Sanhedrin — Blatt 70a

1denn eine solche verleitet auch jeden zur Sünde, es ist aber eine Bestimmung der Schrift: ein Sohn, nicht aber eine Tochter.

2WANN WIRD ER STRAFBAR? WENN ER EIN TRITEMOR FLEISCH GEGESSEN UND EIN HALBES LOG ITALISCHEN WEIN GETRUNKEN HAT. R. JOSE SAGT, EINE MINE FLEISCH UND EIN LOG WEIN.

3HAT ER ES BEI EINEM GASTMAHLE GELEGENTLICH EINER GOTTGEFÄLLIGEN HANDLUNG GEGESSEN, ODER GELEGENTLICH DER INTERKALATION DES NEUMONDES, ODER ALS ZWEITEN ZEHNTENIN JERUŠALEM, ODER AAS, TOTVERLETZTES, EKELUND KRIECHTIERE, ODER UNVERZEHNTETES, ERSTEN ZEHNTEN, VON DEM DIE HEBE NICHT ENTRICHTET WURDE UND ZWEITEN ZEHNTEN UND GEHEILIGTES, DIE NIGHT AUSGELÖST WAREN,

4ODER ETWAS, WODURCH ER EIN GEBOT AUSGEÜBT ODER EIN VERBOT ÜBERTRETEN HAT, ODER HAT ER JEDE ANDERE SPEISE GEGESSEN, ABER KEIN FLEISCH, JEDES ANDERE GETRÄNK GETRUNKEN, ABER KEINEN WEIN, SO GILT ER NICHT ALS MISSRATENER UND ABTRÜNNIGER SOHN; NUR WENN ER FLEISCH GEGESSEN UND WEIN GETRUNKEN HAT, DENN ES HEISST: ein Schlemmer und ein Saufbold. UND OBGLEICH ES DAFÜRKEINEN BEWEIS GIBT, SO GIBT ES DOCH EINE ANDEUTUNG, DENN ES HEISST: sei nicht unter den Weinsäufern und unter den Fleischverprassern.

5GEMARA. R. Zera sagte: Ich würde nicht gewußt haben, was Tritemor bedeutet, da aber R. Jose den Wein verdoppelt, so verdoppelt er auch das Fleisch, somit ist das Tritemor eine halbe Mine.

6R. Ḥanan b. Molada sagte im Namen R. Honas: Er ist nur dann strafbar, wenn er Fleisch billig gekauft und gegessen hat, Wein billig gekauft und getrunken hat, denn es heißt: Schlemmer und Saufbold.

7Ferner sagte R. Ḥanan b. Molda im Namen R. Honas: Er ist nur dann strafbar, wenn er rohes Fleisch gegessen und unverdünnten Wein getrunken hat. — Dem ist ja aber nicht so, Rabba und R. Joseph sagten ja beide, wenn er rohes Fleisch gegessen und unverdünnten Wein getrunken hat, gelte er nicht als mißratener und widerspenstiger Sohn!? Rabina erwiderte: Unverdünnter Wein, wenn er nicht sehr stark verdünnt ist, rohes Fleisch, wenn es nicht ganz gar ist, wie das geröstete Fleisch, das die Diebe essen.

8Rabba und R. Joseph sagten beide: Hat er Salzfleisch gegessen und neuen Wein getrunken, so gilt er nicht als mißratener und widerspenstiger Sohn. Dort haben wir gelernt: Am Vorabend des Neunten Ab darf man nicht zweierlei Gerichte essen, noch Fleisch essen und Wein trinken. Hierzu wird gelehrt: Wohl aber darf man Salzfleisch essen und neuen Wein trinken.

9Wie lange muß das Fleisch gesalzen sein? R. Ḥanina b. Kahana erwiderte: Solange das Fleisch des Heilsopfers gegessen werden darf. —

10Wie lange gilt der Wein als neu? — Solange er gärt. Ferner wird gelehrt: Gärendem Wein schadet das Offenstehen nicht, und zwar währt die Gärung drei Tage.

11Wie ist es nun hierbei? — Dies gilt nur dort, wo es sich um die Erheiterung handelt, und er erheitert solange, als das Fleisch des Heilsopfers liegen darf, hier aber handelt es sich um die Verlockung, und schon nach einer kurzen Zeit lockt es nicht mehr. Wein bis nach vierzig Tagen.

