Sanhedrin — Blatt 64a
1Schweige, erwähne den Namen des Herrn nicht. Dies hatten ihn nämlich sein Vater und seine Mutter nicht gelehrt.
2Hierauf holte es seine Gottheit aus dem Busen hervor und liebkoste und küßte sie, bis sein Bauch platzte und seine Gottheit auf die Erde fiel und [das Kind] selbst auf sie. So ging in Erfüllung der Schriftvers: Ich werde eure Leichen auf die Leichen eurer Götzen werfen!? — Nachdem sie sich an sie geklammert hatten. —
3Komm und höre: Und sie schrieen zum Herrn, ihrem Gott, mit lauter Stimme. Was sprachen sie? R. Jehuda, nach anderen R. Jonathan, sagte: Wehe, wehe, er ist es, der das Heiligtum zerstört, den Tempel verbrannt, die Frommen getötet und Jisraél aus seinem Lande vertrieben hat, und noch immer springt er unter uns umher; du hast ihn uns nur deshalb gegeben, damit wir durch ihn eine Belohnung erhalten, aber wir wollen weder ihn noch die Belohnung!? — Nachdem sie sich an ihn geklammert hatten.
4Alsdann verweilten sie drei Tage im Fasten und flehten um Erbarmen; da fiel ihnen ein Zettel vom Himmel herunter, auf dem geschrieben stand: Wahrheit.
5R. Ḥanina sagte: Hieraus ist zu schließen, daß ‘Wahrheit’ das Siegel des Heiligen, gepriesen sei er, ist.
6Hierauf kam er aus dem Allerheiligsten wie ein junger Löwe aus dem Feuer heraus. Da sprach der Prophet zu den Jisraéliten: Das ist der Genius des Götzendienstes. Als sie ihn ergriffen, löste sich ihm ein Haar, und er stieß einen Schrei aus, den man vierhundert Parasangen weit hörte. Hierauf sprachen sie: Was machen wir nun; vielleicht erbarmt man sich seiner im Himmel!?
7Da sprach der Prophet zu ihnen: Sperrt ihn in einen Kessel und verschließt die Öffnung mit Blei, denn das Blei saugt die Stimme auf. Darum heißt es: Und er sprach: Das ist die Bosheit. Und er warf sie in das Epha hinein und legte die Bleiplatte auf seine Öffnung.
8Alsdann sprachen sie: Da es eine Stunde der Willfährigkeit ist, so wollen wir auch um [Auslieferung] des Genius der Sünde bitten. Da flehten sie um Erbarmen, und er wurde ihnen ausgeliefert.
9Nachdem er drei Tage eingesperrt war, suchte man ein am selben Tage gelegtes Ei für einen Kranken, aber man fand keines. Da sprachen sie: Was machen wir nun: bitten wir um die Hälfte, so wird ja im Himmel nichts halbes gewährt. Hierauf blendeten sie ihm die Augen. Dies hatte den Erfolg, daß er den Menschen nicht mehr zur Blutschande reizt.
10R. Jehuda erzählte im Namen Rabhs: Einst erkrankte eine Nichtjüdin sehr schwer; da gelobte sie, daß sie, wenn sie von ihrer Krankheit genesen sollte, gehen und sämtlichen Götzen der Welt dienen werde. Als sie an den Peo͑r herankam, fragte sie die Pfaffen, wodurch dieser verehrt werde. Diese erwiderten ihr: Man esse Mangold und trinke Met und entleere sich vor ihm. Da sprach sie: Lieber werde ich wieder krank, als einen Götzen auf diese Weise zu verehren.
11Ihr vom Hause Jisraél seid aber nicht so. Die sich dem Baa͑l Peo͑r angeschlossen haben, wie ein Deckel mit einem Gefäße; ihr, die ihr euch an dem Herrn, eurem Gott, festhieltet, wie zwei Dattelzweige nebeneinander.
