Sanhedrin — Blatt 7b
1denn es heißt: siehe, das ist das Bett Šelomos, sechzig Helden, von den Helden Jisraéls, umringen dasselbe; sie alle mit der Hand am Schwerte, im Kampfe erfahren; jeder mit dem Schwerte an der Hüfte, wegen nächtlichen Grauens; wegen des Grauens vor der Hölle, die der Nacht gleicht.
2R. Jošija, nach anderen R. Naḥman b. Jiçḥaq, trug vor: Es heißt: Haus Davids, so spricht der Herr: Haltet alle Morgen gerechtes Gericht und rettet den Beraubten aus der Hand des Bedrückers. Hält man denn nur am Morgen Gericht, und nicht während des ganzen Tages? Vielmehr, ist dir die Sache klar wie der Morgen, so sage es, wenn aber nicht, so sage es nicht. R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Jonathans: Hieraus: sprich zur Weisheit: du bist meine Schwester; ist es dir klar, wie es dir klar ist, daß deine Schwester dir verboten ist, so sage es, wenn aber nicht, so sage es nicht.
3R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Wenn zehn zu Gericht sitzen, so hängen ihnen allen Halsfesseln um den Hals. – Selbstverständlich!? – Dies bezieht sich auf einen Schüler, der vor seinem Lehrer sitzt.
4Wenn vor R. Hona eine Gerichtsverhandlung kam, versammelte er bei sich zehn Jünger aus dem Lehrhause, indem er sagte: Damit uns nur ein Span vom Balken treffe. Wenn vor R. Aši ein Totverletztes gebracht wurde, versammelte er sämtliche Schlächter von Matha Meḥasja bei sich, indem er sagte: Damit uns nur ein Span vom Balken treffe.
5Als R. Dimi kam, erzählte er, R. Naḥman b. Kahan habe vorgetragen: Es heißt: ein König gibt durch Recht dem Lande Bestand, wer aber Abgaben häuft, richtet es zugrunde; gleicht der Richter einem Könige, der nichts braucht, so gibt er dem Lande Bestand, gleicht er aber einem Priester, der durch die Tennen wandert, so richtet er es zugrunde.
6Im Hause des Fürsten stellten sie einst einen Richter an, der nichts gelernt hatte, und sie sprachen zu Jehuda b. Naḥmani, dem Dolmetsch des Reš Laqiš: Stelle dich ihm als Dolmetsch [zur Seite]. Dieser stellte sich neben ihn und bückte sich; jener aber sprach nichts.
7Da begann er und sprach: Wehe über den, der zum Holze spricht: erwache, zum stummen Steine: rege dich. Sollte er lehren? Ist er doch in Gold und Silber gefaßt und keinerlei Geist belebt sein Inneres. Dereinst wird aber der Heilige, gepriesen sei er, denjenigen heimzahlen, die solche anstellen, denn es heißt: aber der Herr ist in seinem heiligen Tempel, vor ihm schweige die ganze Erde.
8Reš Laqiš sagte: Wenn jemand einen unwürdigen Richter über die Gemeinde einsetzt, so ist es ebenso, als hätte er eine Ašera in Jisraél gepflanzt, denn es heißt: Richter und Amtsleute sollst du dir einsetzen, und darauf folgt: du sollst dir keine Ašera von irgend welchem Holze pflanzen. R. Aši sagte: Sind in diesem Orte Schriftgelehrte vorhanden, so ist es ebenso, als hätte er sie neben einen Altar gepflanzt, denn es heißt: neben den Altar des Herrn, deines Gottes.
9Es heißt: verfertigt euch neben mir keine silbernen und keine goldenen Götzen; also nur silberne und goldene Götzen sind verboten, hölzerne aber erlaubt!? R. Aši erklärte: Götzen, die durch Silber und durch Gold entstehen.
10Wenn Rabh zur Gerichtssitzung ging, sprach er wie folgt: Aus freiem Willen geht er dem Tode entgegen, ohne daß es ihm den Bedarf seines Hauses einbringt, denn leer geht er heim; o daß doch das Kommen dem Fortgehen gleiche!
11Und wenn er die Scharen hinter sich sah, sprach er: Auch wenn seine Höhe bis zum Himmel reicht &c., gleich seinem, Kote schwindet er für immer &c. Wenn man Mar Zuṭra den Frommen an einem Feštsabbath trug, sprach er wie folgt: Denn Vermögen währt nicht immer, und bleibt etwa die Krone von Geschlecht zu Geschlecht?
12Bar Qappara trug vor: Woher das, was die Gelehrten sagen, man sei bedächtig beim Rechtsprechen? Es heißt: du sollst nicht auf Stufen heransteigen, und darauf folgt: folgendes sind die Rechtssatzungen. R. Elie͑zer sagte: Woher, daß der Richter nicht über die Köpfe des heiligen Volkes treten dürfe? Es heißt: du sollst nicht auf Stufen heransteigen, und darauf folgt: folgendes sind die Rechtssatzungen. –
13Die du ihnen vorlegen sollst; es sollte ja heißen: die du sie lehren sollst!? R. Jirmeja, nach anderen R. Ḥija b. Abba, erklärte: Das sind die Geräte der Richter. Wenn R. Hona zur Gerichtssitzung ging, sprach er wie folgt: Holt mir mein Handwerkszeug: Stock, Riemen, Blashorn und Sandale.
14Ich befahl euren Richtern zu jener Zeit. R. Joḥanan erklärte: Sei mit Stock und Riemen gewappnet. Verhören eure Brüder, und richtet. R. Ḥanina erklärte: Dies ist eine Warnung für den Richter, daß er nicht die Worte der einen Partei höre, bevor die andere da ist. Ferner ist dies eine Warnung für eine Partei, daß sie nicht ihre Worte begründe, bevor die andere da ist, denn man lese auch: höre [die Worte] unter den Brüdern.
15R. Kahana sagte: Hieraus: du sollst nicht anhören, und: du sollst nicht anhören lassen.
16Und fällt ein gerechtes Urteil. Reš Laqiš erklärte: Erwäge das Urteil und entscheide dann. Zwischen jemand und seinem Bruder. R. Jehuda erklärte: Sogar zwischen Erdgeschoß und Söller.
17Und zwischen einem Fremdling. R. Jehuda erklärte: Sogar zwischen Ofen und Herd.
18Seid nicht parteiisch im Gerichte. R. Jehuda erklärte: Erkenne keinen; R. Elea͑zar erklärte: entfremde dich keinem.
19Einst kam der Hauswirt Rabhs vor diesen zu Gericht; da fragte er ihn: Bist du etwa nicht mein Hauswirt? Jener erwiderte: Jawohl. (Er sprach zu ihm:) Ich habe einen Prozeß. Dieser entgegnete:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.