Sanhedrin — Blatt 69b

1Weshalb nun, vielleicht ist sie steril und unter dieser Voraussetzung würde die Antrauung nicht erfolgt sein; wahrscheinlich sagen wir, daß man sich nach der Mehrheit richte, und die meisten Frauen sind nicht unfruchtbar. —

2Nein, unter schuldig ist zu verstehen, er müsse ein Opfer darbringen. —

3Es heißt ja aber, daß er ihretwegen mit dem Tode bestraft werde!? — Wenn ihr Vater sie beschläft. —

4Es heißt ja aber; hat jemand an ihr eine aller verbotenen Beschlafungen vollzogen!? — Vielmehr, hier handelt es sich um den Fall, wenn er damit einverstanden war.

5Die Rabbanan lehrten: Wenn [eine Frau] mit ihrem minderjährigen Sohne unzüchtige Handlungen treibt und er mit ihr eine Anschmiegung [der Geschlechtsorgane] vollzieht, so hat er sie, wie die Schule Šammajs sagt, für die Priesterschaft untauglich gemacht, die Schule Hillels sagt, sie sei tauglich.

6R. Ḥija, Sohn des Rabba b. Naḥmani, sagte im Namen R. Ḥisdas, nach anderen sagte es R. Ḥisda im Namen Zee͑ris: Alle stimmen überein, daß die Begattung eines Kindes von neun Jahren und einem Tag als Begattung gelte, und daß die eines Kindes unter acht Jahren nicht als Begattung gelte, sie streiten nur über einen achtjährigen; die Schule Šammajs ist der Ansicht, man stütze sich hierbei auf die ehemaligen Generationen, und die Schule Hillels ist der Ansicht, man stütze sich nicht auf die ehemaligen Generationen. —

7Woher, daß die ehemaligen Generationen gezeugt haben: wollte man sagen, aus folgenden Schriftversen: das ist ja Bath Šeba͑, die Tochter Elia͑ms, die Frau Urija des Ḥithiters; ferner heißt es: Elia͑m, der Sohn Aḥilophels, aus Gilo; ferner heißt es: da sandte er den Propheten Nathan und ließ ihn Jedidja nennen, denn der Herr liebte ihn;

8ferner heißt es: nach Ablauf von zwei Jahren hielt Abšalom Schafschur; ferner heißt es: Abšalom aber floh und ging nach Gešur und verweilte da drei Jahre;

9ferner heißt es: und Abšalom wohnte in Jerušalem zwei Jahre lang, ohne das Gesicht des Königs gesehen zu haben; ferner heißt es: nach Ablauf von vierzig Jahren sprach Abšalom zum König: Ich möchte gerne gehen und mein Gelübde, das ich dem Herrn gelobt habe, in Ḥebron einlösen; ferner heißt es: als aber Aḥitophel sah, daß sein Rat nicht zur Ausführung kam, sattelte er den Esel und machte sich auf den Weg nach Hause in seine Vaterstadt; da bestellte er sein Haus und erhängte sich;

10ferner heißt es: Leute von Blutgier und Falschheil werden ihr Leben nicht auf die Hälfte bringen. Ferner wird gelehrt, daß die ganze Lebensdauer des Doég nur vierunddreißig Jahre und die des Aḥitophel nur dreiunddreißig Jahre betragen habe. Somit währte [das ganze Ereignis ] dreiunddreißig Jahre; davon ziehe man sieben Jahre ab, die Šelomo damals alt war, so bleiben es sechsundzwanzig, ferner ziehe man noch zwei Jahre für drei Schwangerschaften ab, so ergibt es sich, daß jeder mit acht Jahren zeugte.

11Wieso aber, vielleicht zeugten jene zwei mit neun Jahren, nur gebar Bath Šeba͑ mit sechs Jahren, denn ein Weib ist entwickelter!? Dies ist auch zu beweisen, denn sie hatte bereits vorher ein Kind.

