Ja͑qob sagte: Nicht dies ist der Grund, sondern weil dies ein Verbot ist, wobei keine Tätigkeit ausgeübt wird, und wegen eines Verbotes, wobei keine Tätigkeit ausgeübt wird, ist nicht zu geißeln.
3Demnach ist R. Jehuda der Ansicht, daß wegen eines solchen wohl zu geißeln ist.
4WER IN SEINEM NAMEN EIN GELÖBNIS ABLEGT ODER ES ERFÜLLT, ÜBERTRITT EIN VERBOT. Woher dies vom Geloben und vom Erfüllen? —
5Es wird gelehrt: Und den Namen anderer Götter sollt ihr nicht erwähnen, man darf zu seinem Genossen nicht sagen: erwarte mich an jenem Götzen; er soll nicht aus deinem Munde gehört werden, man darf in seinem Namen kein Gelöbnis ablegen noch erfüllen; ferner darf man nicht veranlassen, daß andere in seinem Namen ein Gelöbnis ablegen oder erfüllen.
6Eine andere Auslegung: Er soll nicht aus deinem Munde gehört werden, dies ist das Verbot für den Verführer und den Verleiter. —
7Vom Verführer heißt es ja ausdrücklich: und ganz Jisraél soll hören und fürchten &c.!? — Vielmehr, dies ist das Verbot für den Verleiter.
8«Ferner darf man nicht veranlassen, daß andere in seinem Namen ein Gelöbnis ablegen oder erfüllen.» Dies ist eine Stütze für den Vater Šemuéls, denn der Vater Šemuéls sagte, es sei verboten, mit einem Nichtjuden eine Geschäftsverbindung einzugehen, denn er könnte ihm einen Eid leisten müssen und im Namen seines Götzen schwören, und die Tora sagt: er soll nicht aus deinem Munde gehört werden.
9Als U͑la kam, hatte er in Qalnebo übernachtet. Hierauf fragte ibn Raba: Wo übernachtete der Meister? Jener erwiderte: In Qalnebo. Dieser entgegnete: Es heißt ja: den Namen fremder Götter sollt ihr nicht erwähnen!? Jener erwiderte: Folgendes sagte R. Joḥanan: einen Götzennamen, der in der Schrift vorkommt, darf man erwähnen. — Wo kommt dieser vor? — Es heißt: gestürzt ist Bel, es krümmt sich Nebo. —
10Nicht aber, wenn er in der Schrift nicht vorkommt, dagegen wandte R. Mešaršeja ein: Hat jemand einmal [Fluß] beobachtet, der so lange wie drei anhielt, so lange wie man von Gad Javan zum Šiloaḥ gehen kann, [eine Zeit,] während welcher man zweimal untertauchen und zweimal sich abtrocknen kann, so gilt er als völliger Flußbehafteter!? Rabina erwiderte: Auch Gad kommt in der Schrift vor, denn es heißt: die dem Gad einen Tisch bereiten.
11R. Naḥman sagte: Jede Spötterei ist verboten, ausgenommen die Spötterei über die Götzen, die erlaubt ist, denn es heißt: gestürzt ist Bel, es krümmt sich Nebo &c. Sie krümmen sich, stürzen insgesamt, sie vermochten nicht die Last zu retten.
12Ferner heißt es: um das Kalb von Beth Aven werden die Bewohner von Šomron sorgen; sein Volk wird um ihn trauern und seine Pfaffen für ihn zittern, daß seine Herrlichkeit von ihm fortgewandert ist; man lese nicht kebodo [Herrlichkeit] sondern kebedo [Last] .
13R. Jiçḥaq sagte: Es heißt: und nun sündigen sie immer von neuem; sie haben sich aus ihrem Silber Gußbilder gemacht nach dem Muster von Götzen &c. Was heißt: nach dem Muster von Götzen? Dies lehrt, daß jeder sich die Figur seiner Gottheit angefertigt und in seinen Busen getan hatte, und so oft er sie nannte, nahm er sie aus dem Busen und liebkoste und küßte sie. —
14Was heißt: Menschen schlachten sie und Kälber küssen sie? R. Jiçḥaq aus der Schule R. Amis erklärte: Wenn die Pfaffen ihre Augen auf die Besitzenden richteten, ließen sie die Kälber aushungern und stellten das Bild jener neben ihre Krippe; sodann führten sie sie hinaus, und sobald sie jene bemerkten, liefen sie ihnen nach und beschnupperten sie. Darauf sprachen sie zu ihnen: Der Götze hat Wohlgefallen an dir gefunden, komm und laß dich ihm schlachten.
15Raba entgegnete: Wieso heißt es demnach: Menschen schlachten sie und Kälber küssen sie, es sollte ja heißen: Kälber lassen sie küssen, um Menschen zu schlachten!? Vielmehr, erklärte Raba, wenn einer dem Götzen seinen Sohn geopfert hatte, sprachen sie zu ihm: Du hast ihm ein großes Geschenk dargebracht, geh und küsse ihn.
16R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Die Leute von Babel fertigten sich ein Sukkoth Benoth an, das ist eine Henne; und die von Kuth fertigten einen Nergal an, das ist ein Hahn; die von Ḥamath fertigten einen Ašima an, das ist eine kahle Ziege; die A͑vviter fertigten einen Nibḥan und einen Tartaq an, das sind ein Hund und ein Esel;
17die Sepharviter aber verbrannten dem Adrammelekh und dem A͑nammelekh, den Göttern von Sepharvajim, ihre Söhne und ihre Töchter im Feuer, das sind ein Maultier und ein Pferd. Adrammelekh [hieß es], weil es für seinen Herrn die Last trägt, A͑nammelekh, weil es seinem Herrn im Kriege hilft.
18Auch mit Ḥizqija, dem [nachmaligem] Könige von Jehuda, wollte sein Vater dies tun, nur hatte ihn seine Mutter mit [dem Blute des] Salamanders eingeschmiert.
19R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Die Jisraéliten wußten sehr wohl, daß die Götzen nichts seien, nur dienten sie ihnen deshalb, um öffentlich der Unzucht frönen zu können.
20R. Mešaršeja wandte ein: Wie sich ihre Söhne ihrer Altäre erinnern &c., und R. Elea͑zar erklärte: wie einer, der Sehnsucht nach seinem Sohne hat!? —
21Nachdem sie sich an sie geklammert hatten. —
22Komm und höre: Ich werde eure Leichen auf die Leichen eurer Götzen werfen. Man erzählt von dem frommen Elijahu, daß er umherging, die vor Hunger Geschwollenen in Jerušalem zu suchen. Einst fand er ein vor Hunger geschwollenes Kind auf dem Misthaufen liegen.
23Da fragte er es: Aus welcher Familie bist du? Dieses erwiderte: Aus jener Familie. Jener fragte es weiter: Existieren noch welche aus jener Familie? Dieses erwiderte: Außer mir niemand. Jener fragte: Würdest du, wenn ich dich etwas lehren würde, wodurch du leben könntest, es lernen? Dieses erwiderte: Jawohl. Da sprach er zu ihm: Sprich jeden Tag: Höre Jisraél, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einzig. Dieses aber erwiderte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.