Sanhedrin — Blatt 74b
1Nicht einmal den Schuhriemen ändern. –
2Was heißt öffentlich? R. Ja͑qob erwiderte im Namen R. Joḥanans: Öffentlich heißt es, wenn mindestens zehn Personen [anwesend sind]. – Selbstverständlich!? – Es müssen Jisraéliten sein, denn es heißt: damit ich in der Mitte der Kinder Jisraél geheiligt werde. R. Jirmeja fragte: Wie ist es, wenn es neun Jisraéliten und ein Nichtjude sind? –
3Komm und höre: Rabbanaj, der Bruder des R. Ḥija b. Abba, lehrte: Dies geht aus [dem Worte] Mitte hervor; hier heißt es: damit ich in der Mitte der Kinder Jisraél geheiligt werde, und dort heißt es: sondert euch ab aus der Mitte dieser Gemeinde, wie es dort zehn [Personen] und alle Jisraéliten waren, ebenso auch hier zehn und alle Jisraéliten. –
4Aber bei Ester geschah es jaöffentlich!? Abajje erwiderte: Ester galt nur als untätiger Boden.
5Raba erwiderte: Anders ist es, wenn es nur zu ihrem Genusse geschieht.
6Wieso dürften wir denn, wenn du dies nicht anerkennen wolltest, ihnen Kohlenpfanne und Kohlenschippen geben!? Du mußt also erklären, es sei anders, wenn es zu ihrem Nutzen geschieht, ebenso geschah es auch hierbei zu seinem Genusse.
7Raba vertritt hierbei seine Ansicht, denn Raba sagte: Wenn ein Nichtjude einem Jisraéliten bei Todesandrohung befiehlt, am Šabbath Gras zu schneiden und den Tieren vorzuwerfen, so tue er dies und lasse sich nicht töten; wenn aber, in den Fluß zu werfen, so lasse er sich lieber töten und tue dies nicht, weil er ihn nur zur Begehung einer Sünde zwingen will.
8Man fragte R. Ami: Ist einem Noaḥiden die Heiligung des Gottesnamens anbefohlen oder nicht?
9Abajje erwiderte: Komm und höre: Sieben Gebote wurden den Noaḥiden auferlegt. Wenn dem nun so wäre, so wären es ja acht. Raba erwiderte ihm: Diese und alles, was dazu gehört. –
10Wie bleibt es nun damit? R. Ada b. Ahaba erwiderte: In der Schule Rabhs sagten sie: Es heißt: in dieser Sache wolle der Herr deinem Knecht verzeihen: wenn mein Herr in den Tempel Rimmons geht, um sich daselbst niederzuwerfen und sich dabei auf meinen Arm stützt, so werfe ich mich nieder; und darauf heißt es: und er sprach zu ihm: Gehe in Frieden.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.