12Wollte man sagen, aus folgenden [Schriftversen]: und dies ist die Geschichte Teraḥs: Teraḥ erzeugte Abram, Naḥor und Ḥaran, und da Abraham ein Jahr älter war als Naḥor und Naḥor ein Jahr älter war als Ḥaran, so ergibt es sich, daß Abraham zwei Jahre älter war als Ḥaran; ferner heißt es: da nahmen sich Abram und Naḥor Weiber &c., und hierzu sagte

13R. Jiçḥaq, Jiska sei identisch mit Sara, nur werde sie deshalb Jiska genannt, weil sie durch heilige Inspiration schaute [sokha], und deshalb heißt es auch: gehorche Sara in allem, was sie zu dir sagt. Eine andere Erklärung: Jiska, weil alle ihre Schönheit anschauten. Ferner heißt es: da warf sich Abraham auf sein Angesicht nieder und lachte, denn er dachte in seinem Herzen &c.; und da demnach Abraham zehn Jahre älter war als Sara und zwei Jahre älter als ihr Vater, so ergibt es sich, daß Ḥaran die Sara mit acht Jahren zeugte.

14Wieso aber, vielleicht war Abraham der jüngste unter den Brüdern, nur werden sie nach ihrer Weisheit aufgezählt.

15Es ist auch zu beweisen, daß die Schrift nach der Weisheit aufzählt, denn es heißt: als Noaḥ fünfhundert Jahre alt war, erzeugte er Šem, Ḥam und Japhet, und da Šem ein Jahr älter war als Ḥam und Ḥam ein Jahr älter war als Japhet, so war Šem zwei Jahre älter als Japhet; ferner heißt es: und Noaḥ war sechshundert Jahre alt, als die Wasserflut über die Erde kam; ferner heißt es: dies ist die Geschichte Šems: als Šem hundert Jahre alt war, erzeugte er Arpakhšad, zwei Jahre nach der Wasserflut. Wieso hundert Jahre, er müßte ja demnach hundertundzwei Jahre alt gewesen sein;

16du mußt also erklären, hier werden sie nach ihrer Weisheit aufgezählt, ebenso werden sie auch dort nach ihrer Weisheit aufgezählt.

17R. Kahana sagte: Ich sagte dies vor R. Zebid aus Nehardea͑, und er sprach zu mir: Ihr entnehmet dies hieraus, wir entnehmen es aus folgendem: Aber auch Šem, dem Stammvater aller Söhne E͑bers, dem Bruder des älteren Japhet; demnach war Japhet der größte unter den Brüdern. —

18Woher wissen wir dies nun? — Aus folgendem: Und Bezalél, der Sohn Uris, des Sohnes Ḥurs, aus dem Stamme Jehuda; ferner heißt es: und als A͑zuba (die Frau Kalebs) gestorben war, heiratete Kaleb die Ephrath; die gebar ihm den Ḥur . Als Bezalél die Stiftshütte fertigte, muß er ja dreizehn Jahre alt gewesen sein, denn es heißt: Mann für Mann die Arbeit, mit der sie gerade beschäftigt wurden;

19ferner wird gelehrt: im ersten Jahre fertigte Moše die Stiftshütte, im zweiten Jahre stellte er sie auf und entsandte die Kundschafter; ferner heißt es: vierzig Jahre war ich alt, als mich Moše, der Knecht des Herrn &c. und heute bin ich nun fünfundachtzig Jahre, er war damals also vierzig Jahre alt, und wenn man nun von diesen vierzehn Jahre, das Alter Bezaléls, abzieht, so bleiben es sechsundzwanzig, von denen man noch zwei Jahre für drei Schwangerschaften abziehe, so ergibt es sich, daß jeder mit acht Jahren [Kinder] zeugte.

20EIN SOHN, NICHT ABER EINE TOCHTER. Es wird gelehrt: R. Šimo͑n sagte: Rechtlich sollte auch eine Tochter [im Gesetze vom] mißratenen und widerspenstigen Sohne einbegriffen sein,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.