Sanhedrin — Blatt 81b
1Dieser erwiderte ihm: Mein Sohn Ada, willst du ihn etwa durch zwei Hinrichtungen töten!?
2WER EINMAL UND ZWEIMAL GEGEISSELT WORDEN IST, DEN SPERRT DAS GERICHT IN EINEN KERKER UND GIBT IHM GERSTE ZU ESSEN, BIS IHM DER BAUCH PLATZT.
3GEMARA. Sollte ihn denn das Gericht deshalb in einen Kerker sperren, weil er zweimal Geißelhiebe erhalten hat!? R. Jirmeja erwiderte im Namen des R. Šimo͑n b. Laqiš: Hier handelt es sich um Geißelhiebe neben der Ausrottungsstrafe, in welchem Falle der Mann ohnehin dem Tode verfallen ist, nur ist sein Tod noch nicht herangenaht; da er sich aber selber preisgibt, so lassen wir ihn herannahen.
4R. Ja͑qob sprach zu R. Jirmeja b. Taḥlipha: Komm, ich will es dir erklären: nur wenn es sich um dieselbe mit der Ausrottungsstrafe belegte Sünde handelt, wenn es aber zwei oder drei verschiedene Sünden sind, so wollte er nur die Sünde kosten.
5WER EINMAL UND ZWEIMAL GEGEISSELT WORDEN IST. Zweimal, also selbst wenn es sich nicht zum dritten Male wiederholt hat, somit vertritt unsere Mišna nicht die Ansicht des R. Šimo͑n b. Gamliél, denn R. Šimo͑n b. Gamliél sagt ja, unter dreimal erfolge keine Feststellung.
6Rabina erwiderte: Du kannst auch sagen, daß sie die Ansicht des R. Šimo͑n b. Gamliél vertritt, denn er ist der Ansicht, die Sünden erwirken dies.
7Man wandte ein: Wenn jemand eine Sünde begangen hat, auf die Geißelhiebe gesetzt sind, so wird er zum ersten und zum zweiten Male gegeißelt, zum dritten Male wegen des dritten Males erhalte er eine Verwarnung, und zum vierten Male wird er gegeißelt und zum vierten Male in einen Kerker gesperrt. Alle sind ja wahrscheinlich der Ansicht, daß es durch die Geißelhiebe als feststehend gelte, nur führen sie denselben Streit wie Rabbi und R. Šimo͑n b. Gamliél!? –
8Nein, alle sind sie der Ansicht des R. Šimo͑n b. Gamliél, nur besteht ihr Streit in folgendem: einer ist der Ansicht, es gelte durch die Sündenbegehung als feststehend, und einer ist der Ansicht, es gelte durch die Geißelhiebe als feststehend. –
9Es wird ja aber gelehrt: Wenn man ihn gewarnt und er geschwiegen hat, gewarnt und er zugenickt hat, so erhält er wegen des ersten und zweiten Males eine Verwarnung und zum dritten Male wird er in einen Kerker eingesperrt; Abba Šaúl sagt, auch wegen des dritten Males erhält er eine Verwarnung, und zum vierten Male werde er in einen Kerker eingesperrt.
10Worüber streiten sie nun hier, wo er überhaupt keine Geißelhiebe erhält!? Rabina erwiderte: Sie streiten, ob wegen der Einsperrung eine Verwarnung erforderlich ist. –
11Was heißt Kerker? R. Jehuda erwiderte: [Ein Raum] in Manneshöhe. – Wo ist dies [in der Schrift] angedeutet? Reš Laqiš erwiderte: Den Frevler tötet das Böse.
12Ferner sagte Reš Laqiš: Es heißt: weiß doch der Mensch nicht einmal seine Zeit, wie Fische, die in einem bösen Netze gefangen werden; welches ist ein böses Netz? Reš Laqiš erwiderte: Die Angel.
13WER EINEN OHNE ZEUGEN GETÖTET HAT, DEN SPERRT MAN IN EINEN KERKER UND GIBT IHM KNAPP BROT ZU ESSEN UND KNAPP WASSER.
14GEMARA. Woher weiß man es? Rabh erwiderte: Durch getrennte Zeugen. Šemuél erklärte: Ohne Warnung.
15R. Ḥisda erklärte im Namen Abimis: Wenn beispielsweise [die Zeugen] einander bei den Untersuchungen und nicht bei den Ausforschungen widersprochen haben; wie gelehrt wird: einst untersuchte sie Ben Zakkaj [durch Fragen] über die Stengel des Feigenbaumes.
16UND GIBT IHM KNAPP BROT ZU ESSEN UND KNAPP WASSER. Weshalb lehrt er hier, daß man ihm knapp Brot zu essen und knapp Wasser gebe, während er dort lehrt, daß man ihm Gerste zu essen gebe, bis ihm der Bauch platzt!? R. Šešeth erwiderte: In beiden Fällen gebe man ihm knapp Brot zu essen und Wasser, bis ihm die Eingeweide zusammenschrumpfen, sodann gebe man ihm Gerste zu essen, bis ihm der Bauch platzt.
17WER EINE SCHALE STIEHLT, [DEM GOTTESNAMEN] BEIM QOSEM flucht, ODER EINE ARAMÄERINBESCHLÄFT, DEN DÜRFEN EIFERER NIEDERSTOSSEN. WENN EIN PRIESTER DEN TEMPELDIENST IN UNREINHEIT VERRICHTET, SO BRINGEN IHN SEINE PRIESTERBRÜDER NICHT VOR DAS GERICHT, VIELMEHR FÜHREN IHN DIE PRIESTERJÜNGLINGE AUSSERHALB DES TEMPELS HINAUS UND ZERSCHMETTERN IHM DAS GEHIRN MIT HOLZSCHEITEN. WENN EIN GEMEINER DEN DIENST IM TEMPEL VERRICHTET, SO WIRD ER, WIE R. A͑QIBA SAGT, DURCH ERDROSSELUNG, UND WIE DIE WEISEN SAGEN, DURCH EINE HIMMLISCHE [FÜGUNG] GETÖTET.
18GEMARA. Was ist das für eine Schale? R. Jehuda erwiderte: Ein Dienstgerät, und so heißt es: die Schalen des Gußopfers. – Wo ist dies [in der Schrift] angedeutet? – Sie sollen nicht hineingehen, um zu schauen, wie man das Heilige verhüllt, denn sonst würden sie sterben.
19BEIM QOSEM FLUCHT. R. Joseph lehrte: Es schlage der Qosem den Qosem. Die Rabbanan, nach anderen Rabba b. Mari, sagten: Es schlage ihn der Qosem, ihn selbst, seinen Eigner und seinen Zueignenden.
20ODER EINE ARAMÄERIN BESCHLÄFT. R. Kahana fragte Rabh:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.