12R. Ḥanan sagte: Der Wein wurde auf der Welt nur zur Tröstung der Leidtragenden und als Abfindung für die Gottlosen erschaffen, denn es heißt: gebt Rauschtrank dem, der am Untergehen ist, und Wein solchen, deren Seele betrübt ist.

13R. Jiçḥaq sagte: Es heißt: sieh nicht nach dem Weine, wie rötlich er schillert; sieh nicht nach dem Weine, der das Gesicht der Gottlosen auf dieser Welt rötet, es aber in der zukünftigen Welt erblassen machen wird. Raba erklärte: Sieh nicht nach dem Weine, wie rötlich er schillert, sieh nicht nach dem Weine, denn sein Ende ist Blut.

14R. Kahana wies auf einen Widerspruch hin: Geschrieben steht tiraš und wir lesen tiroš [Most]!? Ist einer verdienstlich, so wird er durch ihn ein Erster [roš], ist er nicht verdienstlich, so wird er durch ihn ein Armer [raš].

15Raba wies auf einen Widerspruch hin: Geschrieben steht ješammeh und wir lesen jesammaḥ [erheitert]!? Ist einer verdienstlich, so erheitert er ihn, ist einer nicht verdienstlich, so verwüstet er ihn [mešamehu]. Das ist es, was Raba sagte: Wein und Parfümerien machten mich geweckt.

16R. A͑mram, Sohn des R. Šimo͑n b. Abba, sagte im Namen R. Ḥaninas: Es heißt: wer hat Ach, wer hat Weh, wer hat Gezänke, wer hat Klage, wer hat Wunden ohne Ursache, wer hat gerötete Augen? Die spät beim Weine sitzen, die da kommen, um den Mischtrank zu prüfen. Als R. Dimi kam, sagte er: Im Westen sagen sie, diese Verse lassen sich vom Anfang zum Schlusse und vom Schlusse zum Anfang auslegen.

17Ein galiläischer Wanderprediger trug vor: Dreizehnmal kommt beim Weine [das Wort] und vor: Und Noaḥ, der Landmann, fing an und pflanzte einen Weinberg; und er trank vom Weine und wurde berauscht, und lag entblößt in seinem Zelte. Und Ḥam, der Vater des Kenaa͑n, sah die Scham seines Vaters und sagte es seinen beiden Brüdern draußen. Und Šem und Japhet nahmen das Obergewand und legten es auf ihre Schulter und gingen rückwärts heran und bedeckten die Scham ihres Vaters, und ihr Gesicht &c. Und Noaḥ erwachte von seinem Rausche, und erfuhr, was ihm sein jüngster Sohn angetan hatte.

18[Hierüber streiten] Rabh und Šemuél, einer sagt, er habe ihn kastriert, und einer sagt, er habe ihn beschlafen.

19Einer sagt, er habe ihn kastriert und da er sich gegen ihn bezüglich des Vierten verging, verfluchte er seinen Vierten. Einer sagt, er habe ihn beschlafen, denn er folgert dies aus [dem Worte] sah; hier heißt es: und Ḥam, der Vater Kenaa͑ns, sah die Scham seines Vaters, und dort heißt es: und Šekhem, der Sohn des Ḥamor sah wie &c. —

20Einleuchtend ist es nach demjenigen, welcher sagt, er habe ihn kastriert, daß er seinen Vierten verfluchte; weshalb aber verfluchte er nach demjenigen, welcher sagt, er habe ihn beschlafen, seinen Vierten, sollte er ihn selbst verflucht haben!? — Er tat beides.

21Und Noaḥ, der Landmann, fing an und pflanzte einen Weinberg. R. Ḥisda sagte im Namen R. U͑qabas, nach anderen Mar U͑qaba im Namen R. Zakkajs. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu Noaḥ: Noaḥ, du solltest durch Adam den Urmenschen gewarnt sein, denn [sein Verderben] wurde nur durch den Wein herbeigeführt. Also nach demjenigen, welcher sagt, der Baum, von dem Adam der Urmensch gegessen hatte, war ein Weinstock.

22Es wird nämlich gelehrt: Der Baum, von welchem Adam der Urmensch gegessen hatte, war, wie R. Meír sagt, ein Weinstock,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.