12In einer Barajtha wurde gelehrt: Die sich dem Baa͑l Peo͑r angeschlossen haben, wie ein Armband an der Hand einer Frau; ihr, die ihr euch an dem Herrn, eurem Gott, festhieltet, wirklich festgeschlossen.
13Die Rabbanan lehrten: Einst vermietete Sabta aus Ulam seinen Esel an eine Nichtjüdin, und als sie an einen Peorgötzen herankamen, sprach sie zu ihm: Warte, bis ich hineingehe und herauskomme. Nachdem sie herausgekommen war, sprach er zu ihr: Warte nun auch du, bis ich hineingehe und herauskomme. Da sprach sie zu ihm: Bist du denn nicht ein Jude? Dieser erwiderte ihr: Was geht dich dies an. Darauf ging er hinein, entleerte sich vor ihm und wischte sich an seiner Nase ab. Da lobten ihn die Pfaffen, indem sie sprachen: Noch nie hat jemand ihn auf diese Weise verehrt.
14DIE LEIBESENTLEERUNG VOR DEM BAA͑L PEO͑R IST EINE VEREHRUNG DESSELBEN. Selbst wenn man ihn zu schänden beabsichtigt.
15DAS WERFEN EINES STEINES VOR DEM MERKURIUS IST EINE VEREHRUNG DESSELBEN. Selbst wenn man ihn zu steinigen beabsichtigt.
16R. Menaše ging einst nach Be Turta, und als man ihm einen Götzen stehen zeigte, nahm er eine Scholle und warf nach ihm. Als man ihm aber sagte, es sei ein Merkurius, erwiderte er, die Lesart sei: das Werfen eines Steines vor dem Merkurius. Hierauf kam er ins Lehrhaus und fragte; da erwiderte man ihm, die Lesart sei: das Werfen eines Steines nach dem Merkurius; selbst wenn man ihn zu steinigen beabsichtigt. Als er hierauf sagte, er wolle gehen und [den Stein] fortnehmen, sprachen sie zu ihm: Man ist schuldig, einerlei ob man [einen Stein] fortnimmt oder wirft, denn jeder macht Platz für einen anderen.
17WER VON SEINEN KINDERN FÜR DEN MOLEKH HERGIBT, IST NUR DANN SCHULDIG, WENN ER [DAS KIND] ÜBERGIBT UND DURCHS FEUER FÜHRT. HAT ER ES FÜR DEN MOLEKH ÜBERGEBEN, JEDOCH NICHT [DURCHS FEUER] GEFÜHRT, ODER DURCHS FEUER GEFÜHRT, JEDOCH NICHT FÜR DEN MOLEKH ÜBERGEBEN, SO IST ER NIGHT SCHULDIG; NUR WENN ER ES FÜR DEN MOLEKH ÜBERGEBEN UND DURCHS FEUER GEFÜHRT HAT.
18GEMARA. Er lehrt vom Götzendienste [besonders] und vom Molekh [besonders]. R. Abin sagte: Wir haben also eine Lehre übereinstimmend mit dem, welcher sagt, der Molekhkult gehöre nicht zum Götzendienste. Es wird nämlich gelehrt: Er ist schuldig, einerlei ob für den Molekh oder einen anderen Götzen; R. Elea͑zar b. Šimo͑n sagt, er sei nur schuldig, wenn er [ein Kind] für den Molekh hergibt, nicht aber, wenn für einen anderen [Götzen].
19Abajje sagte: R. Elea͑zar b. Šimo͑n und R. Ḥanina b. Antigonos lehrten das gleiche. R. Elea͑zar b. Šimo͑n lehrte das, was wir gesagt haben. R. Ḥanina b. Antigonos in folgender Lehre: R. Ḥanina b. Antigonos sagte: Weshalb wählte die Tora den Ausdruck Molekh? Alles, was man als Gott anerkennt, selbst ein Steinchen oder ein Span.
20Raba sagte: Sie streiten über einen zeitweiligen Molekh.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.