Sanhedrin — Blatt 75b
1Abajje erwiderte: Er meint es wie folgt: woher, daß hierbei seine Nachkommen ihren Nachkommen gleichen? Hierbei heißt es Unzucht und dort heißt es Unzucht &c. – Aber [im Schriftverse von] seinen Nachkommen wird ja [das Wort] Unzucht nicht gebraucht!?
2Raba erwiderte: R. Jiçḥaq b. Evdämi sagte mir, man folgere dies aus [den Worten] sie und Unzucht .
3Der Meister sagte: Woher, daß hierbei die absteigende [Linie] der aufsteigenden gleicht. Was heißt ‘die absteigende der aufsteigenden’: wollte man sagen, daß die Tochter ihres Sohnes und die Tochter ihrer Tochter ihrer Tochter gleichen, so werden sie ja alle zusammen [durch einen Schluß] gefolgert;
4wollte man sagen, daß die Mutter seines Schwiegervaters und die Mutter seiner Schwiegermutter seiner Schwiegermutter gleichen, so wäre ja nicht die absteigende [Linie] mit der aufsteigenden, sondern die aufsteigende mit der absteigenden zu vergleichen!? – Lies: daß die aufsteigende der absteigenden gleicht. – Wieso heißt es demnach:
5hierbei heißt es Unzucht und dort heißt es Unzucht, wenn von diesen selber nichts ausdrücklich in der Schrift vorkommt, wieso kann bei ihnen [das Wort] Unzucht vorkommen!?
6Abajje erwiderte: Er meint es wie folgt: woher, daß dies sich aufsteigend auf drei Generationen erstreckt, wie es sich absteigend auf drei Generationen erstreckt? Bei den absteigenden Generationen wird [das Wort] Unzucht gebraucht und ebenso wird [das Wort] Unzucht bei den aufsteigenden Generationen gebraucht, wie es sich absteigend auf drei Generationen erstreckt, ebenso erstreckt es sich aufsteigend auf drei Generationen,
7und wie ferner hinsichtlich der Strafe die absteigende [Linie] der aufsteigenden gleicht, ebenso gleicht hinsichtlich des Verbotes die aufsteigende [Linie] der absteigenden.
8R. Aši erklärte: Tatsächlich wie gelehrt wird, nur ist unter ‘absteigend’ die Absteigung des Verbotes zu verstehen. –
9Demnach sollte man auch folgern: wie ihm die Mutter ihrer Mutter verboten ist, ebenso ist ihm auch die Mutter seiner Mutter verboten!?
10Abajje erwiderte: Die Schrift sagt: sie ist deine Mutter, wegen seiner Mutter kannst du ihn strafbar machen, nicht aber wegen der Mutter seiner Mutter.
11Raba erwiderte: Sowohl nach demjenigen, welcher sagt, man vergleiche sie in jeder Hinsicht, als auch nach demjenigen, welcher sagt, man vergleiche sie zwar, lasse sie aber bei ihren Bestimmungen, ist dies nicht zu folgern.
12Nach demjenigen, welcher sagt, man vergleiche sie in jeder Hinsicht: wie ihm die Mutter ihrer Mutter verboten ist, ebenso ist ihm die Mutter seiner Mutter verboten; ferner: wie auf ihre [Verwandtschaft] die Verbrennung gesetzt ist, ebenso ist auch auf seine [Verwandtschaft] die Verbrennung gesetzt.
13Dagegen aber ist, nach demjenigen, welcher sagt, die Verbrennung sei eine schwerere [Todesart], zu erwidern: wohl bei ihrer [Verwandtschaft], da auch auf ihre Mutter die Verbrennung gesetzt ist, während auf seine Mutter nur die Steinigung gesetzt ist.
14Ferner: auf seine Mutter die Steinigung und auf die Mutter seiner Mutter die Verbrennung!?
15Ferner: wie bei ihrer [Verwandtschaft] zwischen Mutter und Mutter der Mutter nicht unterschieden wird, ebenso sollte auch bei seiner Verwandtschaft zwischen Mutter und Mutter der Mutter nicht unterschieden werden;
16und wegen dieses Einwands ist es auch nach demjenigen, welcher sagt, die Steinigung sei eine schwerere [Todesart], nicht zu folgern.
17Und nach demjenigen, welcher sagt, man vergleiche sie zwar, lasse sie aber bei ihren Bestimmungen: wie ihm die Mutter ihrer Mutter verboten ist, ebenso ist ihm auch die Mutter seiner Mutter verboten; man lasse sie aber bei ihren Bestimmungen: in jenem Falle durch Verbrennung, in diesem Falle durch Steinigung, wie wir es bei seiner Mutter finden.
18Dagegen ist, nach demjenigen, welcher sagt, die Verbrennung sei eine schwerere [Todesart], zu erwidern:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.