Sanhedrin — Blatt 67b

1eine Todesart angibt.

2Ben A͑zaj sagte: Es heißt: eine Zauberin sollst du nicht leben lassen, und darauf folgt: jeder, der ein Tier beschläft, soll getötet werden; beide [Gesetze] stehen neben einander: wie nun der ein Tier Beschlafende durch Steinigung [hinzurichten ist], ebenso auch der Zauberer durch Steinigung.

3R. Jehuda entgegnete ihm: Sollte man etwa deshalb, weil beide [Gesetze] neben einander stehen, diesen zur Steinigung hinausführen!? Vielmehr, Totenbeschwörer und Wahrsager sind ja unter ‘Zauberer’ einbegriffen, weshalb wurden sie nun herausgegriffen? Um dir zu sagen, daß man alle anderen Zauberer mit diesen vergleiche, wie diese durch Steinigung, ebenso auch alle anderen durch Steinigung. —

4Aber gegen R. Jehuda [ist ja einzuwenden:] über Totenbeschwörer und Wahrsager lehren ja zwei Schriftverse dasselbe, und aus zwei Schriftversen, die dasselbe lehren, ist ja nichts zu entnehmen!?

5R. Zekharja erwiderte: Dies besagt eben, daß R. Jehuda der Ansicht ist, aus zwei Schriftversen, die dasselbe lehren, sei wohl zu entnehmen.

6R. Joḥanan sagte: Weshalb heißen sie ‘Zauberer’? Weil sie dem himmlischen Kollegium widersprechen.

7Es gibt keinen außer ihm; R. Ḥanina sagte, dies erstrecke sich auch auf die Zauberei.

8Einst suchte eine Frau Erde (von) unter den Füßen R. Ḥaninas aufzunehmen; da sprach er zu ihr: Wenn du kannst, tu dies; es heißt: es gibt, keinen außer ihm. —

9Dem ist ja aber nicht so, R. Joḥanan sagte ja, sie heißen deshalb ‘Zauberer’, weil sie dem himmlischen Kollegium widersprechen!? — Anders war es bei R. Ḥanina, dessen Verdienste sehr groß waren.

10R. Ajbu b. Nagari sagte im Namen des R. Ḥija b. Abba: Geheimkünste, durch Dämonen, Zauberwerk, durch Zauberei, denn so heißt es: den Glanz des sich kreisenden Schwertes.

11Abajje sagte: Legt [der Zauberer] Gewicht auf ein bestimmtes Gerät, so erfolgt es durch einen Dämon, legt er kein Gewicht auf ein bestimmtes Gerät, so ist es Zauberei.

12Abajje sagte: Das Gesetz über die Zauberei gleicht dem Gesetze über den Šabbath; in manchen Fällen ist [der Angeschuldigte] zu steinigen, in manchen Fällen ist er straffrei, [die Handlung] aber verboten, und manches ist von vornherein erlaubt.

13Übt er eine Tätigkeit aus, so ist er zu steinigen, vollbringt er nur eine Augentäuschung, so ist er straffrei, jedoch ist dies verboten; von vornherein erlaubt ist das, was R. Ḥanina und R. Oša͑ja zu tun pflegten. Sie befaßten sich nämlich jeden Vorabend des Šabbaths mit der Schöpfungslehre, erschufen ein Drittlingskalb und aßen es dann auf.

14R. Aši erzählte: Ich sah einst, wie der Vater Qarnas seine Nase schnäuzte und Ballen Seide aus seinen Nasenlöchern hervorholte.

15Da sprachen die Zauberer zum Pareo͑: Das ist Gottes Finger. R. Elie͑zer sagte: Hieraus, daß ein Dämon kein Geschöpf kleiner als eine Gerste erschaffen kann.

16R. Papa sagte: Bei Gott, auch nicht eines in der Größe eines Kamels kann er erschaffen, jedoch kann er solche versammeln, jene aber nicht.

17Rabh erzählte R. Ḥija: Einst sah ich, wie ein Araber ein Kamel mit einem Schwerte zerschnitt, darauf klopfte er vor ihm mit einer Pauke, und es richtete sich auf. Dieser sprach zu ihm: Hast du etwa nachher Blut und Mist gefunden? Es war nichts weiter als eine Augentäuschung.

18Zee͑ri kam einst nach Alexandrien in Ägypten und kaufte da einen Esel. Als er ihn tränken wollte, löste sich [die Zauberei] und er blieb auf einem Brückenbrett sitzen. Hierauf sprachen jene zu ihm: Wärest du nicht Zee͑ri, so würden wir dir [das Geld] nicht zurückgegeben haben, denn hier gibt es keinen, der etwas kauft, ohne es durch Wasser zu prüfen.

19Einst kam Jannaj in ein Gasthaus und verlangte, daß man ihm Wasser zum Trinken gebe. Als ihm darauf [eine Frau] Setitha reichte, bemerkte er, daß sich ihre Lippen bewegten. Da goß er ein wenig ab, und es waren Skorpione. Hierauf sprach er zu ihnen: Ich habe von eurem getrunken, trinkt ihr nun von meinem. Als sie davon getrunken hatte, wurde sie in einen Esel verwandelt. Alsdann setzte er sich auf sie und ritt auf die Straße hinaus. Hierauf kam ihre Genossin und löste [die Zauberei] auf, und man sah ihn auf der Straße auf einem Weibe reiten.

20Da stieg der Frosch auf und bedeckte das Land Miçrajim. R. Elea͑zar sagte: Es war ein Frosch, der sich sehr vermehrte und das ganze Land Miçrajim füllte.

21Hierüber streiten Tannaím. R. A͑qiba sagte: Es war ein Frosch, und er füllte das ganze Land Miçrajim. R. Elea͑zar b. A͑zarja sprach zu ihm: A͑qiba, was hast du mit der Agada zu tun, begib dich lieber zu [den Lehren über die Unreinheit durch] Aussatz und Bezeltung; es war ein Frosch, der alle anderen heranquackte, und sie kamen.

22R. A͑QIBA SAGTE &C.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.