Sanhedrin — Blatt 75a
1Wenn dem nun so wäre, so dürfte er es ja zu ihm nicht sagen. – Dies heimlich und jenes öffentlich.
2R. Jehuda erzählte im Namen Rabhs: Einst richtete jemand seine Augen auf eine Frau und sein Herz wurde von der Leidenschaft überwältigt. Als man zu den Ärzten kam und sie befragte, erwiderten diese: Es gibt für ihn kein anderes Mittel, als daß er ihr beiwohne. Da sagten die Weisen: Mag er lieber sterben, als daß er ihr beiwohne. – So soll sie nackt vor ihm stehen. – Mag er lieber sterben, als daß sie nackt vor ihm stehe. – So soll sie sich mit ihm durch eine Wand unterhalten. – Mag er lieber sterben, als daß sie sich mit ihm durch eine Wand unterhalte.
3Hierüber streiten R. Ja͑qob b. Idi und R. Šemuél b. Naḥmani; einer sagt, es war eine Verheiratete, und einer sagt, es war eine Ledige. – Einleuchtend ist die Ansicht desjenigen, welcher sagt, es war eine Verheiratete, weshalb aber diese Strenge nach demjenigen, welcher sagt, sie sei eine Ledige!?
4R. Papa erklärte: Wegen der Bemakelung der Familie. R. Aḥa, Sohn des R. Iqa, erklärte: Damit die jisraélitischen Töchter nicht sexuell ausarten. –
5Sollte er sie doch geheiratet haben!? – Es würde ihn nicht befriedigt haben. Dies nach einer Lehre R. Jiçḥaqs, denn R. Jiçḥaq sagte: Seitdem der Tempel zerstört worden ist, ist der Genuß des Beischlafes genommen und den Sündern gegeben worden, denn es heißt: gestohlenes Wasser ist süß und heimliches Brot schmeckt angenehm.
6FOLGENDE WERDEN DURCH VERBRENNUNG HINGERICHTET: WER EINE FRAU UND IHRE TOCHTER BESCHLAFEN HAT, UND EINE PRIESTERSTOCHTER, DIE GEHURT HAT.
7UNTER ‘FRAU UND IHRE TOCHTER’ SIND EINBEGRIFFEN: SEINE EIGENE TOCHTER, DIE TOCHTER SEINER TOCHTER, DIE TOCHTER SEINES SOHNES, DIE TOCHTER SEINER FRAU, DIE TOCHTER IHRER TOCHTER, DIE TOCHTER IHRES SOHNES, SEINE SCHWIEGERMUTTER, DIE MUTTER SEINER SCHWIEGERMUTTER UND DIE MUTTER SEINES SCHWIEGERVATERS.
8GEMARA. Er lehrt also nicht: wer eine Frau beschlafen hat, deren Tochter er geheiratet hat, sondern: wer eine Frau und ihre Tochter beschlafen hat; doch wohl, wenn ihm beide verboten sind, nämlich seine Schwiegermutter und die Mutter seiner Schwiegermutter;
9und da es weiter heißt: unter ‘Frau und ihre Tochter’ sind einbegriffen, so befinden sich ja diese beiden ausdrücklich in der Schrift, während die anderen aus einer Schriftauslegung gefolgert werden.
10Einleuchtend ist es nun nach Abajje, welcher sagt, sie streiten nur über die Auslegung der Schriftstelle, unsere Mišna vertritt demnach die Ansicht R. A͑qibas;
11wessen Ansicht aber vertritt unsere Mišna nach Raba, welcher sagt, sie streiten über eine Schwiegermutter nach dem Tode [seiner Frau]!? – Raba kann dir erwidern, man lese: wer eine Frau beschläft, deren Tochter er geheiratet hat.
12UNTER ‘FRAU UND IHRE TOCHTER’ SIND EINBEGRIFFEN &C. SEINE SCHWIEGERMUTTER, DIE MUTTER SEINER SCHWIEGERMUTTER UND DIE MUTTER SEINES SCHWIEGERVATERS. Nach Abajje: da er von der Mutter seines Schwiegervaters lehren will, so lehrt er auch von seiner Schwiegermutter und der Mutter seiner Schwiegermutter;
13nach Raba: da er von der Mutter seines Schwiegervaters und der Mutter seiner Schwiegermutter lehren will, so lehrt er auch von seiner Schwiegermutter. –
14Woher dies? – Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand eine Frau nimmt und dazu ihre Mutter; ich weiß dies nur von einer Frau und ihrer Mutter, woher dies von ihrer Tochter, der Tochter ihrer Tochter und der Tochter ihres Sohnes?
15Hierbei heißt es Unzucht und dort heißt es ebenfalls Unzucht, wie dort von ihrer Tochter, von der Tochter ihrer Tochter und von der Tochter ihres Sohnes [gesprochen wird], ebenso gilt es auch hierbei von ihrer Tochter, der Tochter ihrer Tochter und der Tochter ihres Sohnes.
16Woher, daß hierbei männliche Personen weiblichen gleichen? Hierbei heißt es Unzucht und dort heißt es Unzucht, wie dort männliche Personen weiblichen gleichen, ebenso gleichen auch hierbei männliche Personen weiblichen.
17Woher, daß die absteigende [Linie] der aufsteigenden gleicht? Hierbei heißt es Unzucht und dort heißt es Unzucht, wie dort die absteigende [Linie] der aufsteigenden gleicht, ebenso gleicht auch hierbei die absteigende [Linie] der aufsteigenden, und wie ferner hierbei die aufsteigende der absteigenden gleicht, ebenso gleicht auch dort die aufsteigende der absteigenden.
18Der Meister sagte: Woher, daß hierbei männliche Personen weiblichen gleichen. Was heißt ‘männliche weiblichen’: wollte man sagen, daß die Tochter ihres Sohnes der Tochter ihrer Tochter gleiche, so werden sie ja beide zusammen [durch einen Schluß] gefolgert;
19wollte man sagen, daß die Mutter seines Schwiegervaters der Mutter seiner Schwiegermutter gleiche, wieso würde er es bezüglich der Mutter eines Schwiegervaters folgern, wo er es noch von der Mutter einer Schwiegermutter nicht weiß!?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.