Sanhedrin — Blatt 67a
1Nur als Hinweis.
2DER VERFÜHRER.» NUR EIN GEMEINER; WENN ER EINEN EINZELNENVERFÜHRT, WENN ER [BEISPIELSWEISE] ZU EINEM SPRICHT: AN JENEM ORTE BEFINDET SICH EINE GOTTHEIT, DAS ISST SIE, DAS TRINKT SIE, DAS IST IHR GUTES WIRKEN UND DAS IST IHR SCHLECHTES WIRKEN.
3BEI ALLEN IN DER TORA GENANNTEN MIT DER TODESSTRAFE BEDROHTEN STELLT MAN KEINE ZEUGEN IM HINTERHALTE AUF, AUSGENOMMEN DIESE.
4SAGTE ER DIES ZWEIEN, SO SIND SIE SELBER SEINE BELASTUNGSZEUGEN; SIE BRINGEN IHN VOR DAS GERICHTUND MAN STEINIGT IHN. SAGTE ER DIES ZU EINEM, SO SAGE ER, ER HABE FREUNDE, DIE GEFALLEN DARAN FINDENWÜRDEN;
5WENN ER ABER SCHLAU IST UND ES VOR JENEN NICHT SPRECHEN WILL, SO VERSTECKE MAN ZEUGEN HINTER EINER MAUER, UND DIESER SPRECHE ZU IHM: WIEDERHOLE MIR NUN UNTER UNS, WAS DU MIR GESAGT HAST. TUT ER DIES, SO SPRECHE ER ZU IHM: WIE SOLLTEN WIR UNSEREN GOTT IM HIMMEL VERLASSEN UND HOLZ UND STEIN VEREHREN GEHEN!? TRITT ER DAVON ZURÜCK, SO IST ES RECHT, WENN ER ABER SAGT, DIES SEI UNSERE PFLICHT UND SO SEI ES GUT FÜR UNS, SO BRINGEN IHN DIE HINTER DER MAUER STEHENDEN [ZEUGEN] VOR DAS GERICHT, UND MAN STEINIGE IHN.
6WENN JEMAND SAGT: ICH WILL [DEM GÖTZEN] DIENEN; ICH WILL GEHEN UND IHM DIENEN; WIR WOLLEN GEHEN UND IHM DIENEN; ICH WILL IHM OPFERN; ICH WILL GEHEN UND IHM OPFERN; WIR WOLLEN GEHEN UND IHM OPFERN; ICH WILL IHM RÄUCHERN; ICH WILL GEHEN UND IHM RÄUCHERN; WIR WOLLEN GEHEN UND IHM RÄUCHERN; ICH WILL IHM LIBIEREN; ICH WILL GEHEN UND IHM LIBIEREN; WIR WOLLEN GEHEN UND IHM LIBIEREN; ICH WILL MICH VOR IHM NIEDERWERFEN; ICH WILL GEHEN UND MICH VOR IHM NIEDERWERFEN; WIR WOLLEN GEHEN UND UNS VOR IHM NIEDERW ERFEN.
7GEMARA. DER VERFÜHRER NUR EIN GEMEINER. Also nur ein Gemeiner, während ein Prophet durch Erdrosselung [hinzurichten ist]; wenn er einen einzelnen verführt, also nur wenn «einen einzelnen, wenn aber eine Mehrheit, so ist er durch Erdrosselung [hinzurichten];
8somit vertritt unsere Mišna die Ansicht R. Šimo͑ns, denn es wird gelehrt: Wenn ein Prophet verleitet, so ist er durch Steinigung [hinzurichten]: R. Šimo͑n sagt, durch Erdrosselung.
9Die Verleiter einer abtrünnigen Stadt sind durch Steinigung [hinzurichten]; R. Šimo͑n sagt, durch Erdrosselung. Wie ist demnach der Schlußsatz zu erklären: der Verleiter, das ist der, welcher sagt, laßt uns gehen und Götzen dienen, und hierzu sagte R. Jehuda im Namen Rabhs, darunter seien die Verleiter einer abtrünnigen Stadt zu verstehen; also nach den Rabbanan; der Anfangsatz nach R.Šimo͑n und der Schlußsatz nach den Rabbanan!?
10Rabina erklärte: Die ganze [Mišna] vertritt die Ansicht der Rabbanan, nur lehrt er: nicht nur jenes, sondern auch dies.
11R. Papa erklärte: Er gebraucht [den Passus:] der Verführer, ein Gemeiner, nur wegen der Hinterhaltszeugen.
12Es wird nämlich gelehrt: Bei allen anderen in der Tora genannten mit der Todesstrafe Bedrohten stellt man keine Zeugen im Hinterhalte auf, ausgenommen dieser.
13Wie verfährt man dabei? Man stecke ein Licht im inneren Zimmer an und lasse die Zeugen im äußeren sitzen, sodaß sie ihn sehen und seine Stimme hören können, während er sie nicht sehen kann. Sodann spreche er zu ihm: Sage mir nun unter uns, was du mir gesagt hast. Tut er dies, so spreche er zu ihm: Wie sollten wir unseren Vater im Himmel verlassen und Götzen dienen!? Tritt er zurück, so ist es recht, wenn er aber sagt, dies sei unsere Pflicht und so sei es gut für uns, so bringen ihn die Zeugen, die ihn draußen gehört haben, vor das Gericht und man steinige ihn.
14So verfuhr man auch mit dem Sohne Saṭedas in Lud, und man henkte ihn am Vorabend des Pesaḥfestes. —
15Wieso Sohn Saṭedas, er war ja der Sohn Panderas!? R. Ḥisda erwiderte: Der Gatte [seiner Mutter] hieß Saṭeda, ihr Buhle hieß Pandera. — Ihr Gatte war ja Papos b. Jehuda!? — Vielmehr, seine Mutter hieß Saṭeda. — Seine Mutter war ja Mirjam die Frauenhaarflechterin!? — In Pumbeditha erklärten sie [diesen Namen] wie folgt: [Saṭath-da], untreu war diese ihrem Gatten.
16DER VERLEITER.» DAS IST DER, WELCHER SAGT, LASST UNS GEHEN UND GÖTZEN DIENEN.
17«DER ZAUBERER.» NUR WENN ER EINE TÄTIGKEIT AUSÜBT, NICHT ABER, WENN ER NUR EINE AUGENTÄUSCHUNG VORFÜHRT. R. A͑QIBA SAGTE IM NAMEN R. JEHOŠUA͑S: ZWEI LESEN GURKEN, EINER LIEST UND IST FREI, DER ANDERE ABER LIEST UND IST STRAFBAR; DER DABEI EINE TÄTIGKEIT AUSÜBT, IST STRAFBAR, DER NUR EINE AUGENTÄUSCHUNG VORFÜHRT, IST FREI.
18GEMARA. R. Jehuda erklärte im Namen Rabhs: Hier handelt es sich um die Verleiter einer abtrünnigen Stadt.
19DER ZAUBERER, NUR WENN ER EINE TÄTIGKEIT AUSÜBT &C. Die Rabbanan lehrten: Eine Zauberin, einerlei ob Mann oder Frau, und nur deshalb heißt es Zauberin, weil meistens Frauen sich mit Zauberei befassen.
20Auf welche Weise werden sie hingerichtet? R. Jose der Galiläer sagte: Hier heißt es: eine Zauberin sollst du nicht leben lassen, und dort heißt es: du sollst keine Seele leben lassen, wie dort durch das Schwert, ebenso auch hier durch das Schwert.
21R. A͑qiba sagte: Hier heißt es: eine Zauberin sollst du nicht leben lassen, und dort heißt es: sowohl Tier als Mensch soll nicht leben bleiben, wie dort durch Steinigung, ebenso auch hier durch Steinigung.
22R. Jose sprach zu ihm: Ich folgere hinsichtlich [der Worte] leben lassen von [den Worten] leben lassen, du aber folgerst hinsichtlich [der Worte] leben lassen von [den Worten] leben bleiben!?
23R. A͑qiba erwiderte ihm: Ich folgere hinsichtlich Jisraéliten von Jisraéliten, bei denen die Schrift verschiedene Todesarten nennt, du aber folgerst hinsichtlich Jisraéliten von Nichtjuden, bei denen die Schrift nur
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.